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Creditreform

So viel Ertrag muss es für den erfolgreichen Start eines solchen Modells nicht einmal sein. „Wichtig ist es, dass der Mitarbeiter dem Unternehmer und seinen Fähigkeiten Vertrauen schenkt“, meint Fritz. Es geht also nicht darum, mit hohen Summen einzusteigen. Vielmehr zählt die Motivation des Firmenchefs. Der Unternehmer sollte voll und ganz hinter seinem Modell stehen und dieses gegenüber seinen Mitarbeitern auch so vertreten. Er darf keine Scheu haben, eine offene Informationspolitik zu betreiben – und zwar nicht nur in der Phase der Einführung, sondern während der gesamten Laufzeit. Dem Unternehmer obliegt hier eine Bringschuld, die aber in Form und Umfang frei gestaltet werden kann. Gesetzliche Vorgaben gibt es hier so gut wie nicht.

© Vitalina Rybakova/ Fotolia; Creditreform-Magazin 10/2015

© Vitalina Rybakova/ Fotolia; Creditreform-Magazin 10/2015

Das bedeutet, dass er keine Mitsprache- oder Mitbestimmungsrechte einräumen muss. „Im Mittelstand wählen die Unternehmer zumeist Modelle wie stille Beteiligungen oder Genussrechte, bei denen der Firmenchef die Zügel in der Hand behält“, weiß Heinrich Beyer, Geschäftsführer des Bundesverbands Mitarbeiterbeteiligung (AGP) in Kassel. Bei diesen Varianten hat die Führungsspitze weitgehend freie Wahl in puncto Verzinsung, Kündigungsfristen oder Auszahlungsmodalitäten. Sie legt selbst fest, welchen Anteil des Gewinns sie den Mitarbeitern weiterreichen will, ob Führungskräfte stärker durch die Beteiligung partizipieren sollen als der Azubi oder über welche Laufzeit sich die Mitarbeiter engagieren können. Auch über Zuschüsse entscheidet sie frei: „Das kann sich anbieten. Denn erfahrungsgemäß steigert es die Teilnehmerquote“, meint Fritz. Auch dann, wenn es nur ein paar Euro sind. Unterm Strich muss Mitarbeiterbeteiligung also nicht teuer sein.

 

FORMEN DER MITARBEITERBETEILIGUNG

Eigenkapital
Belegschaftsaktien erhalten die Mitarbeiter aus dem Bestand der Aktiengesellschaft oder durch Kapitalerhöhung zum Vorzugskurs. Die Mitarbeiter sind am Erfolg durch mögliche Auszahlung einer Dividende sowie über Kurssteigerungen beteiligt. Eine Alternative stellen GmbH-Anteile dar. Denn halten Mitarbeiter einen Teil des Stammkapitals einer GmbH, sind sie stimmberechtigte Gesellschafter. Sie erhalten je nach Ausgestaltung ein Recht auf Gewinn- und Verlustbeteiligung bis zur Höhe ihrer Einlage.

Mezzaninekapital
Als stille Gesellschafter partizipieren Mitarbeiter immer am Gewinn, eine Verlustbeteiligung ist ausgeschlossen. In diesem Fall handelt es sich bei den Kapitaleinlagen der Mitarbeiter um Fremdkapital ohne Mitsprache und mit nur begrenzten Kontrollrechten. In vergleichbarer Form ist das auch als Genussrecht gestaltbar, wobei hier die Informationsrechte frei wählbar sind. Dabei spricht man dann von einem Dauerschuldverhältnis – also ausschließlich um einen geldwerten Anspruch. Der Unternehmer kann seine Informationspflichten selbst bestimmen. Bei eher eigenkapitalähnlicher Gestaltung in Form von Mezzaninekapital muss die Mindestanlagedauer fünf Jahre betragen, eine Verlustbeteiligung riskiert werden und das Kapital mit einer Nachrangklausel für den Fall einer Insolvenz ausgestattet sein.

Fremdkapital
Dieses lässt sich etwa als Mitarbeiterdarlehen oder als Schuldverschreibung aufnehmen. Mitarbeiterdarlehen zeichnen sich durch fixe Verzinsung, feste Laufzeit und weniger transparente Informationspolitik gegenüber den Mitarbeitern aus. Es ist die einfachste Form der Beteiligung und rechtsformunabhängig. Ähnlich sieht es bei Schuldverschreibungen aus: Mitarbeiter geben Fremdkapital und erhalten dafür Wertpapiere der Firma. Die Kapitalstruktur des Unternehmens verschlechtert sich, zuweilen werden Sicherheiten erforderlich. Ähnliches gilt bei Mitarbeiterdarlehen.

Investivkapital
Mitarbeiter sparen brutto Sonderzahlungen der Firma an. Dieses Guthaben bleibt steuer- und sozialabgabenfrei, solange der Mitarbeiter nicht darüber verfügen kann.