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Creditreform

© Piotr Marcinski / EyeEm/Getty Images

Nur ein Bruchteil der Unternehmen hat für die Mitarbeiter eine Betriebliche Krankenversicherung (bKV) abgeschlossen. Der Zusatzschutz gleicht Lücken in der gesetzlichen Versorgung aus und bietet auch Chefs finanzielle Vorteile.

Nach einem Unfall, bei dem sich ein Mitarbeiter des Steuerberatungsbüros Heisterborg & Partner das Bein und den Arm gebrochen hatte, stand ihm ein längerer Krankenhausaufenthalt bevor. Ohne private Zusatzversicherung bedeutet das in der Regel, in einem Mehrbettzimmer zu liegen und den Chefarzt höchstens bei der Visite zu Gesicht zu bekommen.

Bei diesem Patienten war es anders. „Er hatte ein Zweibettzimmer und wurde vom Chef operiert“, sagt Heike Wissing, Partnerin der Sozietät mit Sitz in Stadtlohn im Münsterland. Grund ist die betriebliche Krankenversicherung, die das Unternehmen für seine rund 100 Mitarbeiter abgeschlossen hat.

Komplett oder anteilig vom Arbeitgeber finanziert, bietet sie der Belegschaft eine Vielzahl von Leistungen, die im Katalog der gesetzlichen Versicherer nicht oder nur eingeschränkt vorkommen. „Tatsächlich schrauben die gesetzlichen ­Versicherer ihre Leistungen seit Jahren zurück. Umso wichtiger ist es deshalb, diese Lücken durch private Vorsorge auszugleichen“, sagt Frank Nobis, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung, das unabhängig Anbieter vergleicht und bewertet.

In der Regel umfasst eine bKV Vorteile beim stationären Aufenthalt, Sehhilfen, Zahnersatz, Heilpraktikerleistungen, Krankentagegeld, Gesundheitsmanagement im Unternehmen oder psychologische Notfallhilfen. Je nach Anbieter können Unternehmen verschiedene Module wählen. „Neben diesen Leistungen hat die bKV zwei entscheidende Vorteile: Sie verlangt keine Gesundheitsprüfung, die bei privaten Versicherern sonst obligatorisch ist“, erklärt Nobis.

„Das heißt, auch Mitarbeiter mit Vorerkrankungen erhalten uneingeschränkten Versicherungsschutz. Außerdem gibt es keine Wartezeiten, der Schutz gilt sofort ab Vertragsabschluss. Damit profitieren Angestellte, anders als bei der betrieb­lichen Altersversorgung, unmittelbar von den Leistungen.“

 

bKV: Die Familie ist mitversichert

Trotz dieser Vorteile ist die Anzahl der Unternehmen in Deutschland, die eine bKV abgeschlossen haben, noch äußerst gering. Nach Angaben des Verbands der Privaten Krankenversicherung bieten derzeit rund 7.700 Arbeitgeber ihren Mitarbeitern den Zusatzschutz an.

Das entspricht gerade mal 760.000 versicherten Angestellten. Zwar hat sich die Zahl in den vergangenen drei Jahren verdoppelt, dennoch verharrt die Quote der Unternehmen mit bKV bei etwa zehn Prozent.

Dabei ergab eine Umfrage der Gothaer Versicherung aus dem Jahr 2017, an der knapp 1.000 Arbeitnehmer teilgenommen haben, dass sich eine große Mehrheit diese Form der Zusatzabsicherung wünscht. „Der Hauptgrund für 84 Prozent ist die Kostenersparnis beim Abschluss der Versicherung. Das günstige Mitversichern von Familienmitgliedern und die Umgehung der Gesundheitsprüfung sind für mehr als die Hälfte der Befragten entscheidend“, heißt es in der Studie.

