Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Letztmalig für das Wirtschaftsjahr 2012 durften bilanzierende Unternehmen ihre Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung noch auf Papier abgeben. Nach dem Auslaufen dieser Nichtbeanstandungsregelung müssen die Inhalte der Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung ab dem Wirtschaftsjahr 2013 unabhängig von Betriebsgröße oder Branche den Finanzbehörden grundsätzlich auf elektronischem Weg in Form eines amtlich vorgeschriebenen XBRL-Datensatzes (eXtensible Business Reporting Language) – der sogenannten Taxonomie – übermittelt werden. Beim Erstellen des XBRL-Datensatzes sind vom Unternehmen alle in den vorgeschriebenen Taxonomien als „Mussfeld“ gekennzeichneten Positionen zwingend mit den entsprechenden Kontendaten zu befüllen (Mindestumfang). Sofern in der individuellen Buchführung die jeweilige Position nicht geführt wird, verlangen die Finanzbehörden eine Übermittlung des jeweiligen Mussfelds ohne Wert (NIL-Wert). Buchhaltungssysteme mit E-Bilanz-Funktionalität erledigen dies im Regelfall automatisch. Zur Sicherstellung der rechnerischen Richtigkeit der E-Bilanz sollen in diesen Fällen für die Übermittlung der Kontendaten alternativ vorgesehene Auffangpositionen genutzt werden. Dazu bedarf es einer manuellen Zuweisung der Kontensalden („Mapping“).

Zur Unterstützung der notwendigen Vorbereitungsarbeiten haben die Finanzbehörden Informationen und Erläuterungen zu den verschiedenen Branchentaxonomien sowie technische Leitfäden auf ihrer Internetseite http://www. eSteuer.de unter „Schnittstellen (2.1.1. Schnittstellen für die E-Bilanz nach § 5b EStG) zusammengestellt. Noch vor Abgabe der Bilanz 2013 wurden bereits die überarbeiteten Folgetaxonomien (Kern und Branchentaxonomien) für nach dem 31. Dezember 2013 beginnende Wirtschaftsjahre veröffentlicht. Zur Vermeidung unnötigen Umstellungsaufwands hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) die Verwendung der neuesten Taxonomie 5.2 auch für das Wirtschaftsjahr 2013 zugelassen. Die Übermittlungsmöglichkeit mit dieser neuen Taxonomie wird voraussichtlich ab November 2013 gegeben sein (BMF-Schreiben vom 27. Juni 2013, Az.: IV C 6 – S 2133-b/11/10016 :003).

Steuersparmodell Cash-GmbH

Mit der Reform des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuerrechts wurde zum 1. Januar 2009 eine verkehrswertorientierte Bewertung aller Vermögensklassen eingeführt. Um dabei den Fortbestand vererbter oder verschenkter Unternehmen nicht zu gefährden, gilt für Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten seither die sogenannte Arbeitsplatzklausel. Danach winken Steuervorteile, wenn der Betrieb vom Erben oder Beschenkten mindestens fünf (für eine volle Steuerbefreiung sieben) Jahre lang fortgeführt wird und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Doch wie so oft im Steuerrecht hatte auch diese Begünstigung Mitnahmeeffekte zur Folge: Mit Hilfe sogenannter „Cash-GmbH’s“ wurde privates Vermögen zuletzt vermehrt in Betriebsvermögen umgewandelt, um dieses anschließend nur teils versteuert, wenn nicht gar komplett steuerfrei den Beschenkten oder Erben überlassen zu können. So war es nach der bislang geltenden Rechtslage ein Leichtes, Anteile an einer GmbH oder GmbH & Co. KG mit einem ausschließlich aus Sparanlagen und Festgeldkonten bestehenden Vermögen erbschaftsteuerfrei zu verschenken oder zu vererben. Zur Vermeidung weiterer Steuerausfälle hatte der Bundesrat in seiner Stellungnahme zum Entwurf des Jahressteuergesetzes 2013 deshalb vorgeschlagen, in das geltende Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) wirkungsvolle Hürden aufzunehmen.

Im Einzelnen sollen nach seinen Empfehlungen künftig auch Zahlungsmittel, Sichteinlagen, Bankguthaben und andere Forderungen zum schädlichen Verwaltungsvermögen zählen, sofern ihr Wert insgesamt zehn Prozent des kapitalisierten Jahresertrags, mindestens aber des Substanzwertes übersteigt. Ausnahmen sollen lediglich für Forderungen aus der eigentlichen Unternehmenstätigkeit, etwa aus Lieferungen und Leistungen gelten. Nach zähen Diskussionen im Vermittlungsausschuss wurde schließlich ein Kompromiss getroffen: Nach dem am 26. Juni 2013 im Bundesgesetzblatt verkündeten Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz darf eine GmbH nur noch 20 Prozent des Betriebsvermögens in Zahlungsmitteln, Guthaben und Forderungen halten, der übersteigende Wert gilt als schädliches Verwaltungsvermögen. Die Verschärfung ist auf alle Erwerbe ab dem 6. Juni 2013 anzuwenden.

Lohnsteuer-Nachschau

Zur Sicherung einer der wichtigsten Steuerquellen wurden die Finanzbehörden durch das Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz vom 26. Juni 2013 zur Durchführung sogenannter Lohnsteuer-Nachschauen befugt. Damit soll nicht zuletzt die Beteiligung von Lohnsteuer-Außenprüfern an Einsätzen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit erleichtert werden. Wie schon bei der Umsatzsteuer-Nachschau erfolgen die Besuche unangekündigt. Nach dem neu geschaffenen § 42g EStG soll eine Lohnsteuer-Nachschau während der üblichen Geschäftsund Arbeitszeiten stattfinden und Wohnräume nur zur Verhütung dringender Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung betreten werden. Die von der Lohnsteuer-Nachschau betroffenen Personen müssen auf Verlangen Lohn- und Gehaltsunterlagen, Aufzeichnungen, Bücher, Geschäftspapiere und andere Urkunden über die der Lohnsteuer-Nachschau unterliegenden steuerlich relevanten Sachverhalte vorlegen sowie Auskünfte erteilen. Wichtig: Von einer Lohnsteuer-Nachschau kann ohne vorherige Prüfungsanordnung zu einer Lohnsteuer-Außenprüfung übergegangen werden. Anders als bei der zuletzt im Zusammenhang mit den Vereinfachungen bei der elektronischen Rechnung gestärkten Umsatzsteuer-Nachschau nach § 27b UStG wird den mit der Lohnsteuer-Nachschau Betrauten jedoch kein Datenzugriffsrecht in die betrieblichen Datenverarbeitungssysteme eingeräumt.

Bernhard Lindgens