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Creditreform

Kleine Unternehmen entlasten, Verfahren vereinfachen. Diese Versprechen birgt das zweite Bürokratieentlastungsgesetz (kurz: BEG II), das der Bundestag nach seiner Sommerpause auf den Weg gebracht hat. Die wichtigsten Details rund um die neuen Regelungen.

Die Vorgaben

360 Milliarden Euro – um diesen Betrag will die Bundesregierungkleine Betriebe mit dem neuen Gesetz entlasten. Pro Jahr, versteht sich. In Kraft treten soll das BEG II planmäßig zum Jahresbeginn 2017. Übrigens: Weniger Bürokratie bringt auch weniger Arbeit für deutsche Amtsstuben mit sich. Die Verwaltung spart durch das neue Gesetz jährlich rund 23 Millionen Euro ein.

Wer profitiert?

Während das erste Bürokratieentlastungsgesetz aus dem Sommer 2015 noch auf junge Firmen abzielte, soll das BEG II vor allem Kleinunternehmen mit bis zu drei Mitarbeitern entlasten, beispielsweise Handwerksbetriebe. Auch Einzelunternehmer können auf Erleichterungen hoffen. In der Praxis verfolgt das neue Gesetz vor allem zwei Ansätze: Buchhaltung und Digitalisierung.

Schwerpunkt I: Buchhaltung

Rückwirkend zum 1. Januar 2016 sollen Unternehmen mit einem Umsatz bis maximal 600.000 Euro (vorher: 500.000 Euro) beziehungsweise einem Gewinn von 60.000 Euro (vorher: 50.000 Euro) von den steuerlichen Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten befreit werden.

Bisher konnten Arbeitgeber die Lohnsteueranmeldungen quartalsweise abgeben, wenn die abzuführende Lohnsteuer zwischen 1.080 Euro und 4.000 Euro lag. Die Grenze soll nun auf maximal 5.000 Euro angehoben werden. Um die Gesamtsozialversicherungsbeiträge festzulegen, werden künftig in einem vereinfachten Verfahren die Werte des Vormonats als Grundlage herangezogen. Abweichungen zur tatsächlich geforderten Summe sollen in der folgenden Entgeltabrechnung ausgeglichen werden.

Schwerpunkt II: Digitalisierung

Ab 1. Januar 2018 sollen alle Daten, die für die Pflegeversicherung wichtig sind, ausschließlich elektronisch übertragen werden. Die Handwerkskammern sollen künftig auch Internet- und E-Mail-Adressen ihrer Mitglieder abspeichern dürfen – damit will man den Weg für die digitale Kommunikation freimachen. Veröffentlichungen und Bekanntmachungen können nun auch über elektronische Medien erfolgen.

Was sonst noch neu ist

Die Aufbewahrungsfristen für Lieferscheine ändern sich: Erhaltene Papiere müssen nur noch bis zum Eingang der Rechnung archiviert werden. Für Kopien von versandten Lieferscheinen endet die Frist mit dem Versand der Rechnung. Die Regelungen greifen jedoch nicht, wenn die Lieferscheine auch als Buchungsbelege verwendet werden. Kleinstbetragsrechnungen dürfen künftig bis 200 Euro (vorher: 150 Euro) ausgestellt werden. Für sie gelten weniger formelle Vorschriften.

Für Eignungsprüfungen im Handwerk wird für die Zukunft eine Frist von sechs Monaten eingeführt.

Der Weg für den Europäischen Berufsausweis und die Anerkennung von Berufsqualifikationen im Handwerk wird freigemacht. Zudem soll es künftig einen Vorwarnmechanismus zu Berufsverboten beziehungsweise -einschränkungen geben.