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Creditreform

Auch wenn die Unsicherheiten im Vorfeld der US-Wahl die Börsen erzittern lassen: Die Signale unseres Gesamtsystems bleiben mit großer Mehrheit im Plus. Lesen Sie, ab wann sich das allerdings ändern könnte: Eine Einschätzung zum Aktienmarkt vom Herausgeber der „Börsensignale“. Text: Uwe Lang

Die Signale unseres Gesamtsystems bleiben mit großer Mehrheit im Plus. Auch die viel beachteten Konjunktur-Indizes liegen mittlerweile wieder besser im Trend, denken wir nur an den ifo-Geschäftsklimaindex oder den ISM-Einkaufsmanagerindex aus den USA. Beunruhigend ist aber weiterhin, dass sich einige langfristige Zinsen – etwa in Japan, der Schweiz und auch hierzulande – zäh unter der Nulllinie halten. Was früher ein gigantisches Konjunkturprogramm gewesen wäre, löst keine Begeisterung mehr aus, denn es fehlt nach wie vor an Investitionen.

Doch betrachten wir unsere Signale. Bekanntlich achten wir auf

a) die Zinsstruktur („lange“ minus „kurze“ Zinsen) im gleitenden Durchschnitt,
b) das Trendsignal der Aktienindizes, repräsentiert durch den Nasdaq Composite, den Dow Jones Utility und den Dax sowie
c) die Mehrheit der Signale von fünf weiteren Indikatoren.

Wie also dürfte es nun weitergehen an den Märkten?

↑ Zinsstruktur: Die Zinsstrukturkurve sinkt weiter und stand Anfang Oktober bei 0,07. Hierbei handelt es sich um einen geglätteten Zinsabstand zwischen den langfristigen Anleihezinsen und den kurzfristigen Geldmarktzinsen. Sollte dieser bewährte Konjunkturindikator unter die Nulllinie fallen, bedeutet das Rezessionsgefahr. Statt bei 3:0 stünden unsere Signale dann nur noch bei höchstens 2:1 für steigende Aktienkurse.

↑ Trendsignal: Nasdaq Composite, Dax und Dow-Jones-Utility-Index konnten bis Redaktionsschluss ihre Aufwärtstrends verteidigen. Die Chancen stehen gut, dass dies vorläufig auch so bleibt, nachdem auch die von uns beobachteten kurzfristigen Indextrends positiv ausfallen.

↑ Anleihezinsen: In Deutschland ist die Rendite der wichtigsten Bundesanleihen Anfang Oktober weiterhin negativ, und auch in den USA stagniert sie. Wichtig wäre, dass die Anleihezinsen in den USA (Anfang Oktober 1,60) und Deutschland (Umlaufrendite minus 0,28) auf Dauer wieder höher liegen als die kurzfristigen Geldmarktzinsen (Dollar 1,56, Euro minus 0,08). Im Moment sieht die Lage hier bedenklich aus.

↓ Ölpreis: Dieses Signal ist negativ, weil der Ölpreis zuletzt ein Sechs-Wochen-Hoch meldete – und steigende Ölpreise ein großer Kostenfaktor sind. Doch sollte man dieses Signal momentan nicht zu wichtig nehmen, denn erstens schwankt der Ölpreis derzeit recht kräftig. Im Grunde handelt es sich um eine Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau. Und zweitens würden zu niedrige Ölpreise wiederum die Sorgen um die Ölbohrunternehmen und deren Bankkredite erhöhen.

↑ CRB-Index: Die Rohstoffpreise bewegen sich ebenfalls seitwärts auf niedrigem Niveau und unter ihren Vorjahreswerten. Das könnte sich freilich bald ändern.

↑ US-Dollar: Der Greenback behauptet sich weiterhin gut zum Euro und zum Britischen Pfund. Er pendelt um die Marke 0,90 Euro. Das hilft europäischen Exporteuren sowie dem US-Konsumenten.

↑ Saisonfaktor: Dieser Indikator hat zum 30. September, mit dem Beginn der Wintersaison, auf „positiv“ gedreht. Denn die Wintermonate bringen statistisch gesehen meist steigende Aktienkurse.

Fazit: Schon in der vergangenen Ausgabe hatte ich mit Beginn der Wintersaison zum Einstieg in den Aktienmarkt geraten. Daran hat sich nichts geändert. Die Aktienbaisse hat anderthalb Jahre gedauert – und der Welt-Aktienmarkt ist momentan keinesfalls überbewertet, sondern weist ein vernünftiges Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,14 auf. Freilich muss man die Zinsstruktur nun weiter gut beobachten. Ein Rezessions-Warnsignal wäre sehr bedenklich.


Zinsstruktur

Mehrheit* aus

• Anleihezinsen

• Ölpreis

• CRB-Rohstoffindex

• US-Dollar

• Saisonfaktor

Trendsignal

* Dieses Börsensignal richtet sich nach der Mehrheit von fünf Einzelindikatoren, die im jeweiligen Monat entweder positiv (grüne Schrift), neutral (gelbe Schrift) oder negativ (rote Schrift) sind.

Mehr Infos: www.boersensignale.de