Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Rechtzeitig vor Inkrafttreten der Reisekostenreform hatten die Finanzbehörden ihre Anwendungsregeln veröffentlicht. Wegen zahlreicher Zweifelsfragen mussten sie allerdings kürzlich nachbessern. Auslöser waren insbesondere die Verpflegungspauschalen.

Im ursprünglichen Anwendungsschreiben zur Reisekostenreform 2014 wurden laut Bundesministerium der Finanzen (BMF) nahezu alle Anregungen und Forderungen der Wirtschaftsverbände berücksichtigt. Dennoch kamen in der praktischen Anwendung der eigentlich als Vereinfachung gedachten Neuerungen schon bald Zweifelsfragen auf. Auf diese haben die Finanzbehörden mittlerweile reagiert und ihre ohnehin schon umfangreiche Verwaltungsvorschrift (Az.: IV C 5 – S 2353/14/10002) um weitere Klarstellungen und Beispiele ergänzt. Breiten Raum nimmt darin die steuerliche Berücksichtigung von Verpflegungspauschalen ein – galt doch deren Verschlankung neben dem Ersatz der regelmäßigen Arbeitsstätte durch die erste Tätigkeitsstätte als Eckpfeiler der Reform.

Zu den Details: Bei inländischen Tätigkeiten außerhalb der Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte dürfen pro Kalendertag neuerdings 24 Euro bei 24-stündiger Abwesenheit und zwölf Euro bei mehr als achtstündiger Abwesenheit als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgesetzt oder vom Arbeitgeber steuerfrei erstattet werden. Deutlich erleichtert wurde auch die Berechnung der Verpflegungspauschalen bei mehrtägigen Auswärtstätigkeiten: Durch den Wegfall von Mindestabwesenheitszeiten am An- und Abreisetag werden ohne weitere Prüfung jeweils zwölf Euro für den An- und Abreisetag gewährt. Die bislang erforderlichen aufwendigen Berechnungen und Nachweise der Abwesenheit entfallen damit. Keine Rolle spielt zudem, ob für die Übernachtung tatsächlich gezahlt wurde. Geregelt wurde nun auch die Zusammenrechnung von Abwesenheitszeiten bei mehrfachen auswärtigen Einsätzen an einem Kalendertag sowie aufeinanderfolgenden Kalendertagen ohne Übernachtung.

© Creditreform-Magazin 02/2015

© Creditreform-Magazin 02/2015

Die neuen Verpflegungspauschalen dürfen selbst dann in der gesetzlich vorgesehenen Höhe als Werbungskosten bei der Einkommensteuer abgezogen werden, wenn dem Arbeitnehmer keinerlei Kosten für seine Verpflegung entstanden sind. Falls jedoch der Arbeitgeber selbst oder auf dessen Veranlassung ein Dritter Mahlzeiten bereitstellt, vermindern sich die berücksichtigungsfähigen Verpflegungspauschalen um 20 Prozent für ein Frühstück und jeweils 40 Prozent für ein Mittag- oder Abendessen. Und zwar unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer das Essen auch verzehrt. Von einer Kürzung sollen die Finanzämter nur in den Fällen absehen, in denen der Arbeitgeber die entsprechende Mahlzeit selbst abbestellt oder der Arbeitnehmer selbst bestellt und bezahlt.

Snack oder Drei-Gänge-Menü?

Offen blieb bislang, welche Speise und Portionierung bei den Finanzbehörden schon als Mahlzeit zählt – immerhin dürfen Essen bis zu 60 Euro einschließlich Getränken und Umsatzsteuer vom Arbeitgeber noch mit dem niedrigen amtlichen Sachbezugswert lohnversteuert werden. Bei den Verpflegungspauschalen gibt sich die obige Verwaltungsvorschrift dagegen weitaus weniger großzügig. Denn auch belegte Brötchen, Kuchen und sogar Obst führen zur Kürzung der Pauschalen, sofern der Snack oder Imbiss während der üblichen Essenszeiten gereicht wird. Ob dies auch für Knabbereien auf Flugreisen gilt, lässt sich dem Anwendungsschreiben nicht zweifelsfrei entnehmen. Einzig mit Essensmarken entgeht man einigermaßen sicher der drohenden Kürzung: Bei diesen handelt es sich laut BMF in der Regel nicht um eine vom Arbeitgeber bereitgestellte Verpflegung, sondern lediglich um eine Verbilligung der vom Arbeitnehmer selbst veranlassten und bezahlten Mahlzeit.

Eine weitere gute Nachricht gibt es in Sachen beruflich veranlasster doppelter Haushaltsführung: Zwar wurden die als Werbungskosten abzugsfähigen Unterkunftskosten auf monatlich 1.000 Euro begrenzt. Darunter fallen die tatsächlichen Kosten (Miete plus Nebenkosten) einschließlich einer gegebenenfalls erhobenen Zweitwohnungsteuer, Stellplatz- und Garagenkosten sowie Aufwendungen für Sondernutzung etwa des Gartens. Nicht betroffen: die Maklerkosten für die Anmietung der Zweitwohnung – diese können über die 1.000-Euro-Grenze hinaus als Werbungskosten abgezogen oder vom Arbeitgeber steuerfrei erstattet werden.