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Creditreform

Die großen Konzerne haben es vorgemacht: Dank hauseigener Geldinstitute fördern sie nicht nur ihre Verkaufszahlen, sondern sichern sich auch die Einlagen zahlreicher Sparer. Mit Trumpf startete nun erstmals ein Maschinenbauer sein eigenes Kreditinstitut.

Die Konzerne VW und Siemens haben eine eigene, Schraubenspezialist Würth auch und nun sogar der Maschinenbauer Trumpf. Die Rede ist von einer eigenen Bank. „Es geht uns bei der Gründung des Bankhauses allein um die Förderung der Absatzfinanzierung“, sagt Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH + Co. KG, im Rahmen des 20. Deutschen Ban- kentags. Die Eurokrise und die missliche Lage der Trumpf-Kunden vor allem in Südeuropa waren Auslöser dafür, dass die Ditzinger im Frühjahr 2014 als erster deutscher Maschinenbauer eine hauseigene Bank aufbauten – allerdings ausschließlich offen für Kunden und Mitarbeiter. „Unsere Kernkompetenz bleibt weiterhin bei Werkzeugmaschinen und Lasern“, stellt Leibinger-Kammüller zudem klar.

Vor allem seit der Finanzmarktkrise boomt die Nachfrage nach Banklizenzen: Inzwischen erteilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) 16 Lizenzen. Darunter sind Einkaufsverbünde, Energiehändler und Zahlungsdienstleister. Weitere Firmen stehen in den Startlöchern. „Ein eigenes Geldinstitut lohnt sich bereits ab einem Finanzierungsvolumen von 50 Millionen Euro“, sagt Matthias Kopka, Experte für Bankprüfung bei der Beratungsgesellschaft Ebner Stolz.

Gute Gründe für eigene Banken

Es sind vor allem drei Motive, die Firmen anregen, ihre Bankgeschäfte selbst abzuwickeln. In erster Linie geht es ihnen darum, den Verkauf weiter anzukurbeln. Wer seine Produkte im In- und Ausland zusammen mit einer maßgeschneiderten Finanzierung anbietet, hat eben bessere Chancen, den Zuschlag zu erhalten, als ein Wettbewerber, dessen Kunden zunächst noch ihre Hausbank konsultieren müssen. Die Einschätzung des Risikos liegt zwar nun beim Unternehmer, doch der kennt in der Regel die Zyklen seines Geschäfts und die eigenen Kunden sehr gut. „Wenn das Unternehmen hier einen vorsichtigen Kurs fährt und große Risiken bei der Kreditvergabe vermeidet, lässt sich das Risiko gut steuern“, sagt Kopka.

Mehr zur Motivation für eine eigene Bank entnehmen Sie einer Podiumsdiskussion vom 20. Bankentag im April, als Video zu finden in unserer App oder unter bit.ly/1Bdf2UF.

Trumpf zum Beispiel verkaufte in den vergangenen zehn Jahren bereits einen Großteil seiner Maschinen per Leasing. Ein mühsames Geschäft, da in jedem europäischen Land regulatorische Besonderheiten zu beachten waren. Die laufenden Verträge werden jetzt von der neuen Trumpf Financial Services GmbH weitergeführt. Dank der erteilten Vollbanklizenz kann der Maschinenbauer neue Finanzierungen nun selbst anbieten – europaweit einheitlich und ohne Zwischenschaltung eines externen Geldhauses.

Dies soll vor allem den Abnehmern aus Süd- und Osteuropa zugutekommen, die nach Jahren der Schuldenkrise und des Sparens Bilanzen aufweisen, die die meisten Banker abschrecken. Nicht aber die Schwaben, die auf ihr Know-how und ihren Erfahrungen aus langjährigen Geschäftsbeziehungen setzen. Als Zusatzservice will die Trumpf-Bank ihren Kunden künftig auch Zugang zu Förderprogrammen verschaffen und den Konzernmitarbeitern attraktive Konditionen für Sparkonten sowie Girokonten anbieten.

Sichere Einlagen, günstige Kredite

Ein anderes Argument, das für eine firmeneigene Bank spricht, brachte im Sog der Lehmann-Pleite den Elektronikkonzern Siemens zum Handeln: die Sicherung seiner Liquidität. Geldreserven in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro wollten die Münchner vor vier Jahren nicht ausschließlich den damals kriselnden Geschäftsbanken anvertrauen. Seit November 2010 steuert die Siemens Bank GmbH nun selbst die Risiken und zeitlichen Fristen der Einlagen – und muss keine Gebühren für Vermögensverwaltung oder Transaktionen an fremde Dienstleister zahlen. Sogar bei der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank kann das Unternehmen seitdem sein Kapital parken.

Günstige Refinanzierung

Womit Argument Nummer drei ins Spiel kommt: Bei der Bundesbank können sich die Unternehmensbanken zu günstigen Konditionen refinanzieren. Auch bei institutionellen Adressen wie etwa Kommunen oder Pensionskassen dürfen sich die firmeneigenen Geldhäuser Kapital beschaffen – und so die Kreditlinien der Muttergesellschaft erweitern.

Trumpf-Chefin Leibinger-Kammüller ist sich jedenfalls sicher, dass ihr Unternehmen den richtigen Schritt vollzogen hat: „Wir schreiben ein Stück schwäbische Wirtschaftsgeschichte.“

 

WORAUF ES BEI DER BANKGRÜNDUNG ANKOMMT

Matthias Kopka von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz nennt die wichtigsten Aspekte im Zusammenhang mit der Eröffnung eines firmeneigenen Kreditinstituts:

Die Kosten. Für die aufsichtsrechtlichen Auflagen einschließlich der Prüfung können bis zu einer Million Euro anfallen.

Die Vollbanklizenz. Sie wird von der Bafin erteilt. Die Aufsichtsbehörde prüft vor allem den Geschäftsplan, sämtliche Prozesse, unter anderem zur Risikosteuerung, und das Knowhow der Geschäftsleitung. Jeder einzelne Geschäftsprozess muss vorab individuell definiert und dokumentiert werden. Zudem ist Geduld vonnöten: Im Fall von Trumpf brauchte die Bafin fast drei Jahre, bis sie das Vorhaben genehmigte. Schneller geht es mit dem Kauf einer bestehenden Bank.

Das Eigenkapital. Gefordert wird ein Kernkapital von zwölf Prozent der Bilanzsumme. Mehr ist aber besser. „Wenn die Branchenkonjunktur schlecht läuft, trifft es alle Kreditnehmer des Portefeuilles – das muss dann das Eigenkapital abfedern können“, so Kopka.

Das Risiko. Auch Wirtschaftsprüfer Kopka geht davon aus, dass Firmen diese gut steuern können, da sie ihr Geschäft aus dem Effeff kennen. Großrisiken sollten die Unternehmensbanker aber vermeiden. Sein Tipp: „Die gesetzlichen Obergrenzen nur zur Hälfte ausschöpfen und nicht mehr als 15 Prozent der anrechenbaren Eigenmittel an eine Adresse ausgeben.“ Besser sei es, viele kleine Finanzierungsgeschäfte abzuschließen.