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Creditreform

In der Niedrigzinsphase ist auch das Interesse an staatlich geförderten Vorsorgeprodukten erlahmt. Zusätzliche Steuervorteile sollen nun den Riester- und Rürup-Verträgen wieder Schwung verleihen.

Trotz des umstrittenen Wahlgeschenks „Rente mit 63“ dürfte mittlerweile selbst jüngeren Erwerbstätigen klar sein, dass sie sich unbedingt um eine zusätzliche private Altersvorsorge kümmern müssen. Geschuldet sind die zu erwartenden niedrigen Beträge aus der gesetzlichen Rentenkasse freilich nicht allein den niedrigen Geburtenraten. Maßgeblichen Anteil hat vielmehr auch die vor einigen Jahren neu geregelte Besteuerung von Alterseinkünften: Denn seit 2005 unterliegen Renten einem stetig steigenden Besteuerungsanteil, der bei einem Renteneintritt im Jahr 2014 bereits 68 Prozent beträgt. Ab 2040 werden Renten dann in voller Höhe besteuert.

Im Gegenzug dürfen in staatlich geförderte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge eingezahlte Beiträge zwar in größerem Umfang als zuvor von der Einkommensteuer abgezogen werden. Wegen der mangelhaften Vergleichbarkeit und teils sogar die staatliche Förderung übersteigenden Kosten mancher Vorsorgeprodukte ist das Interesse an den Riester- oder Rürup-Verträgen zuletzt allerdings merklich erlahmt. Abhilfe soll jetzt das bereits im vergangenen Jahr verabschiedete „Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz“ schaffen. Neben einem verpflichtenden Produktinformationsblatt mit Aussagen zu Leistungen, Garantien und Kosten des jeweiligen Vorsorgeprodukts sehen die Nachbesserungen des Gesetzgebers auch eine Kostendeckelung bei Wechsel zu anderen Anbietern vor. So wurden die Kosten beim bisherigen Vertragspartner auf maximal 150 Euro gedeckelt, während der neue Anbieter seine Vertriebs- und Abschlusskosten höchstens für 50 Prozent des auf sein Vorsorgeprodukt übertragenen geförderten Kapitals kassieren darf. Als eigentliche Kernpunkte der kleinen Reform gelten jedoch die Ausweitung der steuerlichen Förderung bei Absicherung gegen Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit sowie bei der Eigenheimrente.

Erwerbsunfähigkeit absichern

Während eine private Absicherung gegen Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit bislang nur als Ergänzung eines Basisrentenvertrags möglich war, werden Steuervorteile künftig ohne den Aufbau einer kapitalgedeckten Altersvorsorge gewährt. Den Abzug der gezahlten Beiträge für eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsversicherung wird aber nur als Sonderausgaben anerkannt, wenn der Vertrag ausschließlich die Zahlung einer monatlichen, mindestens gleich hoch bleibenden und lebenslangen Leibrente garantiert. Verlangt wird eine Zertifizierung. Weil die Zertifizierungsstelle eine solche auf Antrag des Anbieters erstmalig mit Wirkung zum 1. Januar 2014 erteilt, können Beiträge zu Basisrentenverträgen erst ab dem Veranlagungszeitraum 2014 abgezogen werden. Weitere Voraussetzungen bleiben weiterhin die Nichtvererblichkeit, Nichtübertragbarkeit, Nichtbeleihbarkeit, Nichtveräußerbarkeit sowie Nichtkapitalisierbarkeit des Rentenanspruchs aus der Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit.

In welchen Fällen die Finanzbehörden eine zumindest teilweise Erwerbsunfähigkeit annehmen, stellt ein aktuelles Anwendungsschreiben des Bundesministeriums der Finanzen klar (Az.: IV C 3 – S 2221/12/10010 :003). Danach liegt eine Erwerbsminderung vor, wenn der Versicherungsnehmer voraussichtlich für mindestens zwölf Monate aufgrund von Krankheit, Körperverletzung oder Behinderung nicht in der Lage ist, unter den Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes voll erwerbstätig zu sein. Von einer teilweisen Erwerbsminderung gehen die Finanzbehörden dabei aus, wenn der Versicherungsnehmer nicht imstande ist, mindestens sechs Stunden täglich erwerbstätig zu sein. Für eine volle Erwerbsminderung muss die täglich mögliche Dauer der Erwerbstätigkeit hingegen unter drei Stunden liegen.

Wohnriester gelockert

Ebenfalls am 1. Januar 2014 sind die Verbesserungen bei der Eigenheimrente in Kraft getreten. Damit ist die jederzeitige Finanzierung alters- oder behindertengerechter Umbaumaßnahmen der eigenen Wohnung beim sogenannten Wohnriestern neuerdings unschädlich, sofern für einen Umbau innerhalb der ersten drei Jahre nach Anschaffung oder Herstellung der Wohnung mindestens 6.000 Euro (danach 20.000 Euro) entnommen werden und ein Sachverständiger die zweckgerechte Verwendung der Beträge bestätigt. Für die Umschuldung oder Darlehenstilgung einer selbst genutzten Wohnimmobilie darf Kapital ebenfalls schon in der Anzahlungsphase des Vertrags entnommen werden, was in der Vergangenheit nur zu Beginn der Auszahlungsphase zulässig war. Gestrichen wurden ferner die prozentualen Beschränkungen bei der Entnahmehöhe – sofern das geförderte Vermögen nur teilweise für Umbaumaßnahmen, Anschaffung oder Herstellung verwendet wird, muss aber ein Mindestrestbetrag von 3.000 Euro als Guthaben auf dem staatlich geförderten Wohnriester-Vertrag verbleiben. Zur Kontrolle wird das Wohnförderkonto von der Zentralen Zulagestelle für Altersvermögen (ZfA) geführt. Damit der Anbieter die Einhaltung des Mindestrestbetrags prüfen kann, teilt die bei der Deutschen Rentenversicherung Bund angesiedelte ZfA dem Anbieter des Altersvorsorgevertrags jährlich den Stand des Wohnförderkontos mit.

Weitere Verbesserungen gegenüber der bisherigen Rechtslage betreffen die Mitnahme der Wohnriester-Förderung bei Wechsel der selbst genutzten Wohnimmobilie sowie die Möglichkeit, sich zu Beginn der Auszahlungsphase für eine in vielen Fällen günstigere Einmalbesteuerung des Wohnförderkontos zu entscheiden. Trotzdem bleibt Renovierungsbedarf bei der privaten Altersvorsorge, enthielt doch der Entwurf des Altersvorsorge-Verbesserungsgesetzes aus gutem Grund noch eine Anhebung der steuerlich abzugsfähigen Höchstbeträge für den Aufbau einer privaten zusätzlichen Altersvorsorge um 4.000 Euro auf 24.000 Euro jährlich – die hat der Vermittlungsausschuss aus Sorge um die damit verbundenen Steuerausfälle gekippt.