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Soziale Netzwerke sind längst ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil unseres Lebens. Auf Internetplattformen wie Facebook, Twitter und Google+, die für alle frei zugänglich sind, kommunizieren wir mit unseren Freunden und teilen miteinander völlig offen Inhalte jeglicher Art. Der Grundgedanke aller sozialen Netzwerke ist, das eigene Wissen für andere zugänglich und umgekehrt das Wissen der Community für den Einzelnen nutzbar zu machen.

Dass dieser Ansatz höchst erfolgreich ist, beweist die weltweit bekannteste Plattform Facebook: Das erst vor zehn Jahren gegründete US-Unternehmen zählte Ende Dezember vergangenen Jahres rund um den Globus 1,23 Milliarden registrierte Nutzer. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl Indiens. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr beträgt rund 16 Prozent. Mehr als 750 Millionen Facebook-Nutzer bewegen sich täglich auf der Webseite.

Angesichts des Siegeszugs der sozialen Plattformen war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die ersten Netzwerke auf das Thema Geldanlage fokussieren würden. In den USA wurden bereits vor rund acht Jahren die ersten Social-Trading-Plattformen gegründet. Inzwischen schießen solche Angebote auch in Deutschland wie Pilze aus dem Boden. „Genauso wie Facebook oder Twitter hat erst das Web Social-Trading-Plattformen möglich gemacht“, sagt Yoni Assia, der Gründer von eToro. Seine Plattform ist mit rund drei Millionen Benutzern aus mehr als 140 Ländern weltweit die größte ihrer Art. Im Fokus steht vor allem der Devisenhandel. „Die Vision unserer Plattform ist es, Finanzmärkte für jedermann zugänglich zu machen, um an ihnen einfach und bei voller Transparenz handeln zu können und das Wissen der Vielen, die Weisheit der Masse für den eigenen Anlageerfolg zu nutzen“, sagt Assia.

Die Plattform funktioniert nach dem Prinzip des „Copy Trading“, bei dem die Masse die Käufe und Verkäufe von erfahrenen Tradern kopiert. Der Vorteil liegt darin, dass man selbst den Markt nicht vollständig verstehen und beobachten muss, um dieselbe Performance zu erzielen wie ein Profi. Den Spitzentradern bei eToro folgen Tausende von Anlegern. In den Depots der „Folger“ werden die Trades mittels „Differenzkontrakten“ (englisch: Contracts for Difference, CFDs) abgebildet. Sie gehören zur Gruppe der derivativen Finanzinstrumente. Dafür werden Gebühren fällig. Als CFD-Broker verdient eToro somit an den Transaktionen mit. Und die gibt es reichlich: Seit Gründung von eToro wurden mehr als 115 Millionen Trades abgewickelt. Die Performance der Spitzentrader kann sich sehen lassen: In einer Studie hat die Ruhr-Universität Bochum errechnet, dass die Toptrader von eToro eine jährliche Rendite von 15,4 Prozent bei relativ geringem Risiko und weitgehend unkorreliert zum Gesamtmarkt erzielt haben. „Somit wird klar bestätigt, dass Copy Trading sich lohnt“, sagt Assia.

Nach ähnlichem Muster funktionieren auch andere Plattformen. Bei Ayondo zum Beispiel können die Trader im Laufe der Zeit eine Art Karriereleiter hinaufsteigen, vom „Street Trader“ bis hin zum „Institutional“. Gehandelt wird auch hier ausschließlich mit CFDs.

