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Creditreform

Tätigkeitsdauer bei Kettenabordnung

Ein unbefristet beschäftigter Arbeitnehmer wird für eine voraussichtliche Projektdauer von 36 Monaten der betrieblichen Einrichtung in Bonn zugeordnet. Wegen Verzögerungen im Projekt wird die Zuordnung kurz vor Ablauf der 36 Monate um weitere 18 Monate verlängert.

Einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung ist ein Arbeitnehmer auch dann dauerhaft zugeordnet, wenn er über einen Zeitraum von 48 Monaten hinaus dort tätig werden soll. Diese Prognoseentscheidung bleibt für die Vergangenheit auch dann gültig, wenn sich die tatsächlichen Verhältnisse später durch unvorhersehbare Ereignisse wie Krankheit oder Insolvenz des Kunden ändern. Wird eine zunächst auf weniger als 48 Monate geplante Auswärtstätigkeit verlängert, hängt die erste Tätigkeitsstätte davon ab, ob der Arbeitnehmer vom Zeitpunkt der Vertragsverlängerungsentscheidung an noch mehr als 48 Monate an der Tätigkeitsstätte eingesetzt werden soll.

Im Beispielsfall wird der Arbeitnehmer der betrieblichen Einrichtung in Bonn nicht dauerhaft zugeordnet, weil jede der beiden Abordnungen einen Zeitraum von weniger als 48 Monaten umfasst.

Arbeitszimmer

Ein Arbeitnehmer übt den wesentlichen Teil seiner beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer aus. Zusätzlich kontrolliert er jeden Tag eine andere Betriebsstätte seines Arbeitgebers. Die Arbeitszeit in den verschiedenen Betriebsstätten beträgt jeweils weniger als 1/3 der gesamten Arbeitszeit.

Wie bereits bislang zählt das häusliche Arbeitszimmer auch nach der Reisekostenreform nicht als betriebliche Einrichtung und kann deswegen keine erste Tätigkeitsstätte sein. Da die Kontrollen an den verschiedenen Betriebsstätten jeweils weniger als 1/3 seiner gesamten Arbeitszeit beanspruchen, hat der Arbeitnehmer auch dort keine erste Tätigkeitsstätte.

Sammelpunkt / Weiträumiges Arbeitsgebiet

Die LKW-Fahrer eines Bauunternehmens holen ihre Fahrzeuge aufgrund entsprechender Weisung arbeitstäglich im Betriebssitz ab. Nach Rückkehr werden die LKW von den Fahrern dort gewaschen und gewartet.

Allein das Abholen sowie die Wartung und Pflege führen als Hilfs- und Nebentätigkeiten nicht zu einer ersten Tätigkeitsstätte der LKW-Fahrer am Betriebssitz des Arbeitgebers. Die LKW-Fahrer haben damit keine erste Tätigkeitsstätte Weil jedoch dauerhaft und typischerweise arbeitstäglich ein vom Arbeitgeber festgelegter Ort (hier der Betriebssitz) aufgesucht werden soll, werden die Fahrten von der Wohnung bis zu diesem Sammelpunkt steuerlich behandelt wie Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte. Für diese Fahrten darf deshalb lediglich die Entfernungspauschale von 30 Cent pro Entfernungskilometer angesetzt werden. Gleiches gilt für Kundendienstmonteure.

Sofern Arbeitnehmer typischerweise arbeitstäglich auf einer festgelegten Fläche (z.B. Zustellgebiet, Hafen oder Forst) und nicht innerhalb einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung tätig sind, werden als Werbungskosten nur 30 Cent pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und nächstgelegenem Zugang anerkannt; ein steuerfreier Fahrtkostenersatz ist wegen des Ansatzes der Entfernungspauschale ausgeschlossen. Für alle Fahrten innerhalb des weiträumigen Tätigkeitsgebiets können Arbeitnehmer die tatsächlichen Fahrtkosten oder den pauschalen Kilometersatz von 0,30 Euro für einen Pkw oder 0,20 Euro für andere motorbetriebene Fahrzeuge absetzen. Im Anwendungsschreiben vom 30. September 2013 stellen die Finanzbehörden klar, dass diese Einschränkungen insbesondere nicht für Bezirksleiter, verschiedene Niederlassung betreuende Vertriebsmitarbeiter sowie in einem festgelegten Gebiet tätige mobile Pflegekräfte gelten.

