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Creditreform
Mitarbeiter prosten sich bei einer Firmenfeier zu

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Seit einigen Jahren zählen nahezu alle Kosten einer Betriebsveranstaltung bei der Lohnbesteuerung mit. Ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs dürfte die Stimmung weiter drücken.

 

Betriebsveranstaltungen fördern das Betriebsklima und liegen schon deshalb im eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers. So gewährt der Fiskus für sie einen steuerlichen Freibetrag von 110 Euro einschließlich Umsatzsteuer.

Liegen die Kosten pro Teilnehmer unter diesem Betrag, führen selbst mehrtägige Betriebsveranstaltungen nicht zu lohnsteuerpflichtigem Arbeitslohn. Doch Vorsicht: Der Freibetrag ist auf zwei Veranstaltungen pro Kalenderjahr begrenzt.

Ab der dritten für denselben Teilnehmerkreis wird auch bei geringeren Kosten Lohnsteuer fällig. In diesem Fall können Arbeitgeber unabhängig von der zeitlichen Reihenfolge wählen, für welche Veranstaltungen sie den Freibetrag in Anspruch nehmen.

Den Freibetrag gewähren die Finanzbehörden allerdings nur dann, wenn aktive oder ehemalige Arbeitnehmer, Praktikanten, Referendare, Leiharbeitnehmer, Arbeitnehmer anderer konzernangehöriger Unternehmen und deren Begleitpersonen eingeladen werden.

In jedem Fall muss die Teilnahme an der Veranstaltung grundsätzlich allen Angehörigen des Betriebs oder zumindest eines Betriebsteils offenstehen. Unschädlich sind zudem beschränkte Teilnehmerkreise wie Abteilungsfeiern, an denen alle Arbeitnehmer der betreffenden Organisationseinheit teilnehmen können, oder Feiern für Mitarbeiter mit runden Arbeitnehmerjubiläen.

 

Freigrenze beachten

Bei der Berechnung des 110-Euro-Freibetrags zählen laut dem nach wie vor geltenden Anwendungsschreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 14. Oktober 2015 nahezu alle Kosten der Veranstaltung mit. Dazu gehören für die Finanzbehörden selbst Stornokosten, Trinkgelder sowie Kosten anwesender Sanitäter sowie für die Erfüllung behördlicher Auflagen. ­

Außen vor bleiben lediglich rech­nerische Selbstkosten des Arbeitgebers, etwa für die Erfassung des geldwerten Vorteils der Betriebsveranstaltung in der Lohnbuchhaltung sowie anteilige Abschreibungen (AfA) und der Energie- und Wasserverbrauch bei Veranstaltungen in arbeitgebereigenen Räumen. Gleiches gilt für steuerfreie Reisekostenerstattungen (Fahrt- und Übernachtungskosten, Verpflegungspauschalen) bei der An- und Abreise auswärtiger Arbeitnehmer.

 

Nur Mitfeiern zählt

Für Katerstimmung dürfte aber die jüngste Entscheidung des Bundesfinanzhofs vom 29. April 2021 sorgen. Denn nach Auffassung der höchsten Finanzrichter müssen bei der Bewertung von Arbeitslohn nunmehr sämtliche mit der Betriebsveranstaltung in unmittelbarem Zusammenhang stehenden Aufwendungen des Arbeitgebers in die Berechnung einfließen.

Und zwar völlig unabhängig davon, ob der jeweilige Arbeitnehmer dadurch tatsächlich einen Vorteil hat. Einzubeziehen sind daher auch Kosten, die der Arbeitgeber gegenüber Dritten für den äußeren Rahmen der Betriebsveranstaltung aufwendet.

Eine Ausnahme ließ der BFH nur bei rechnerischen Selbstkosten des Arbeitgebers für den äußeren Rahmen und bei steuerfreien Leistungen für Reisekosten zu.

Damit nicht genug, sind die Gesamtkosten des Arbeitgebers zu gleichen Teilen auf alle bei der Betriebsveranstaltung anwesenden Arbeitnehmer und deren Begleitpersonen aufzuteilen. Die Zahl der nur angemeldeten Teilnehmer spielt ausdrücklich keine Rolle.

Ein Fernbleiben selbst weniger Gäste könnte so – falls dadurch der Freibetrag pro Person überschritten wird – im Nachhinein zur kostspieligen Überraschung werden.