Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform
Beratung, Finanzkommunikation

© Getty Images

Die Corona-Pandemie hat die Geschäftsaussichten vieler Unternehmen plötzlich und grundlegend verändert. Die Bilanz von 2019 ist damit für Banken, Auskunfteien, Kreditversicherer und Geschäftspartner mehr oder weniger wertlos. Deshalb gilt: Je unsicherer die Zeiten, desto wichtiger die Finanzkommunikation.

Soziale Netzwerke drängen sich beim Gedanken an Finanzkommunikation nicht unbedingt auf. USt-Identnummer, Umsatzerlöse, Mitarbeiterzahl – ja sicher. Aber Linkedin, Xing und Facebook? Ist das nicht mein Privatvergnügen?

Mitnichten. „Wenn ich Unternehmer bin, befolge ich andere Regeln als Privatpersonen“, sagt Dirk Markus, Mitglied der Geschäftsleitung bei Creditreform Herford & Minden. Zwar prüfe Creditreform selbst die Präsenzen nicht standardmäßig. Aber: „Wenn ich mit jemandem Geschäfte machen möchte und er ist online nirgends vertreten – nicht mal bei Google? Mich würde das stutzig machen.“

Unsicherheit bei Geschäftspartnern zu schüren, ist nie eine gute Idee – aber ganz besonders jetzt nicht. Im Oktober dieses Jahres hat die zweite Infektions­welle laut KfW-Mittelstandspanel zu einer moderaten Stimmungseintrübung geführt.

„Die für November beschlossenen Teil-Lockdowns in Deutschland und fast allen anderen europäischen Ländern werden den Konjunkturaufschwung erst einmal unterbrechen“, stellt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, fest.

 

Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen ausgesetzt

Mit Blick auf den Winter zeigt sich die Lage unbeständig und unvorhersehbar – bei Unternehmen selbst und bei all jenen, die ihre finanzielle Situation und ihre Geschäftsaussichten einschätzen müssen.

Zu schnell ändern sich die Rahmenbedingungen, um Unternehmen in Schieflage zuverlässig erkennen zu können. Zumal die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen noch bis Ende 2020 ausgesetzt ist.

Wichtiger denn je ist daher die Warenkreditversicherung für Lieferanten. Die Kreditversicherung sichert Lieferketten und Liquidität, indem sie dafür sorgt, dass Unternehmen versichert Zahlungsziele anbieten können und die Kunden ihre Bestellungen nicht per Vorkasse bezahlen müssen – was viele de facto gar nicht könnten.

Hier hatte die Bundesregierung gemeinsam mit den Kreditversicherern bis Ende des Jahres 2020 einen Rettungsschirm gespannt, damit die Versicherer auch für durch Covid-19 in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen ihre Deckung aufrechterhalten. Die Regelung soll aber Ende 2020 auslaufen. Noch verhandeln die Versicherer mit der Regierung über eine Verlängerung*.

In dieser Situation ist es unerlässlich, Unsicherheit wo immer möglich, zu reduzieren. Die gute Nachricht: Unternehmer haben es selbst in der Hand, Vertrauen herzustellen.

„Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation sollten sie die eigene Finanzkommunikation überdenken“, rät Frank Liebold, Country Director Deutschland beim Kreditversicherer Atradius.

 

Finanzkommunikation: mehr Stakeholder als nur die eigene Hausbank

Creditreform-Experte Dirk Markus sieht Unternehmer in der Pflicht, regelmäßig zu prüfen, welche Daten über sie gespeichert sind. „Was steht über mich im Internet, in sozialen Medien, bei Google – aber auch bei Creditreform?“ Letztere Auskunft sei auch für Nicht-Mitglieder kostenlos.

„Für Mitglieder gibt es sogar Push-Nachrichten, die darüber informieren, wenn sich Daten ändern.“ Falls nötig, müssten die Angaben überarbeitet werden: „Branchenzuordnungen von Unternehmen beispielsweise sind oft historisch gewachsen. Dann ist ein einstiger Maschinenbauer, der heute vornehmlich Großhandel macht, immer noch im Bereich Industrie eingruppiert.“

Eine Änderung könne zu einem exakteren Rating führen.

In der Corona-Pandemie ändert sich die Lage vieler Unternehmen unvorhergesehen und schnell. Die aktuelle finanzielle Situation ebenso wie mittel- und langfristige Geschäftsaussichten können betroffen sein und ein Anpassen von Geschäftsmodell und -strategie verlangen.

„Mit den Daten vom letzten Jahr können wir wenig anfangen“, sagt Liebold. „Unternehmer tun gut daran, aussagekräftige und aktuelle Finanzunterlagen immer abrufbar zu haben und diese ihren Partnern zur Verfügung zu stellen.“

Denn eine gelungene Finanzkommunikation hat mehr Stakeholder als nur die eigene Hausbank. „Kunden, Lieferanten, Auskunfteien und auch wir Kreditversicherer benötigen diese Informationen dringend, um eine möglichst gute Einschätzung der Situation eines Unternehmens vornehmen zu können“, sagt Atradius-Direktor Liebold.

 

Unterstützung vom Steuerberater

Inhaltlich tun Unternehmer häufig gut daran, mehr Informationen preiszugeben als unbedingt notwendig. „Je mehr Daten Firmen zur Verfügung stellen, desto besser können wir bewerten“, sagt Dirk Markus.

Statt einer verkürzten Bilanz seien auch die Gewinn- und Verlustrechnung beziehungsweise noch aktuellere BWAs und Planzahlen von Vorteil. Eine gute Zahlungsmoral ließe sich über die Skontoerträge nachweisen.

Ganz wichtig: die Zahlen selbst zu interpretieren, statt dies dem Empfänger zu überlassen. „Im persönlichen Gespräch kann ich beispielsweise erklären, welche Investitionsvorhaben in der Bilanz stecken“, sagt Markus.

Hier könnten Unternehmer auch Unterstützung mitbringen. „Oft gelingen diese Ausführungen einem Fachmann – sprich dem Steuerberater – besser. Wir bewerten es positiv, wenn ein Unternehmer ihn mit ins Boot holt.“

* Bis zum Redaktionsschluss am 17.11.2020