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Creditreform
Installation von Solarpaneelen auf Gewerbedach

© Goldbeck Solar

Mit dem Ende der Einspeisevergütung der allerersten Photovoltaikanlagen aus dem Jahr 2000 markiert das Jahresende 2020 für die Solarbranche eine Zäsur. Für Unternehmen rechnet sich die Produktion von Sonnenstrom aber weiterhin – vor allem, wenn sie große Mengen davon selbst verbrauchen.

 

Im Jahr 2020 sah Deutschlands Klimabilanz richtig gut aus. Weniger CO2-Emissionen, weniger Stromverbrauch, mehr Ökostrom. Erstmals lieferten erneuerbare Energien 46 Prozent des Strombedarfs. Doch das lag vorrangig an den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie, die den Stromverbrauch drückten.

Deshalb setzt das zum Jahresbeginn novellierte Gesetz für den Ausbau Erneuerbarer Energien (EEG) weitere ambitionierte Ziele. Bis 2030 soll der Ökostromanteil auf mindestens 65 Prozent steigen. 2050 soll gar der gesamte in Deutschland verbrauchte Strom treibhausgasneutral erzeugt werden. Bundesumweltministerin Svenja Schulze drückt aufs Tempo.

Effiziente Wärmepumpen, Elektroautos, grüner Wasserstoff – für all das werde Strom benötigt; dafür brauche es also auch mehr Erneuerbare, erklärte sie Mitte Januar auf dem Energie-Gipfel des Handelsblatts.

Doch wo soll der zusätzliche Ökostrom herkommen? Eine mögliche Antwort lautet: aus Sonnenenergie. Konkret heißt es im neuen EEG: Die Stromkapazitäten aus Photovoltaik sollen sich bis 2030 nahezu verdoppeln.

„Für Unternehmen ist es weiterhin finanziell lukrativ, mit Solarmodulen Strom zu erzeugen“, sagt Franz Pöter, Geschäftsführer des Solar Clusters Baden-Württemberg, einer Initiative bestehend aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen der regionalen Solarbranche.

Die Anlagenkosten sind in den vergangenen zehn Jahren um rund die Hälfte gesunken. Für eine gewerbliche Aufdachanlage sollten Betreiber je nach Größe mit 800 bis 1.000 Euro Investitionskosten pro Kilowatt installierter Leistung rechnen.

 

Selbst nutzen oder einspeisen – was lohnt sich mehr?

Dem gegenüber steht die Einspeisevergütung für den erzeugten Solarstrom bei mittelgroßen Dachanlagen von aktuell rund sechs Cent pro Kilowattstunde. Würden sie voll einspeisen, wäre ein kostendeckender Betrieb nur schwer möglich, so Pöter.

Rechnen sie allerdings den Gewinn für den Anteil des selbst verbrauchten Stroms hinzu, können Betreiber auf eine jährliche Rendite von mehr als fünf Prozent kommen.

Dabei gilt: Je mehr Strom Gewerbe, Handel und Industrie selbst nutzen, desto größer ist ihre Ersparnis. Bei einem Betrieb über 20 Jahre kostet selbst erzeugter Solarstrom einschließlich Wartung und Reparaturen ebenfalls etwa sechs bis sieben Cent pro Kilowattstunde.

Wenn Unternehmer also weniger Netzstrom für im Schnitt 17 Cent pro Kilowattstunde kaufen müssen, sparen sie die Differenz von rund zehn Cent. Abzüglich eines Teils der EEG-Umlage von 2,5 Cent für den Eigenverbrauch bei Anlagen mit mehr als 30 Kilowatt installierter Leistung –, Betreiber von Anlagen mit weniger als 30 Kilowatt sind von der EEG-Umlage befreit – ist der Verbrauch von selbst erzeugtem Solarstrom immer noch rund acht Cent pro Kilowattstunde günstiger.

 

Kalkulierbarer Strombedarf und -überschuss

Der Vorteil für Unternehmen bei diesem Modell: Im Gegensatz zu Privathaushalten haben sie tagsüber einen konstant hohen und kalkulierbaren Strombedarf – für Produktionsmaschinen, Kühl- oder Klimageräte, Beleuchtung oder IT.

Das deckt sich gut mit dem Strom vom Dach. „Wir haben seit circa zehn Jahren eine Anlage mit 31 Kilowatt Nennleistung in Betrieb. Etwa ein Drittel des Stroms, den sie produziert, nutzen wir selbst“, sagt Holger Heis, Geschäftsführer von SFS Safety Flooring Systems.

Das Unternehmen aus Velbert produziert innovative Antirutschbeläge – und seinen eigenen Strom. Was an ertragreichen Tagen oder an Wochenenden nicht selbst genutzt werden kann, speist SFS nicht einfach nur ins öffentliche Netz des Energieversorgers ein.

Über Tal.Markt, einen regionalen Peer-to-Peer-Marktplatz der Wuppertaler Stadtwerke, verkauft das Unternehmen ihn direkt an Endverbraucher. „Wir verstehen uns als Unternehmen aus der Region“, sagt Heis. „Deshalb hat mich die Idee der dezentralen Stromversorgung via Tal.Markt voll überzeugt.“

 

Neues EEG in der Kritik

Unternehmer wie er sind einer der Gründe, weshalb die installierte Photovoltaik-Leistung in Deutschland seit Jahren steigt. Im Jahr 2020 kamen knapp fünf Gigawatt hinzu, ein Zuwachs von gut 25 Prozent gegenüber 2019.

Umso mehr kritisieren Umwelt- und Wirtschaftsverbände, das neue EEG mache es Unternehmern künftig nicht leichter, ihren Teil zur Energiewende beizutragen. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist etwa das Wahlrecht für Dachanlagen zwischen 300 und 750 Kilowatt Leistung. Sie können entweder an einer Ausschreibung für eine feste Vergütung als Volleinspeiser teilnehmen.

Oder aber einen Teil des Stroms selbst verbrauchen oder an Dritte liefern. „Die Vergütung für den Rest ist aber bei 50 Prozent gedeckelt“, erklärt Manuel Battaglia, Seniorexperte Erneuerbare Energien bei der Deutschen Energie-Agentur (dena).

„Wie viele Unternehmen 50 Prozent Eigenverbrauch oder mehr erreichen, muss sich noch zeigen.“ Der Wert sei recht hoch gewählt, vor allem bei großen Dachflächen. Alternativ können Unternehmen ihre Anlagen kleiner dimensionieren, würden dann aber Potenzial verschenken.

Eine andere Lösung könnten Batteriespeicher sein, die die Eigenverbrauchsquote und den Autarkiegrad erhöhen. Im Schnitt sind die Kosten für größere Batteriesysteme von rund 1.000 Euro auf 850 Euro pro Kilowattstunde gesunken.

„Für eine endgültige Bewertung des neuen EEG ist es zu früh“, sagt Battaglia. „Dass Photovoltaik wettbewerbsfähig ist, hat sie in den vergangenen Jahren bewiesen. Es ist gut, dass die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen mit dem verabschie­deten Gesetz die Potenziale von großen Aufdachanlagen in Gewerbe und Industrie stärker in den Blick genommen haben und heben möchten.“

Jetzt müssten die Unternehmen und Projektierer rechnen und sehen, was unter den neuen Rahmenbedingungen möglich und sinnvoll sei.