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Creditreform

Der Mai verlief nicht so schlecht wie zunächst vermutet. Per saldo konnte der Dax sogar zulegen. Doch das reichte nicht, um die Mehrheit unserer Signale eindeutig in den positiven Bereich zu bringen. Eine Markteinschätzung vom Herausgeber der „Börsensignale“.

Der Mai verlief nicht so schlecht wie zunächst vermutet. Per saldo konnte der Dax sogar zulegen. Doch das reichte nicht, um die Mehrheit unserer Signale eindeutig in den positiven Bereich zu bringen. Nun gelten die Sommermonate zwar mehrheitlich als schwache Aktienmonate. Aber das war längst nicht immer der Fall – vor allem nicht, wenn es im Winter vorher schon erhebliche Kursstürze gegeben hatte. Dieses Jahr jedoch gibt die Kursentwicklung im zweiten Quartal keinen Anlass zu Begeisterungsstürmen. Hauptgrund ist, dass Europa mit seiner Uneinigkeit keinen guten Eindruck macht, zumal die Entscheidung der Briten auch noch aussteht.

Schauen wir auf unsere Signale:

a) die Zinsstruktur („lange“ minus „kurze“ Zinsen) im gleitenden Durchschnitt,
b) das Trendsignal der Aktienindizes, repräsentiert durch den Nasdaq Composite, den Dow Jones Utility und den Dax sowie
c) die Mehrheit der Signale von fünf weiteren Indikatoren.

 

Zinsstruktur ⇑

Der Zinsabstand zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen in den USA und hierzulande beträgt derzeit 0,39 Prozent – 0,09 Prozentpunkte weniger als vor einem Monat – und signalisiert einen leichten Konjunkturrückgang. Andererseits haben der Ifo-Geschäftsklimaindex und der US-Einkaufsmanagerindex mittlerweile wieder zugelegt. Eine weltweite Rezession droht nicht.

Anleihezinsen ⇑

Weder in den USA noch in Europa kommt es zu einem schnellen Zinsanstieg. Die US-Anleihezinsen fielen wieder, auf zuletzt 1,70 Prozent, und die deutsche Umlaufrendite liegt praktisch bei null. Die Unternehmen bleiben dank der Nullzinspolitik der Zentralbanken entlastet, während hingegen Sparer und Versicherungen Schwierigkeiten haben, ihr Geld renditeträchtig anzulegen.

Ölpreis ⇒

Ursprünglich war ja ein steigender Ölpreis negativ, da so Verbraucher und Unternehmen belastet wurden. Seit der Ölpreis aber so niedrig ist, dass man sich eher darüber Gedanken machen muss, ob er nicht zu Pleiten bei Ölbohrfirmen und zu Liquiditätsproblemen bei arabischen Ländern und bei Großbanken führen könnte, wird sein Anstieg von den Börsen positiv interpretiert und jede weitere Ölpreisschwäche mit großer Angst registriert. Deshalb können wir den Ölpreis nicht weiter im bisherigen Sinn als positiven Kursindikator für Aktien verwenden.

CRB-Rohstoffindex ⇑

Die Kennziffer notiert rund 18 Prozent unter seinem Vorjahresstand – Inflation droht also nicht, auch wenn die EZB gerne etwas mehr davon hätte. Höhere Inflationsraten waren aber stets eine Belastung für die Börse.

US-Dollar ⇓

Da sich die US-Zinswende nach oben weiter verzögert, befindet sich der US-Dollar zum Euro weiter im Abwärtstrend auf nunmehr 0,8820 Euro. Wenn es ihm aber gelingt, die Marke 0,90 Euro nachdrücklich zu überschreiten, hätten wir hier wieder ein Kaufsignal.

Saisonfaktor ⇓

Dieser Indikator ist seit dem letzten Freitag im April (29.04.) negativ wegen der oft schwachen Sommermonate. Warum diese Monate so oft Kursschwächen bringen, kann nicht genau erklärt werden. Vermutlich hängt es mit der Urlaubssaison zusammen.

Trendsignal ⇓

Für ein positives Signal benötigen wir hier vor allem ein 25-Wochen-Hoch des Nasdaq-Composite-Index. Die Hürde hängt aber nicht mehr so hoch wie noch vor einem Monat. 5.048,49 Punkte müsste er Ende Juni oder Anfang Juli erreichen, um wieder ein Kaufsignal zu generieren.

 

Fazit:

Zwar gibt das Gesamtsystem momentan kein eindeutiges Kaufsignal mehr, aber die Lage hat sich aufgrund der guten Entwicklung im Mai deutlich gebessert. Zu Panikverkäufen besteht also kein Anlass.