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Creditreform

Vielfach hatte die Bundesregierung bekräftigt, dass die vorübergehende Absenkung der Mehrwertsteuer bis zum 31. Dezember 2020 befristet sei. Zur Erhöhung ab Januar 2021 haben die Finanzbehörden erneut wichtige Anwendungsregeln zusammengestellt.

Vorsteuerabzug

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Wie schon bei der befristeten Absenkung der Umsatzsteuer im Sommer 2020 ist auch bei der Rückkehr zu den regulären Sätzen ab Januar 2021 der Zeitpunkt entscheidend, zu dem die jeweiligen Umsätze (Lieferung, sonstige Leistung, innergemeinschaftlicher Erwerb oder Einfuhr) ausgeführt werden.

Das Datum des Geschäftsabschlusses, der Rechnungserteilung oder der Entgeltsvereinnahmung bleibt bei der Rückkehr von ­16 auf 19 Prozent (beziehungsweise von 5 auf 7 Prozent) unbeachtlich.

Aus Vereinfachungsgründen akzeptieren die Finanzbehörden in ihrem Anwendungsschreiben zur Erhöhung der Steuersätze vom 4. November 2020 deshalb, dass in Vorabrechnungen über erst in 2021 erbrachte Leistungen bereits der dann gültige Steuersatz von 19 Prozent beziehungsweise 7 Prozent ausgewiesen wurde und lassen den höheren Vorsteuerabzug beim Leistungsempfänger in 2020 zu.

Wichtig für die Buchungspraxis: Sollte die Umsatzsteuer bei kumulierten Voraus- und Anzahlungsrechnungen in 2020 nach den ermäßigten Steuersätzen berechnet worden sein, darf deren notwendige Berichtigung erst in dem Voranmeldungszeitraum erfolgen, in dem die Lieferung oder sonstige Leistung tatsächlich ausgeführt wird.

Eine Berichtigung auf den höheren Steuersatz in einer beliebigen anderen Voraus- oder Anzahlungsrechnung schließen die Finanzbehörden dagegen ausdrücklich aus.

Einzelfälle: Wann wird der erhöhte Steuersatz fällig?

Bei Dauerleistungen kann sich der für die Umsatzsteuerberechnung maßgebliche Ausführungszeitpunkt unterscheiden. Bei diesen Leistungen kann es sich sowohl um sonstige Leistungen wie etwa Vermietungen, Leasing, Wartungen, Überwachungen, laufende Finanz- und Lohnbuchführung als auch um die Gesamtheit mehrerer, wiederkehrender Lieferungen etwa von Baumaterial handeln.

Konkret bedeutet das: Sonstige Leistungen werden an dem Tag ausgeführt – und entsprechend besteuert –, an dem der vereinbarte Leistungszeitraum endet, wiederkehrende Lieferungen hingegen – ausgenommen sind Lieferungen von elektrischem Strom, Gas, Wärme und Wasser – am Tag jeder einzelnen Lieferung erbracht werden.

Beim Gerüstbau stellen die Leistungselemente Montage und Demontage eine Nebenleistung zur Hauptleistung, dem Vorhalten des Gerüsts, dar. Die Gesamtleistung Gerüstbau ist – sofern keine Teilleistungen vereinbart wurden – somit erst mit Abschluss der Demontage ausgeführt.

 

 

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Unser Steuer-Experte: Bernhard Lindgens ist in der Umsatzsteuer­betrugsbekämpfung im Bundeszentralamt für Steuern in Bonn tätig. Zuvor war er im Bundesministerium der Finanzen für verschiedene Projekte in der Steuerfahndung und Betrugsbekämpfung sowie für den Datenzugriff der Finanzbehörden zuständig.

 

Auch für Sonder- und Ausgleichszahlungen bei Miet- oder Leasingverträgen richtet sich die Anwendung des zutreffenden Umsatzsteuersatzes nach dem Ausführungszeitpunkt der Hauptleistung. Sofern diese in Zeiträumen vor dem 1. Juli 2020 und nach dem 30. Juni 2020 oder in Zeiträumen nach dem 31. Dezember 2020 und vor dem 1. Januar 2021 erbracht wird, sollen Sonder- und Ausgleichszahlungen vorrangig zeitanteilig der jeweiligen Hauptleistung zugeordnet werden.

Bei digitalen Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements wird die Leistung am letzten Tag des vereinbarten Leistungszeitraums ausgeführt. Gleiches gilt bei analogen Abonnements, sofern nur ein Gesamtkaufpreis existiert.

Rechtsgrundlagen

Anwendungsschreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 4. November 2020 (Az.: III C 2 – S 7030/20/10009 :016) zur Anhebung des allgemeinen und ermäßigten Umsatzsteuersatzes zum 1. Januar 2021