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Creditreform

Angesichts dieser Vorteile bei der Fremdkapitalaufnahme ist es für den Mittelständler auch zu verkraften, dass der Mezzaninekapitalgeber eine angemessene Rendite erwartet. Immerhin wird sein Investment „nachrangig“ behandelt, im Fall einer Pleite würden also alle anderen Gläubiger zuerst bedient – auch das entspricht dem Charakter von Eigenkapital. Mezzanine ist daher teurer als ein Kredit und kostet für gute Bonitäten derzeit acht bis zehn Prozent im Jahr. „Man muss die Kosten mit der eigenen Eigenkapitalverzinsung vergleichen“, relativiert Helmut Ebbert. Während der Laufzeit bezahlt er in regelmäßigen Raten ein vorher vereinbartes Entgelt – ähnlich wie Kreditzinsen. Je nach individueller Struktur ist am Ende die volle Finanzierungssumme auf einmal fällig oder optional in Tranchen. Die Kosten hält man bei der Bresser GmbH auch deshalb für tragbar, weil sich mit VR Equitypartner die Laufzeit und die Rückzahlungsmodalitäten der Beteiligung flexibel gestalten ließen. So wurde eine Verlängerung der ursprünglich vereinbarten Laufzeit von 5,5 Jahren von Anfang an in Aussicht gestellt. „Diese Prolongationsoption haben wir nun ausgeübt – und das trotz ohnehin hoher Eigenkapitalquote“, erzählt der Unternehmer, der das Geld für eine weitere Expansion aufwenden will. Die Prolongation gedenkt er aus den thesaurierten Erträgen nach drei weiteren Jahren jeweils in Tranchen zurückzuführen.

Das sei vielfach genau anders herum, berichtet Martin Völker, Geschäftsführer von VR Equitypartner: „Einige unserer Kapitalnehmer schöpfen die ursprünglich vereinbarte Laufzeit des Mezzaninekapitals nicht einmal aus – sondern führen die Beteiligung aufgrund der guten Entwicklung früher zurück als geplant. Bei Bresser haben sich jedoch parallel neue Pläne ergeben.“

Wie sich Investoren einbringen

Auch wenn Mezzaninefinanziers auf Mitspracherechte verzichten, wollen sie genau informiert sein. „Wir müssen Reports liefern“, sagt Ebbert: „Und bei großen Investitionsvorhaben brauchen wir die Zustimmung der Geldgeber.“ Das findet der Unternehmer aber nicht schlimm – er sieht Gespräche in diesem Zusammenhang sogar als Bereicherung: „Zusätzliches Know-how und das umfassende Netzwerk des Investors können schließlich nicht schaden.“

 

MODERNES MEZZANINEKAPITAL – DIE DREI GRUNDPFEILER
Individualität: Anders als zu Beginn des Jahrtausends, als viele Mittelständler sich mit Standard-Mezzanine übernahmen, bieten Investoren heute ausschließlich maßgeschneiderte Finanzierungen an. Diese sollten so gestaltet sein, dass der Kunde die laufende Vergütung und die spätere Rückzahlung ohne Schwierigkeiten meistern kann. Die Höhe der Beteiligung, die Laufzeit, die Rückführung des Kapitals an den Investor und die Kosten werden an die Leistungsfähigkeit des Kunden angepasst. Die Laufzeit beträgt in der Regel fünf bis sieben Jahre. Ein guter Finanzinvestor wird bei Bedarf auch über diesen Zeitraum hinaus eine individuell angepasste Anschlussfinanzierung anbieten.
Mitsprache: Der Investor beteiligt sich entweder als stiller Gesellschafter oder wird Genussrechtsinhaber. Die Gesellschafterstruktur bleibt damit die alte – was vielen familiengeführten Kunden entgegenkommt. Im Gegensatz zu einer Direktbeteiligung haben Unternehmer ihrem Kapitalgeber bei Mezzanine weniger Mitspracherechte einzuräumen. Meist möchte der Investor aber regelmäßig über wesentliche Kennzahlen informiert werden. Controlling und Rechnungswesen sollten hierfür gerüstet sein.
Kosten: Mezzanine erfordert keine Sicherheiten, zählt als wirtschaftliches Eigenkapital und gibt damit zusätzlichen finanziellen Spielraum. Laut Martin Völker von VR Equitypartner gilt der Einsatz von Mezzanine bei vielen Banken als Qualitätsmerkmal. Für den Investor ist Mezzanine nachrangig gegenüber allen anderen externen Gläubigern und daher als zusätzliches Haftkapital zu werten. Die Vergütung ist damit allerdings tendenziell höher als der Zins eines abgesicherten Kredits. Wegen der laufenden Vergütung eignet sich Mezzanine besonders gut für Unternehmen mit stabilem Cashflow.