Fahrtkostenabzug beim Besuch mehrerer Filialen

Bislang zählten Wegstrecken zwischen Wohnung und mehreren Filialen als Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, sofern dem Arbeitnehmer die Filialen fest zugeordnet sind und er diese täglich aufsucht, um dort seine wesentlichen Arbeiten zu erledigen. Stellte der Arbeitgeber dafür betriebliche Fahrzeuge zur Verfügung, musste er für die Fahrten von der Wohnung zur ersten aufgesuchten Filiale und den Fahrten von der zuletzt besuchten Filiale zur Wohnung deswegen einen entsprechenden geldwerten Vorteil des Arbeitnehmers versteuern. Künftig sind mit der Entfernungspauschale von 30 Cent pro Entfernungskilometer nur noch die Fahrten zwischen Wohnung und der vom Arbeitgeber als erster Tätigkeitsstätte bestimmten Filiale abgegolten. Für die Fahrten zu anderen Filialen dürfen die tatsächlichen Fahrtkosten oder die für Dienstreisen geltenden höheren Pauschalen geltend gemacht werden.

Beispiel 1:

Dem in Köln lebenden Bezirksleiter einer Einzelhandelskette sind fünf Filialen in Köln, Düsseldorf, Bonn, Solingen und Remscheid fest zugeordnet, in denen er jeweils einen Tag pro Woche tätig ist. Im Arbeitsvertrag wurde die Filiale Köln als erste Tätigkeitsstätte festgelegt.

Als erste Tätigkeitsstätte gilt nach dem Einkommensteuergesetz (§ 9 Abs. 4 EStG) die ortsfeste betriebliche Einrichtung, der ein Arbeitnehmer auf Grund dienst- oder arbeitsrechtlicher Vereinbarungen dauerhaft zugeordnet ist. Die Entfernungspauschale von 30 Cent pro Entfernungskilometer ist danach lediglich für die Fahrten zwischen Wohnung und der Filiale Köln anzusetzen.

Beispiel 2:

Dem in Köln lebenden Bezirksleiter einer Einzelhandelskette sind drei Filialen in Köln, Düsseldorf und Bonn fest zugeordnet. In der Filiale Köln ist er wöchentlich einen Tag tätig, in den Filialen Düsseldorf und Bonn jeweils zwei Tage. Im Arbeitsvertrag ist die Filiale Köln als erste Tätigkeitsstätte festgelegt.

Ab 2014 spielt es steuerlich keine Rolle mehr, in welcher Filiale der Bezirksleiter überwiegend seiner Tätigkeit nachkommt. Wie im ersten Beispiel ist damit die Entfernungspauschale von 30 Cent pro Entfernungskilometer lediglich für die Fahrten zwischen Wohnung und der Filiale Köln anzusetzen.

Alles zu Verpflegungspauschalen lesen Sie auf der nächsten Seite

Verpflegungspauschalen

Aus Vereinfachungsgründen werden die zulässigen Verpflegungspauschalen von 12 oder 24 Euro zukünftig bei vom Arbeitgeber oder auf dessen Veranlassung von einem Dritten zur Verfügung gestellten Mahlzeiten für ein Frühstück um 20 Prozent und für ein Mittag- oder Abendessen jeweils um 40 Prozent gekürzt. Dies gilt auch dann, wenn Reisekostenvergütungen wegen dieser Mahlzeiten einbehalten bzw. gekürzt oder vom Arbeitgeber pauschal besteuert werden. Zahlt der Arbeitnehmer ein Entgelt für die Mahlzeit, erfolgt insoweit keine Kürzung.

Beispiel 1 – Hotelübernachtung:

Für eine dreitägige Auswärtstätigkeit hat der Arbeitgeber in einem Hotel zwei Übernachtungen jeweils mit Frühstück sowie je ein Mittag- und ein Abendessen gebucht und bezahlt, erstattet dem Arbeitnehmer darüber hinaus jedoch keine weiteren Reisekosten.

Der Arbeitgeber muss keinen geldwerten Vorteil für die Mahlzeiten versteuern. Der Arbeitnehmer kann für die Auswärtstätigkeit folgende Verpflegungspauschalen als Werbungskosten geltend machen:

Anreisetag 12,00 Euro,
Abreisetag 12,00 Euro,
Zwischentag 24,00 Euro,
Gesamt 48,00 Euro,
Kürzung 28,80 Euro (2 × 4,80 Euro Frühstück, 2 × 9,60 Euro Mittag-/Abendessen),
Werbungskosten 19,20 Euro.

