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Creditreform

Factoring gehört zum Finanzierungsmix einfach dazu – unabhängig von der Unternehmensphase. Ob schnell wachsende Firma, ein Betrieb in der Restrukturierung oder noch Startup: So profitieren Sie vom Forderungsverkauf.

Die Außenstände an einen Dienstleister verkaufen, 85 bis 90 Prozent der Rechnungssumme sofort erhalten und den Rest bei Bezahlung – so funktioniert Factoring. Immer mehr Unternehmen nutzen inzwischen den Forderungsverkauf, um sich zusätzlichen Liquiditätsspielraum zu verschaffen. Der Deutsche Factoring-Verband (DFV) prognostiziert: 2015 wird die Branche wohl erstmals mehr als 200 Milliarden Euro Umsatz erzielen – doppelt so viel wie vor sechs Jahren. Zehn Aspekte, auf die Firmenchefs bei dieser Finanzierungsvariante achten sollten:

Vorteile ausloten
Factoring kostet – deshalb sollten Firmen im Vorfeld genau nachrechnen, ob sich der Einsatz lohnt. Bei Betrieben, die mit einem kleinen, überschaubaren Kundenkreis zusammenarbeiten, ihre Skontovorteile bereits voll ausreizen können oder nur kleine Beträge in ihren Außenständen führen, ist eine andere Finanzierungsvariante vielleicht besser geeignet. Vorher also eine detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse durchführen.

Eignung prüfen
Grundsätzlich besteht für Factoring folgende Voraussetzung: „Die Leistung wurde vollständig erbracht, ist frei von Rechten Dritter und unstrittig“, so Thomas Klinge, Geschäftsführer von Crefo Factoring Westfalen. Unter gewissen Voraussetzungen lassen sich aber auch Rechnungen nach VOB, Abschlagsrechnungen und andere Besonderheiten – wie Debitorenkonzentrationen – im Factoring abwickeln. Da die meisten Anbieter sich jedoch auf Kunden mit Umsätzen von mehr als fünf Millionen Euro konzentrieren, ist es wichtig zu schauen, ob man auch im Fokus des Factors liegt.

Passende Variante wählen
Viele Betriebe geben das Forderungsmanagement nur ungern aus der Hand und setzen auf Inhouse-Factoring. Dabei gibt die Firma erst ab einem bestimmten Zeitpunkt die Forderung ab. Beim Full-Service-Factoring kümmert sich der Factor dagegen auch um Buchhaltung, Mahnwesen und Inkasso. Außerdem zu unterscheiden: offenes Factoring, bei dem der Kunde über den Forderungsverkauf Bescheid weiß, und die stille Form, bei dem der Factor nicht in Erscheinung tritt. Und zu guter Letzt: Bei echtem Factoring übernimmt der Anbieter das Ausfallrisiko, bei der unechten Variante verbleibt es beim Kunden.

• Spezial • Finanzierung optimieren – Fallen vermeiden
Wie solide die Kapitalsituation eines Unternehmens ist, zeigt sich meist erst in der Krise – oder wenn größere Investitionen gestemmt werden müssen. Kapitalquelle Nummer eins ist für den deutschen Mittelstand nach wie vor das Eigenkapital. Weit abgeschlagen sind dagegen Geldspritzen in Form von Leasing oder Fördermitteln. Lesen Sie in unserem Spezial, welche Kapitalquellen Firmenchefs zur Verfügung stehen und worauf sie achten sollten.

 

1. Bankkredit
2. Leasing
3. Factoring
4. Förderprogramme
5. Beteiligung
6. Kommentar

Partner mit Bedacht aussuchen
„Wenden Sie Ihre sonst üblichen Einkaufsprinzipien auch bei der Auswahl des Finanzierungspartners an“, fordert Dietrich Stoltenburg, Partner bei der Beratung Network Corporate Finance. Dies bedeutet: „Holen Sie sich mehrere Angebote ein und schauen Sie nicht nur auf die Kosten, sondern auch darauf, dass die Gesellschaft in Sachen Größe und Branchen-Know-how zur Firma passt“, so der Experte. Zudem sollte die Chemie zwischen den Beteiligten stimmen. Erste Infos erhalten Firmenchefs bei der Hausbank, dem Steuerberater oder beim DFV.

Auf die Gebührenstruktur achten
„Üblich sind zwei Abrechnungsmodelle: All-in-Flat und gesplittetes Gebührenmodell“, sagt Crefo-Experte Klinge. Im ersten Fall sind sämtliche Kosten eingerechnet. Vor allem kleinere Firmen bevorzugen diese Variante, da sie übersichtlich und leicht vergleichbar ist. Beim gesplitteten Modell kann der Kunde genau nachvollziehen, wann welche Kosten anfallen. Neben der Factoringgebühr werden Zinssatz und eine Bonitäts- sowie Kontoführungsgebühr einzeln ausgewiesen. Das hilft etwa, Kosten für Zahlungszielverlängerungen exakt zu kalkulieren.

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