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Creditreform

Nicht nur Europa steht im Fokus der Fondsgesellschaften, vor allem Schwellenländer zählen zu den lukrativsten Investitionsstandorten. Infrastrukturfonds bieten Anlegern die Möglichkeit, in langfristige – und meist von der öffentlichen Hand gewünschte – Projekte zu investieren. Grundsätzlich klingt dies nach einer guten Idee, da viele Infrastrukturmaßnahmen nicht zweimal gebaut werden und so bei den meist ein Alleinstellungsmerkmal existiert (siehe unten). Anlässe finden sich reichlich: In China beispielsweise gibt es große Anstrengungen, Straßen, Flughäfen und Eisenbahnstrecken weiter auszubauen. In Brasilien stehen die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 vor der Tür, so dass auch dort eine Verbesserung der städtischen Infrastruktur ansteht. Es ist jedoch auch zu erwarten, dass aufgrund der Eurokrise zunehmende Privatisierungen staatlicher Aufgaben anstehen, weshalb auch hier die Fonds eine breite Investmentgrundlage finden. Privatisierungsbeispiel sind die Flughäfen von Madrid und Barcelona oder der Hafen von Piräus in Griechenland. Aber auch in Deutschland sind solche Fonds aktiv, so gehört der Netzbetreiber 50Hertz teilweise einem australischen Infrastrukturfonds.

Aufgrund des Anlageschwerpunktes bildet dieser Fondstyp, zumindest in der offenen Variante, praktisch schon eine eigene Assetklasse. Es handelt sich um eine Mischung aus Immobilienfonds, Private-Equity-Fonds und Emerging-Markets-Fonds. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass in staatliche Aufgaben und nicht in den Privatmarkt investiert wird. Außerdem gibt es wie angedeutet zwei unterschiedliche Formen des Infrastrukturfonds: geschlossene und offene. Bei geschlossenen Fonds wird ausschließlich in einzelne oder wenige Projekte investiert, für deren Erwerb oder Bau gezielt Gelder eingeworben werden. Doch Obacht: Aufgrund der geschlossenen Fondsstruktur handelt es sich hierbei um unternehmerische Beteiligungen. Wer auf diese Form setzt, sollte entsprechendes Finanzwissen mitbringen und wissen, dass sein Geld über viele Jahre gebunden ist. Der offene Infrastrukturfonds hingegen ist meist nicht beschränkt hinsichtlich seiner Anlegergelder und der Investitionsdauer und kann Objekte hinzukaufen wie auch verkaufen. Damit ist eine größere Flexibilität gegeben, die tendenziell besser für Kleinanleger sein dürfte.

Umfang und Aufgaben

Vornehmlich werden über diese Art des Investments staatliche Aufgaben finanziert. Zu den Anlageschwerpunkten zählen insbesondere Flughäfen, Häfen, Mautstraßen, Brücken oder Tunnel. Dieses Spektrum beginnt, sich langsam zu erweitern, so kommen Krankenhäuser, Stromversorgung und städtische Versorgungseinrichtungen, aber auch der öffentliche Nahverkehr hinzu. Außerdem werden über diesen Weg auch Bildungseinrichtungen wie Schulen finanziert. So lassen sich die Infrastrukturprojekte in zwei Bereiche unterteilen: Auf der einen Seite stehen soziale und öffentliche Dienstleistungen wie Schulen und Krankenhäuser, auf der anderen Seite durch Nutzer finanzierte Vorhaben wie Straßen, Parkhäuser oder Versorgungseinrichtungen. Der Vorteil für Investoren liegt darin, dass der Staat meist der Auftraggeber ist. Daher gelten die Investments auch – je nach Land – als relativ sicher. Aus diesem Grund halten viele Berater diese Fonds für eine stabilere Alternative in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Ein weiteres Plus: Mautbrücken, Flughäfen oder Abrechnungsdienstleistungen wie das deutsche Tollcollect gibt es wie eingangs erwähnt nur einmal. Das heißt, sie haben zumindest ein regionales Alleinstellungsmerkmal und dadurch ein geringeres Betriebsrisiko. Allerdings ist dieser Fondstyp noch relativ neu. Zunächst traten institutionelle Anleger wie Versicherungen auf den Markt, die in Infrastrukturfonds wegen der guten Renditen investierten. Inzwischen ist dieser Markt auch für Kleinanleger offen.