Beispiel 2 – Hotelübernachtung mit Zuzahlung des Arbeitnehmers:

Wie Beispiel 1, allerdings zahlt der Arbeitnehmer für das Mittag- und Abendessen jeweils 5 Euro.

Der Arbeitgeber muss keinen geldwerten Vorteil für die Mahlzeiten versteuern. Der Arbeitnehmer kann für die Auswärtstätigkeit folgende Verpflegungspauschalen als Werbungskosten geltend machen:

Anreisetag 12,00 Euro,
Abreisetag 12,00 Euro,
Zwischentag 24,00 Euro,
Gesamt 48,00 Euro,
Kürzung 18,80 Euro (2 × 4,80 Euro, 2 × 9,60 Euro abzüglich 2 x 5,00 Euro),
Werbungskosten 29,20 Euro.

Beispiel 3- Hotelübernachtung mit höherer Zuzahlung des Arbeitnehmers:

Wie Beispiel 2, allerdings zahlt der Arbeitnehmer für das Mittag- und Abendessen jeweils 10 Euro.

Der Arbeitgeber muss keinen geldwerten Vorteil für die Mahlzeiten versteuern. Der Arbeitnehmer kann für die Auswärtstätigkeit folgende Verpflegungspauschalen als Werbungskosten geltend machen:

Anreisetag 12,00 Euro,
Abreisetag 12,00 Euro,
Zwischentag 24,00 Euro,
Gesamt 48,00 Euro,
Kürzung 9,60 Euro (2 × 4,80 Euro, 2 × 9,60 Euro abzüglich 2 x 10,00 Euro),
Werbungskosten 38,40 Euro.

Beispiel 4 – Hotelübernachtung mit steuerfreier Reisekostenerstattung:

Auf einer dreitägigen Auswärtstätigkeit hat der Arbeitgeber in einem Hotel zwei Übernachtungen jeweils mit Frühstück sowie je ein Mittag- und ein Abendessen gebucht und bezahlt. Zusätzlich erhält der Arbeitnehmer noch eine steuerfreie Reisekostenerstattung für Verpflegungsmehraufwendungen von 19,20 Euro.

Der Arbeitgeber muss keinen geldwerten Vorteil für die Mahlzeiten versteuern. Der Arbeitnehmer kann für die Dienstreise aber auch keine Verpflegungspauschalen als Werbungskosten geltend machen:

Anreisetag 12,00 Euro,
Abreisetag 12,00 Euro,
Zwischentag 24,00 Euro,
Gesamt 48,00 Euro,
Kürzung 28,80 Euro (2 × 4,80 Euro, 2 × 9,60 Euro),
Zwischensumme 19,20 Euro,
Steuerfreie Erstattung 19,20 Euro,
Werbungskosten 0,00 Euro.

Beispiel 5 – Eintägige Fortbildungsveranstaltung:

Für eine eintägige Fortbildungsveranstaltung hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein Mittagessen gebucht und bezahlt. Der Arbeitgeber besteuert das Mittagessen nach § 40 Absatz 2 Satz 1 Nummer 1a EStG neue Fassung pauschal, da er keine Aufzeichnungen über die Abwesenheit des Arbeitnehmers führt. Der Arbeitnehmer erhält vom Arbeitgeber keine weiteren Reisekostenerstattungen.

Die 10-stündige Abwesenheit von seiner Wohnung und erster Tätigkeitsstätte kann der Arbeitnehmer z.B. anhand seiner Bahntickets gegenüber dem Finanzamt nachweisen und für die Fortbildung folgende Verpflegungspauschalen als Werbungskosten geltend machen:

Eintägige Tätigkeit 12,00 Euro,
Kürzung 9,60 Euro,
Werbungskosten 2,40 Euro.

Hat der Arbeitnehmer steuerfreie Erstattungen für Verpflegung vom Arbeitgeber erhalten, ist im Gegenzug ein Werbungskostenabzug insoweit ausgeschlossen.

Beispiel 6 – Zweitägige Fortbildungsveranstaltung:

Auf Veranlassung seines Arbeitgebers nimmt der Arbeitnehmer an einem zweitägigen Seminar mit Übernachtung teil. Die auf den Arbeitgeber ausgestellte Hotelrechnung beläuft sich auf 80 Euro für die Übernachtung und 20 Euro für das Frühstück; den Gesamtbetrag erstattet der Arbeitgeber im Rahmen der Reisekostenabrechnung. Das Seminar einschließlich der nicht gesondert berechneten Mittagessen für beide Seminartage wird vom Arbeitgeber unmittelbar bezahlt.

