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Creditreform
Zwei Männer beraten sich im Büro

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Unerwartet schnell hat das Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts (KöMoG) die parlamentarischen Hürden genommen. Dessen Schwerpunkt liegt in der steuerlichen Gleichbehandlung von Personen- und Kapitalgesellschaften. Doch es gibt auch Kritik.

 

Nach einem bereits vor zwei Jahrzehnten gescheiterten Versuch startet die zumindest teilweise rechtsformneutrale Unternehmensbesteuerung schlussendlich am 1. Januar 2022. Ab diesem Zeitpunkt können sich Personenhandels- und Partnerschaftsgesellschaften mit Ausnahme der Schenkung- und Erbschaftsteuer steuerlich wie Kapitalgesellschaften behandeln lassen.

Dazu reicht ein bloßer Antrag, der nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz spätestens einen Monat vor Beginn des entsprechenden Wirtschaftsjahres elektronisch übermittelt werden muss – und zwar grundsätzlich an das für die gesonderte und einheitliche Feststellung der Einkünfte zuständige Finanzamt.

Obwohl ein solcher Antrag nach dem neu eingefügten § 1a des Körperschaftsteuergesetzes (KStG) ausdrücklich unwiderruflich ist, bleibt die dadurch der Körperschaftsbesteuerung unterliegende Gesellschaft nicht für alle Zeit gebunden: Eine Rückoption kann jederzeit erklärt werden, sodass die Option eine Mindestlaufzeit von einem Jahr hat.

Der Vorteil dieses neuen Optionsmodells liegt neben der vergleichsweise niedrigen Körperschaftsteuerbelastung des Unternehmens vor allem in der Möglichkeit, erwirtschaftete Gewinne steuerneutral im Unternehmen thesaurieren und für anstehende Investitionen nutzen zu können.

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Unser Steuer-Experte: Bernhard Lindgens ist in der Umsatzsteuer­betrugsbekämpfung im Bundeszentralamt für Steuern in Bonn tätig. Zuvor war er im Bundesministerium der Finanzen für verschiedene Projekte in der Steuerfahndung und Betrugsbekämpfung sowie für den Datenzugriff der Finanzbehörden zuständig.

Umsetzung mit Licht und Schatten

Obwohl Steuerrechtsexperten die Reform der Unternehmensbesteuerung einhellig als längst ausstehenden ersten Schritt zur Gleichbehandlung der unterschiedlichen Rechtsformen begrüßen, gibt es auch Kritik. Im Hinblick auf die vom Gesetzgeber eigentlich angestrebte Entlastung von Unternehmen wird insbesondere die Begrenzung des Optionsmodells unter anderem auf die OHG, KG oder GmbH & Co. KG bemängelt, während Einzelunternehmen und Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbRs) ausgeschlossen wurden.

Die Begründung dafür findet sich im Gesetzesentwurf der Bundesregierung (Bundestags-Drucksache 19/28656), wonach sich ansonsten „auch die vielen kleinen Gesellschaften bürgerlichen Rechts sowie Gemeinschaften wie die Erbengemeinschaft mit den teilweise komplexen und gegebenenfalls beratungsintensiven steuerlichen Alternativen auseinandersetzen müssten“.

In der Tat dürfte diese Begründung nicht völlig von der Hand zu weisen sein, da ein langfristig vorteilhafter Wechsel in die Körperschaftsbesteuerung wegen der damit einhergehenden steuerlichen Konsequenzen auch für die Gesellschafter wohlüberlegt sein will. Weil diese nach Ausübung der Option nach § 1a KStG zwangsläufig wie die nicht persönlich haftenden Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft besteuert werden, führen unter anderem …

  • durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasste Einnahmen des Gesellschafters zu Kapitaleinkünften nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG und unterliegen grundsätzlich dem Kapitalertragsteuereinbehalt.
  • Vergütungen für die Tätigkeiten von Gesellschaftern zu den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit (§ 19 EStG) und unterliegen damit dem Lohnsteuereinbehalt.
  • Zinsen aus der Hingabe von Darlehen an die optierende Gesellschaft zu Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG).
  • Mieteinkünfte aus der Überlassung von Immobilien an die optierende Gesellschaft zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung (§ 21 EStG).