Vorteile hätte das Angebot aber nicht nur für die Mitarbeiter. 64 Prozent der Arbeitnehmer sind der Meinung, dass eine bKV als Zusatzleistung die Loyalität zum Unternehmen stärkt. 43 Prozent geben an, dass dieses Angebot sogar ein Hauptgrund für die Wahl des künftigen Arbeitgebers sein kann. Hinzu kommt: Die Leistungen einer bKV sind für Mitarbeiter sofort spürbar, im Gegensatz zu denen einer betrieblichen Altersvorsorge, die erst in grauer Zukunft zur Geltung kommt.

Auch Frank Nobis hält dies für ein entscheidendes Argument für die bKV. „In Zeiten von Fachkräftemangel und hoher Mitarbeiterfluktuation bewerben sich die Unternehmen um die Mitarbeiter, nicht umgekehrt.“ Angestellte, die nichts oder nur einen geringen Beitrag zahlen, aber für sich und ihre Familie wertvolle medizinische Zusatzleistungen erhalten, überlegen es sich trotz guter Angebote der Konkurrenz zweimal, ob sie auf diese Vorzüge verzichten wollen.

 

Krankenstand verringern

Wenn Andreas Trautner, unabhängiger Versicherungsmakler und Sachverständiger für Krankenversicherungen, Unternehmen die Vorteile einer bKV nahebringen will, setzt er auf das Argument, das viele von ihnen am schnellsten überzeugt: Geld.

„In der Endabrechnung sind die Kosten für die bKV deutlich geringer als die Kosten, die gerade kleinen und mittleren Unternehmen durch Krankheitstage und lange Fehlzeiten entstehen, die in einer alternden Gesellschaft stetig zunehmen. Wer dank bKV aber sofort beim Facharzt behandelt wird und nicht wochenlang warten muss, steht dem Unternehmen schneller wieder zur Verfügung.“

Es sei eine Investition in das Humankapital des Unternehmens, die jeder Kosten-Nutzen-Rechnung standhalte. „Wenn ein Unternehmer erkennt, dass er nachweislich schnell einen Return on Invest hat, wird er auch gerne diese Investition tätigen.“

Heike Wissing und ihre Partner der Steuerberatungssozietät haben die Einführung der bKV vor drei Jahren nicht einen Tag bereut. „Wir wollten unseren Mitarbeitern etwas bieten und eine starke Bindung zu unserem Unternehmen herstellen. Das ist uns gelungen. Das wissen wir nicht zuletzt von unserem Kollegen mit Arm- und Beinbruch.“ Er ist zum Glück längst wieder gesund.

 

Voraussetzungen für eine bKV

  • Der Vertrag bezieht sich auf eine homogene Gruppe von Mitarbeitern und beginnt für alle zum selben Zeitpunkt.
  • Bei kleineren Betrieben sind mindestens fünf versicherte Mitarbeiter ausreichend. Bei mittelständischen Unternehmen müssen mitunter 50 Prozent, bei größeren 25 Prozent der Belegschaft versichert werden.
  • Der Vertrag gilt für Arbeitnehmer, die sich in einem zeitlich unbefristeten Beschäftigungsverhältnis befinden und ihre Probezeit bereits absolviert haben.

Die zehn besten Anbieter

Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung bewertet regelmäßig bKV-Anbieter und ihre Dienstleistungen hinsichtlich Beratung, Vertragsgestaltung, Service und Verwaltung sowie Produktportfolio. Diese Versicherer mit fünf oder vier Sternen bieten in allen Bereichen sehr gute oder gute Leistungen:

✪✪✪✪✪ Hallesche Krankenversicherung,

✪✪✪✪✪ DKV Deutsche Krankenversicherung,

✪✪✪✪✪ AXA Krankenversicherung,

✪✪✪✪✪ Allianz Private Krankenversicherung,

✪✪✪✪✪ Gothaer Krankenversicherung,

✪✪✪✪✪ Bayerische Beamtenkrankenkasse

✪✪✪✪ R+V Krankenversicherung,

✪✪✪✪ Württembergische Krankenversicherung,

✪✪✪✪ Süddeutsche Krankenversicherung,

✪✪✪✪ Central Krankenversicherung