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Creditreform

Wenn sich ein Mittelständler für Private Equity entscheidet, dann aus unterschiedlichsten Motiven. Der große Vorteil gegenüber einer klassischen Finanzierung ist, dass der Unternehmer sich neben dem Geld auch Know-how und ein großes Netzwerk mit an Bord holt. Doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Unternehmer die Unternehmensführung aus der Hand gibt. Investor und Entrepreneur sollten gemeinsam darüber entscheiden, welche Konstellation für die persönliche Lebenssituation und für die Unternehmensziele die Beste ist.

Der Eigentümer kennt sein Unternehmen am besten

Wir von Riverside begrüßen es sehr, wenn der Eigentümer und die Geschäftsführung mit an Bord bleiben. Sie kennen das Unternehmen. In der Regel wird ein Beirat installiert. Für Mittelständler hat es sich bewährt, wenn in diesem Beirat neben den Gesellschaftervertretern zwei bis drei externe Mitglieder sitzen, die mit ihrer Erfahrung das Unternehmen aus neuen Blickwinkeln betrachten. Für eines unserer Portfoliounternehmen, Keymile, haben wir beispielsweise zwei ehemalige Top-Manager gewinnen können, die die Telekommunikations- bzw. Energiebranche sehr gut kennen und einen sehr großen Wertbeitrag leisten. Vor allem, wenn sich das Unternehmen in einer Wachstumsphase befindet, internationalisieren will oder eine neue strategische Ausrichtung anstrebt, kann eine solche Branchenexpertise Gold wert sein. In diesen Beirat kann auch der Eigentümer aufrücken, wenn er nicht mehr operativ tätig sein möchte. Der Beirat berät die Geschäftsführung und trifft strategische Entscheidungen. Das Tagesgeschäft überlässt er voll und ganz der Geschäftsführung.

Der Unternehmer übergibt das Ruder

Haben Unternehmer das Ziel, komplett auszusteigen, so gilt es dies bereits bei der Beteiligung zu berücksichtigen. Bei einem sogenannten Management-Buy-out übernehmen Mitarbeiter aus der zweiten Reihe das Ruder. Das hat sich bei Nachfolgeregelungen sehr bewährt. Die neuen Herren im Haus kennen das Unternehmen, was den Übergang enorm erleichtert. Unternehmer die sich zurückziehen wollen, bevorzugen es meist, ihr Unternehmen an eine langjährig bekannte Person zu übergeben.

Es gibt auch Mittelständler, die sich zurückziehen wollen, jedoch selbst keinen internen Nachfolger finden. Dann kann der Investor ein externes Management suchen und im Unternehmen einsetzen – ein sogenannter Management-Buy-in. Wie bei einer Herztransplantation muss dies mit großem Gespür und erst nach reichlich Vorbereitungszeit geschehen. Dabei ist es sehr wichtig, der neuen Unternehmensführung Impulse zu geben, dabei aber die grundlegenden Unternehmenswerte beizubehalten.

Abgestimmt auf die persönliche Lebenssituation

Für Unternehmer gibt es generell drei Möglichkeiten, ihre persönliche Zukunft bei einer Private Equity-Beteiligung zu gestalten:

1. Selbst noch operativ das Unternehmen führen.
2. Das Unternehmen als strategischer Lenker begleiten.
3. Sich aus dem Unternehmen komplett zurückziehen.

Grundlage ist die persönliche Lebenssituation und die wirtschaftliche Unternehmenslage. Derart können Unternehmer und Investor gemeinsam eine Unternehmensführung installieren, die im besten Fall sogar eine „Win-win-win-Situation“ darstellt: für den Unternehmer, den Investor und das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern.

Über den Autoren: Peter Schaberger ist Partner im Münchner Büro der Riverside Europe Partners GmbH. Riverside ist als weltweit agierende Private-Equity-Gesellschaft auf Beteiligungen im Mittelstand spezialisiert.