Für den An- und Abreisetag steht dem Arbeitnehmer grundsätzlich jeweils eine Verpflegungspauschale von 12 Euro zu. Obwohl der Preis der Mittagessen in der Seminarrechnung nicht gesondert ausgewiesen wird, kann von einer üblichen Beköstigung bis zu 60 Euro ausgegangen werden. Die Mahlzeiten sind daher nicht als Arbeitslohn zu erfassen und die Verpflegungspauschale um das Frühstück und die beiden Mittagessen zu kürzen:

Anreisetag 12,00 Euro,
Abreisetag 12,00 Euro,
Gesamt 24,00 Euro,
Kürzung 24,00 Euro (1 × 4,80 Euro Frühstück, 2 × 9,60 Euro Mittag),
Werbungskosten 0,00 Euro.

Alles zur Doppelten Haushaltsführung lesen Sie auf der nächsten Seite

Doppelte Haushaltsführung

Beispiel 1 – Entfernung zur Hauptwohnung:

Der Arbeitnehmer hat seinen Hausstand und den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen in A und im 250 Kilometer entfernten B seine neue erste Tätigkeitsstätte. Eine günstige Zweitwohnung findet er aber nur in C, das von der neuen ersten Tätigkeitsstätte in B immerhin 70 Kilometer weit weg liegt.

Bei einer beruflich bedingten doppelten Haushaltsführung kann noch dann von einer Zweitunterkunft oder -wohnung am Ort der ersten Tätigkeitsstätte ausgegangen werden, wenn der Weg von der Zweitunterkunft oder -wohnung zur neuen ersten Tätigkeitsstätte weniger als die Hälfte der Entfernung der kürzesten Straßenverbindung zwischen der Hauptwohnung (Mittelpunkt der Lebensinteressen) und der neuen ersten Tätigkeitsstätte beträgt.

Auch wenn die Zweitwohnung 70 Kilometer von B entfernt liegt, gilt sie damit noch als Wohnung am Ort der ersten Tätigkeitsstätte, da deren Entfernung weniger als die Hälfte der Entfernung von der Hauptwohnung in A zur neuen ersten Tätigkeitsstätte in B beträgt.

Beispiel 2 – Entfernung zur Hauptwohnung:

Wie Beispiel 1, die Entfernung von der Zweitwohnung in C zur neuen ersten Tätigkeitsstätte in B beträgt jedoch 150 Kilometer.

In diesem Fall dürfen die Finanzämter nicht mehr ohne weiteres von einer Zweitwohnung am Ort der ersten Tätigkeitsstätte ausgehen. Aufwendungen für Familienheimfahrten für die Wege zwischen dem Ort der neuen ersten Tätigkeitsstätte zum Ort des eigenen Hausstandes bleiben jedoch unverändert für eine Heimfahrt wöchentlich mit dem Ansatz der Entfernungspauschale abziehbar. Stellt der Arbeitgeber dafür ein Firmenfahrzeug zur Verfügung, ist für die Familienheimfahrten der Werbungskostenabzug ausgeschlossen; dies gilt auch für steuerfreie Erstattungen vom Arbeitgeber.

Beispiel 3 – Höchstbetrag bei mehreren Bewohnern:

Beide berufstätige Ehegatten bewohnen an ihrer ersten Tätigkeitsstätte in München gemeinsam eine möblierte Unterkunft. Ihren Hausstand und Lebensmittelpunkt haben sie nachweislich in ihrem Bonner Einfamilienhaus. Die von beiden zu gleichen Anteilen gezahlten Kosten der Zweitwohnung am Beschäftigungsort betragen inkl. sämtlicher Neben- und Garagenkosten sowie Abschreibungen für notwendige Einrichtungsgegenstände 1.700 Euro.

Von 2014 an werden die als Werbungskosten abzugsfähigen Unterkunftskosten einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung einschließlich Neben- und Stellplatzkosten auf monatlich 1.000 Euro begrenzt. Weil der Höchstbetrag personengebunden ist, können mehrere am Beschäftigungsort tätige Arbeitnehmer den Höchstbetrag für die tatsächlich von ihnen getragenen Aufwendungen für eine gemeinsame Zweitwohnung in Anspruch nehmen. Im Beispielsfall kann damit jeder Ehegatte seinen Anteil von monatlich 850 Euro als Werbungskosten absetzen.