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© Hiroshi Watanabe/Getty Images

Die Fracht- und Transportkosten für viele mittelständische Unternehmen steigen. Doch mit vergleichsweise einfachen Mitteln können sie Einsparmöglichkeiten ausfindig machen und diese geschickt kombinieren.

 

Wenn es knapp wurde, fuhr der Chef eben selbst. „Mit vollgepacktem Kofferraum quer durch Deutschland“, erinnert sich Torsten Weinhold, Geschäftsführer von LNC Solutions.

Das Unternehmen handelt mit passiver Netzwerktechnik, mit Kabeln, Verteilern, Serverschränken und allem, was in Bürogebäuden und Rechenzentren für die Datenübertragung benötigt wird. „Bei großen Projekten ist es wichtig, dass wir mit unseren Lieferungen pünktlich sind, ansonsten haften wir für die Verzögerungen“, sagt Weinhold.

Hinzu kommt: Die Produkte sind empfindlich und müssen schonend transportiert werden. „Da sind wir voll auf die Spediteure angewiesen.“

Inzwischen sind die Prozesse etabliert und persönliche Expresslieferungen per Pkw die Ausnahme. 200 bis 300 Lkw-Ladungen verschickt LNC Solutions pro Jahr. Die Transportkosten machen etwa fünf Prozent des Gesamtumsatzes aus.

„Wir sind zu klein, um den allerbesten Preis zu bekommen“, sagt Weinhold. Genauso wichtig wie der Preis sei für ihn die Qualität der Logistikdienstleistung. „Wenn der Serverschrank für 1.000 Euro unversehrt beim Kunden ankommt, zahle ich für eine Palette gerne 20 Euro mehr.“ Dennoch stellt LNC seine Logistikkosten und -prozesse regelmäßig auf den Prüfstand – und ist anderen Unternehmerkollegen damit voraus.

 

Komplizierter Kostenvergleich

„30 Prozent aller Verlader haben keine vollständige Transparenz über die Transportkosten und Vertragskonstellationen innerhalb ihres Logistiknetzwerks“,  sagt Daniel Fathmann, Abteilungsleiter bei MSG Industry Advisors und als Berater auf Logistikprozesse spezialisiert. Er hat die Erfahrung gemacht: „Nur jeder zehnte Versender kauft Speditionsdienstleistungen zu den für ihn besten Konditionen ein.“

Viele Firmen haben also Nachholbedarf in Sachen Logistikkosten. Das Problem: Auf der Suche nach dem besten Preis erhalten sie Angebote von vielen Spediteuren – die alle ein anderes Abrechnungsmodell haben.

Der eine berechnet die Kosten abhängig von Gewicht und Gebieten, der andere von Volumengewicht und Kilometern. Dazu kommen Zuschläge für Sperrigkeit, Handling, Maut, Verpackung und Leergut.

Außerdem sind die Rechnungen unterschiedlich aufgebaut – mit eigenen Rechnungsformaten, Begrifflichkeiten und Kostenarten. „Das ergibt eine hohe Intransparenz bei den Transportkosten“, so Fathmann.

Mit der Simulation von Transportszenarien auf der Basis aller Transporte eines Geschäftsjahres können sich Unternehmen einen Überblick verschaffen und künftig systematischer beauftragen. „Das Ergebnis sind Quick Wins, schnell und vergleichsweise einfach zu realisierende Einsparungen von bis zu zehn Prozent der Kosten“, sagt Fathmann. Unternehmen, die eine Transport-Management-Software einsetzen, hätten sogar das nötige Werkzeug hierfür bereits selbst in der Hand.

 

Wenn die Spedition falsch abrechnet

Oft prüfen Firmen Transportrechnungen nur oberflächlich, etwa ob die Kosten zum Tarif passen, nicht aber, ob Nachforderungen für Sonderleistungen, Behälter oder Ähnliches gerechtfertigt sind. „Meist sind die Rechnungen höher“, sagt Fathmann.

Ursache seien oft fehlerhafte Daten und nicht etwa böse Absicht. Auf Basis realer Sendungsdaten und Tarife werden im ersten Schritt die Soll-Transportkosten jeder einzelnen Sendung überprüft und dann mit den tatsächlich berechneten Kosten verglichen. Danach können Unternehmer zurückfordern, was zu viel gezahlt wurde – laut Fathmann bis zu zehn Prozent der aktuellen Transportkosten.

In den folgenden Schritten können Firmen weitere Verbesserungsmöglichkeiten erkennen. Etwa ob und wo es sich lohnt, Sendungen zu konsolidieren. Oder ob sie für jede Region und jede Route bereits den besten Dienstleister beauftragen.

„Wenn ein Unternehmen drei Standorte in Europa hat, dann wählt häufig jeder eigene Logistikdienstleister aus – im Zweifel ohne das Wissen der anderen“, sagt Fathmann. Erst der systematische Vergleich zeigt, welcher von ihnen am günstigsten ist und eventuell auch für andere Standorte infrage kommt.

Thorsten Weinhold fand so heraus, dass es beim Transport von LAN-Technik aus einem Partnerwerk in Lettland günstiger ist, auf kleine 7,5-Tonner-Lkw zu setzen. Sie benötigen, besetzt mit drei Fahrern, für die Strecke von Lettland ins deutsche Werk im bayrischen Teisnach statt einer Woche lediglich 36 Stunden. So schnell könnte nicht einmal Weinhold mit seinem Pkw das erledigen.

Kosten sparen – so geht’s

1. Transportkosten überprüfen

Ergebnis: Rückforderung zu viel gezahlter Transportkosten, künftige Vermeidung von Rechnungsdifferenzen
Mögliche Einsparung: 8 bis 10 Prozent der aktuellen Transportkosten
Projektdauer: ca. 3 Wochen

2. Sendungen konsolidieren

Ergebnis: gesteigerte Auslastung der Transportmittel, Reduzierung der Transportfrequenzen
Mögliche Einsparung: 10 Prozent der aktuellen Transportkosten
Projektdauer: ca. 3 Wochen

3. Transportkosten intelligent steuern

Ergebnis: internes Benchmarking der Spediteure, optimaler Dienstleister für jede Route
Mögliche Einsparung: 5 Prozent der aktuellen Transportkosten
Projektdauer: ca. 2 Wochen