Totalverlust möglich

Bei aller Euphorie sollten Anleger auch die Risiken nicht außer Acht lassen. Zunächst handelt es sich schon bei CFDs an sich um riskante Anlageprodukte, die auch ein Totalverlustrisiko in sich bergen. Ein weiteres Risiko liegt in den Vergütungsmodellen der Trader: Bei den CFD-basierten Plattformen hängen die Prämien in der Regel vom Handelsvolumen ab. Das hat Auswirkungen auf die Risikobereitschaft. Die Studie der Uni Bochum anhand von Daten der vier Anbieter Ayondo, Currensee, eToro, und Zulutrade für das Jahr 2012 kommt zum Ergebnis: Trader, die auf Basis des durch sie initiierten Handelsvolumens oder der ihnen folgenden Nutzer bezahlt werden, gehen weit höhere Risiken ein als andere. Sascha Neumann, Mitautor der Studie, hat einen möglichen Grund ausfindig gemacht. Demnach führt das „The winner takes it all“-Phänomen dazu, dass aufgrund des Herdentriebs die meisten Nutzer dem Händler mit der besten Performance folgen. Wer nicht ganz oben auf den Performance-Rankings auftaucht, rangiert unter ferner liefen. Zunächst müssen also hohe Risiken eingegangen werden, um ganz vorne zu landen. Allerdings kehrt sich der Effekt mit steigender Folger-Zahl dann um, und die „Signalgeber“ verhalten sich zunehmend risikoavers. Auch die performanceunabhängige Entlohnung führt laut Neumann zu einer höheren Risikoneigung. Die Portale eToro und Zulutrade bezahlen ihre Gurus unabhängig davon, ob die getätigten Trades erfolgreich waren.

Einen anderen Weg geht Wikifolio: „Unser Gebührenmodell ist erfolgsorientiert“, erklärt der Gründer der 2012 ins Leben gerufenen Plattform, Andreas Kern. Händler verdienen also nur dann, wenn sie eine positive Performance erzielen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Daraus resultiert ein System von Tradern, die stark an nachhaltigen Gewinnen und begrenzten Verlusten interessiert sind. Auf der Plattform können die Händler ihre Strategien als „Wikifolio“ veröffentlichen. Anleger wiederum können in diese investieren und somit automatisch den Käufen und Verkäufen folgen, welche die Händler durchführen. Der Auswahlprozess ist streng: Nach der Veröffentlichung muss ein Wikifolio „Stimmen“ der Community sammeln und eine redaktionelle Prüfung durchlaufen. Hat es diese Hürden genommen, bekommt es eine eigene Wertpapierkennnummer (WKN), wird als Indexzertifikat aufgelegt und damit handelbar. Emittent der Wikifolio-Wertpapiere ist die Wertpapierhandelsbank Lang & Schwarz. Doch Obacht: Wie bei jedem anderen Anlagezertifikat auch ist ein Investment mit dem Emittentenrisiko verbunden. Im Extremfall, also schlimmstenfalls bei einer Insolvenz des Emittenten, kann eine Anlage in dessen Zertifikate den vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals bedeuten.

Überwältigender Erfolg

Wer sich dieses Risikos bewusst ist, findet attraktive Investmentmöglichkeiten vor: „Es gibt Wikifolios, die mit hoher Tradingaktivität über 100 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften, und solche, die eher langfristige und breit diversifizierte Portfolios abbilden“, sagt Kern. „Bei aktuell mehr als 800 investierbaren Wikifolios ist wirklich für jeden etwas dabei.“ Ein Wikifolio setzt sich aus Aktien, Exchange Traded Funds (ETFs), Anlagezertifikaten und Hebelprodukten zusammen. Dabei können Händler derzeit aus einem Anlageuniversum von rund 40.000 Werten auswählen.

Auch für Vermögensverwalter hat sich die Plattform inzwischen geöffnet. Inzwischen haben Anleger weit mehr als 100 Millionen Euro in die Produkte gesteckt – Tendenz stark steigend. Mit diesem Erfolg hätte Wikifolio-Gründer Andreas Kern niemals gerechnet: „Wir sind schon in dem Bewusstsein gestartet, ein echtes, grundlegend neues Angebot für Anleger und Trader zu schaffen, und waren zuversichtlich, dass der Markt positiv reagieren würde. Die Dynamik, mit der die Entwicklung von wikifolio. com derzeit abläuft, hat uns aber schon positiv überrascht.“

Thomas Rehdorn

Ayondo (aktiv seit 2009) www.ayondo.de

Currensee (aktiv seit 2008) www.currensee.de

eToro (aktiv seit 2007) www.etoro.de

Wikifolio (aktiv seit 2012) www.wikifolio.de

Zulutrade (aktiv seit 2006) www.zulutrade.de

Quelle: eigene Recherche