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Doch wie verbreitet sind sogenannte Compliance-Management-Systeme in kleinen und mittelständischen Unternehmen? Eine Studie des Berufsverbands der Compliance Manager (BCM) zeigt, dass bereits 2013 mehr als die Hälfte der Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern solch ein System installiert hatte – bei Unternehmen bis 100 Mitarbeitern waren es sogar rund 65 Prozent.

Finanzieller und zeitlicher Aufwand  sind jedoch immens: „Natürlich kostet die Implementierung eines Compliance-Systems ein Unternehmen anfangs viel Kraft“, gibt Patrick Haug, Fachgruppenleiter beim BCM, zu. „Aber wenn es einmal steht, dann hat man das Gröbste hinter sich.“

Je schneller solche Compliance-Regeln durchgesetzt werden sollen, desto teurer wird es zudem.

Ein Mittelständler (bis 500 Mitarbeiter) muss mit jährlichen Kosten zwischen 500.000 und einer Million Euro rechnen, so Haug weiter.

Jörg Viebranz, von Digital Spirit, betont, dass ein gutes Compliance-System für mittelständische Unternehmen anders gestaltet sein sollte, als für einen Dax-Konzern. Der Grund: Beim inhabergeführten Mittelstand existiere eine stärkere Vertrauensbeziehung zwischen dem Chef und seinen Mitarbeitern. „Daher sollte ein Compliance-System mehr auf Überzeugen der Mitarbeiter setzen und nicht auf starre Kontrollsysteme“, sagt Viebranz. Sein Credo: Chefs sollten gute Vorbilder für ihre Mitarbeiter sein.

Wirtschaftsethikverband sieht Compliance-Regeln kritisch

Solche Compliance-Systeme – an denen Kanzleien und Beratungsfirmen gut verdienen – sieht der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik, Professor Joachim Fetzer, kritisch. „Viele Unternehmen jammern zurecht über diese Richtlinien, denn diese sind sehr komplex und schwierig zu vermitteln“, sagt Fetzer.

Doch zeige sich, dass oft das Kernproblem nicht verstanden werde. „Es geht eigentlich um Integrität – und Intergrität ist im Gegensatz zu Compliance-Regeln sehr leicht zu vermitteln“, sagt Fetzer. Er empfiehlt folgenden Leitsatz:

„Sei loyal und erwarte auch von der Gegenseite Loyalität“.

Fetzer: „Die Frage, ob man mit der juristischen Keule das unternehmerische Kernproblem löst, bleibt offen.“

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