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Mischfonds sind die Allrounder im Portfolio. Gerade bei unabhängigen Anbietern finden sich erprobte Konzepte mit langer Erfolgsbilanz. Eine Vermögensverwaltung für den kleineren Geldbeutel? 

Die Auswahl guter Zutaten, eine passende Mischung und viel Fingerspitzengefühl zeichnen einen guten Barkeeper aus. Er sollte offen für neue Kreationen sein und ab und an zu exotischen Ingredienzien greifen. Auch bei Mischfonds ist die Kombination der Zutaten entscheidend. Sie können in mehrere Anlageklassen investieren, wobei Aktien und Anleihen meist die Grundlagen sind. Immobilien, Rohstoffe oder Gold können dazukommen. Der Vorteil: Anleger brauchen nicht eine Vielzahl von Aktien- und Anleihefonds zu kaufen, sondern überlassen Auswahl und Gewichtung dem Mischfonds-Manager.

Das Konzept kommt an: 2013 kauften Privatanleger Fondsanteile im Wert von 18 Milliarden Euro. Dagegen misstrauen sie offensichtlich der guten Stimmung an den Aktienmärkten und verkauften im vergangenen Jahr Wertpapiere im Wert von 6,6 Milliarden Euro – obwohl die Aktienmärkte einen Höchststand nach dem anderen erklommen. „Immer mehr Anleger erkennen, dass sie mit konservativen Anlagen im Niedrigzinsumfeld reale Wertverluste erleiden. Zugleich suchen sie aber Alternativen zu reinen Aktieninvestments. Für diese Anleger sind Mischfonds besonders geeignet“, findet Holger Naumann, Präsident des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI).

Die Assetklasse Mischfonds umfasst eine große Bandbreite an Produkten mit zum Teil sehr unterschiedlichen Konzepten. Wie etwa vermögensverwaltende Fonds: „Im Unterschied zu traditionellen Mischfonds orientieren sie sich nicht an einem Vergleichsindex und sind vollkommen frei in ihren Entscheidungen. Sie streben mindestens Kapitalerhalt an und betreiben ein aktives Risikomanagement“, sagt Sasa Perovic, Analyst bei der Ratingagentur Scope. Mischfonds sind eine Königsdisziplin für Manager: Ihnen wird viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl abverlangt, um rechtzeitig Trendwenden zu erkennen und entsprechend den Anlageklassen Einzeltitel anzupassen. Diese Alleskönner sind besonders bei kleinen, unabhängigen Vermögensverwaltern und Gesellschaften zu finden. Denn in solchen Häusern bekommen Manager viele Freiheiten eingeräumt.

Zu den erfolgreichen Offerten zählt der Carmignac Patrimoine. Das darin enthaltende Portfolio des Vermögensverwalters Edouard Carmignac ist mit einem Volumen von 22 Milliarden Euro ein Bestseller. Der Fonds investiert weltweit in Anleihen, Aktien und Devisen. Seine gute Spürnase stellte die Fondsboutique schon häufig unter Beweis: So hat man lange vor anderen auf den Boom der Schwellenländer und die steigenden Rohstoffpreise gesetzt. Das Jahr 2014 sehen die Franzosen im Zeichen der konjunkturellen Erholung: „Wir haben unsere Präsenz in den Schwellenländern markant reduziert und Aktien mit attraktiven Bewertungen hinzugefügt, die von dem neuen Zyklus profitieren dürften, wie etwa italienische Banken. Schließlich haben wir unser Engagement in den USA erhöht, die sich in einer Phase der Reindustrialisierung befinden“, betont Didier Saint-Georges, Mitglied des Carmignac-Investmentkomitees.

Zu den Top-Produkten gehört auch der Flossbach von Storch Multiple Opportunities. Markenzeichen des Kölner Vermögensverwalters ist die sehr flexible Aktienquote. Sie hängt von der Marktlage ab und reicht von null bis 100 Prozent. Das Konzept geht auf: Mit einer Fünf-Jahres-Rendite von 107 Prozent zählt der Fonds zu den Top-Performern. Das Portfolio besteht aktuell zu 75 Prozent aus Aktien und setzt sich aus Unternehmen wie Nestlé oder Toyota zusammen. Zweitwichtigste Position im Portfolio ist Gold, das einen Anteil von zehn Prozent ausmacht: „Beim Gold wird die Trendwende 2014 kommen, das Edelmetall wird den mittelfristigen Aufwärtstrend wieder aufnehmen“, sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch. Außerdem sieht er 2014 als ein weiteres „Jahr der Aktie“.

Diese beiden Beispiele zeigen, dass es auch bei den vermögensverwaltenden Fonds deutliche Unterschiede gibt: Neben den flexiblen Fonds, die vollkommen frei investieren, finden sich offensive Mischfonds, die mindestens 80 Prozent Aktien halten. Ausgewogene Titel halten einen Aktienanteil von 40 bis 60 Prozent. Demgegenüber liegt dieser Anteil bei defensiv ausgerichteten Titeln bei maximal 25 Prozent. „Anleger sollten Produkte entsprechend ihrer Risikobereitschaft wählen. Wenn ich risikofreudig bin, muss ich mindestens sieben Jahre Anlagedauer mitbringen, bei defensiven Produkten drei Jahre und bei ausgewogenen fünf Jahre“, sagt Perovic. „Bei flexiblen Fonds empfiehlt sich aufgrund des hohen Freiheitsgrades des Fonds ein Anlagehorizont von sieben Jahren“, ergänzt er und gibt noch einen Tipp: Anleger sollten stets auf mehrere Fonds setzen: „Dadurch bekommen sie mehr Diversifikation und damit ein höheres Maß an Risikostreuung“, betont der Fondsexperte.