Investieren wie bei Aktienfonds

Der Vorteil dieses Fondstyps liegt in der Ausrichtung. Über dies Investment beteiligt sich der Anleger an Projekten, die für ein Land oder eine Region wichtig sind. Damit wird er direkt an den Gewinnen aus den Projekten beteiligt, zum anderen profitiert er auch indirekt von der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Region, da die meisten der Infrastrukturmaßnahmen in Schwellenländern oder aufstrebenden Industrieländern erfolgen.

Doch wo gute Chancen bestehen, sind wie immer auch hohe Risiken zu erwarten. Hier ist in erster Linie das politische Risiko zu nennen. Die Investitionen und der Erfolg daraus hängen mit den politischen Verhältnissen im Land zusammen. Wechselt das Land gar die Staatsform, kann es zu einer Zwangsverstaatlichung des Infrastrukturprojektes kommen. Doch dies wäre ein Extremszenario, da die Vertragspartner – Staat wie Betriebe – zumindest über einen bestimmten Zeitraum aneinander gebunden sind. Außerdem gibt es auch regulatorische Risiken. Das heißt: Erlässt der Staat neue Gesetze und Verordnungen, die Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme haben, sinkt tendenziell der Gewinn. Außerdem hängen die Projekte auch immer von der gesamtwirtschaftlichen Situation des Landes oder der Region ab. Wichtig ist dabei das Entwicklungspotenzial des Standortes. Lohnend sind daher Infrastrukturfonds, die in prosperierenden Regionen investieren. Die Erträge erwirtschaften die Fonds auf zwei Wegen – über die Zinseinnahmen aus der Beteiligung und aus den späteren Einnahmen durch die Nutzer. Die Zinsen liegen fest, während die Einnahmen sich verändern können. Bei höheren Inflationsraten ist dann sogar eine Erhöhung der Einnahmen zu erwarten, wenn auch die erbrachten Dienstleistungen teurer werden. Deshalb dienen Infrastrukturfonds indirekt auch dem Inflationsschutz, werben die Anbieter.

Ein weiterer Punkt betrifft die Investition an sich: Wird in bereits bestehende Infrastrukturmaßnahmen investiert, lassen sich aus der Vergangenheit Erfahrungswerte ermitteln, die eine ungefähre Rendite einschätzen helfen. Dies ist bei neuen Einrichtungen oder Bauten naturgemäß nicht möglich, hier lässt sich ein tatsächlicher Bedarf für die Maßnahme nur schwierig berechnen. Das Risiko ist höher, aber bei einem Erfolg werden tendenziell auch die Erträge höher. Da die Fonds jedoch nicht in nur ein Projekt investieren, gibt es auch eine Mischung von Chancen und Risiken. Der zurzeit größte Infrastrukturfonds „Invesco Asia Infrastructure Fund“ – sein Fondsvolumen liegt bei knapp 1,6 Milliarden US-Dollar – hat seinen Anlageschwerpunkt in Südostasien (Tigerstaaten plus China und Indonesien) und Australien. Auch bei den Investments des Fonds findet eine breite Streuung, über Industrie, Bergbau, öffentliche Versorgung und andere öffentliche Bereiche statt. Neben dem direkten Investment in Infrastrukturprojekte gibt es noch eine zweite, indirekte Schiene. Da meist viele unterschiedliche Unternehmen, etwa Baufirmen oder Zulieferer, von großen Infrastrukturprojekten profitieren, gibt es auch herkömmliche Aktienfonds, die solche in Unternehmen investieren, die für Staaten spezielle Projekte oder Aufgaben durchführen. Hintergrund: Durch staatliche Aufträge im Infrastrukturbereich gilt eine gute Rendite für diese Unternehmen als wahrscheinlich. Als Beimischung ist dies auch in den klassischen Infrastrukturfonds häufig enthalten. Darüber hinaus diversifiziert sich das Angebot an Investitionsmöglichkeiten noch in ETF, Zertifikaten oder Infrastrukturanleihen.

Eike Schulze