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Creditreform

 

Wo Gründer Kapital erhalten können

Familie und Freunde ins Boot holen. Dass Personen aus dem Umfeld überzeugende Geschäftsideen mit einem Darlehen unterstützen, kommt häufig vor. Doch Vorsicht: Damit die Zinsen als Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt werden, sollten Gründer einen Vertrag aufstellen, wie er auch unter Fremden üblich ist. Unerlässlich sind zum Beispiel Angaben zur Kreditsumme, zur Vertragslaufzeit, zur Höhe und zum Zeitpunkt der Tilgungs- sowie Zinszahlungen und zur Besicherung. Die Verzinsung der Darlehenssumme sollte ebenfalls den aktuellen banküblichen Konditionen entsprechen. Zudem muss der angehende Firmenchef nachweisen können, dass er seine Raten pünktlich gezahlt hat.

Sich die Hausbank sichern. Der Übergang von der Bank, bei der bisher das Girokonto geführt wurde, zur Hausbank des Startups ist meist schleichend. Der Vorteil: Man kennt sich. Wer sein Kreditinstitut um ein Geschäftsdarlehen bitten will, sollte aber zuvor seine privaten Finanzen geordnet haben. „Gründer, die eine schlechte Bonität aufzuweisen haben, erhalten automatisch schlechtere Konditionen“, so Berater Niemeyer.

Förderprogramme finden. Eine Hausbank benötigen Jungunternehmer außerdem auch zur Beantragung von Fördergeldern. Zum Beispiel für den ERP-Gründerkredit – Startgeld von der KfW: ein zinsgünstiges Darlehen bis zu einem Volumen von 100.000 Euro mit bis zu zwei tilgungsfreien Jahren und einer 80-prozentigen Haftungsfreistellung für die Hausbank. „Auch die Förderbanken der Länder, wie etwa die NRW Bank, bieten solche günstigen Darlehen an“, weiß Felix Thönnessen, Gründungsberater aus Düsseldorf. Es gibt aber auch Förderprogramme, zu denen Startups direkten Zugang haben. „Beispielsweise das Gründercoaching Deutschland, das bis zu 2.000 Euro Zuschuss zu einer qualifizierten Beratung gewährt. Oder die Unterstützung der Teilnahme an Auslandsmessen, bei der bis zu 50 Prozent der Ausgaben von der Landesförderbank übernommen werden“, präzisiert Thönnessen.

In zehn Kapiteln zum Businessplan: Unsere Checkliste gibt’s in der App und auf creditreform-magazin.de/businessplan.

Zusätzliches Eigenkapital sichern. Solvente private Investoren, die Firmenchefs mit Kapital, Know-how und ihren Netzwerken unterstützen, erleichtern den Start der neuen Firma enorm. Diese Business Angels trifft man zum Beispiel bei Businessplan-Wettbewerben oder regionalen Veranstaltungen der Kammern und Verbände. Auch möglich: Eine Bewerbung über das Business Angels Netzwerk Deutschland (www.business-angels.de). Doch Obacht: „Institutionelle Investoren, Venture-Capital-Gesellschaften genannt, engagieren sich meist erst, wenn die Geschäftsidee den ersten Härtetest überstanden hat“, mahnt Berater Thönnessen. Adressen potenzieller Kapitalgeber finden Gründer im Internet unter www.bvkap.de.

Leasing nutzen. Auch wenn Jungunternehmer noch keine belastbaren Geschäftszahlen vorlegen können und in den meisten Fällen nur wenige Sicherheit zu bieten haben, ist die Finanzierung per Leasing vor allem im Bereich Maschinen- und Anlagenfinanzierung eine prüfenswerte Alternative. „Da die Leasingobjekte als Sicherheiten dienen, steht einem Vertragsabschluss in der Regel nichts im Wege – vorausgesetzt natürlich, die Bonität des Firmenchefs stimmt“, so Gründungsberater Felix Thönnessen.

© leremy/fotolia, Creditreform-Magazin 05/2015

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