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Creditreform

Vor dem Hintergrund der gesamteuropäisch schwachen wirtschaftlichen Entwicklung, stehen Litauen und die hiesigen Unternehmen ökonomisch gut da. Das liegt insbesondere am Reformprozess der letzten Jahre, der den Weg hierfür geebnet hat. 

Der baltische Staat ist seit dem 1. Januar 2015 das 19. Mitglied der Eurozone. Vorausgegangen waren jahrelange intensive wirtschaftliche und finanzielle Reformen, um die Konvergenzkriterien der Europäischen Union (EU) zu erfüllen. Damit steht Litauen im internationalen Vergleich ökonomisch nun sehr gut da: das Haushaltsdefizit beträgt 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), und liegt damit unter den von der EU geforderten drei Prozent. Die Staatsverschuldung liegt mit 39 Prozent signifikant unterhalb des EU-Durchschnitts von 90,9 Prozent (alle 2014).

Während die Eurozone insgesamt nur langsam wächst, erwartet die litauische Zentralbank für das Jahr 2015 ein Wirtschaftswachstum von knapp drei Prozent. Die russischen Einfuhrsanktionen haben hierauf keinen erheblichen Einfluss. Der litauischen Zentralbank zufolge betreffen diese nur vier Prozent der litauischen Exporte, insbesondere Lebensmittel. Damit ist Litauen als wichtige Drehscheibe nach Nord- und Osteuropa attraktiv für in der Region tätige Unternehmen.

Investitionsbedingungen locken

Die Weltbank reihte den Wirtschaftsstandort Litauen in ihrem „Doing Business Report 2015“ unter den Top 3 in Mittel- und Osteuropa ein. Als Kriterien setzte die Weltbank dabei die Abwesenheit staatlicher Barrieren bei der Entfaltung unternehmerischer Aktivität sowie Geschäftsklima und Investitionsbedingungen. Im Vergleich der EU 28 rangiert Litauen auf dem neunten Platz. Darüber hinaus profitieren ausländische Unternehmen von gut ausgebildeten Fachkräften insbesondere im Ingenieurbereich, attraktiven Arbeitskosten – etwa ein Viertel des europäischen Durchschnitts – sowie geringen Unternehmens- und Einkommenssteuern.

Auch Unternehmen aus Deutschland vertrauen aus diesen Gründen auf die guten Standortbedingungen in Litauen. Laut einer Umfrage der Deutschen Außenhandelskammer (AHK) entfallen zehn Prozent aller deutschen Direktinvestitionen auf Mittel- und Osteuropa. Auf Litauen entfallen dabei deutsche Direktinvestitionen von rund einer Milliarde Euro. Nach Schweden und den Niederlanden gehört Deutschland damit zu den wichtigsten Investoren in Litauen.

Etwa 1.200 deutsche Unternehmen sind dem Auswärtigen Amt zufolge mit einer Niederlassung dort vertreten, etwa Schmitz Cargobull, Lidl und die Deutsche Post. „Die Standortbedingungen in Litauen haben uns von Anfang an gefallen“, berichtet Ralf Meiworm, Managing Director des deutschen Mittelständlers HiSteels. „Als wir vor der Entscheidung standen, uns mit einem Standort in Osteuropa niederzulassen, konnten wir das guten Gewissens hier vorantreiben.“

Ulrich Behrens, Geschäftsführender Gesellschafter der Bio-Circle Surface Technology GmbH ergänzt: „Wir haben uns von den Rahmenbedingungen bis zu Betriebsansiedlung gut beraten gefühlt in Litauen. Viele Dinge wie Genehmigungsverfahren funktionieren hier unbürokratisch. Nicht zu vergessen die finanziellen und strategischen Vorteile, die uns aus unserem Standort im Baltikum erwachsen.“ Die Bio-Circle Surface Technology ist seit dem Jahr 2012 in Litauen aktiv.