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Creditreform

Trotz gestiegener Compliance-Anforderungen sind kleinere Aufmerksamkeiten oder Kundenveranstaltungen mit Eventcharakter nach wie vor bei den Unternehmern beliebt. Allerdings wurden die erhoffte Motivationsförderung und der Belohnungscharakter in der Vergangenheit allzu oft durch das deutsche Steuerrecht konterkariert. Dieses schrieb zwingend eine Besteuerung beim Empfänger als Arbeitslohn oder Betriebseinnahme vor, sofern die Vorteile im Rahmen einer der Einkunftsarten erlangt wurden.

Eine Alternative schuf erst die 2007 eingeführte Pauschalbesteuerung nach Paragraf 37b EStG. Seither steht Unternehmern die Möglichkeit offen, die ansonsten beim Empfänger fällige Einkommensteuer auf den gemeinen Wert der Zuwendungen einschließlich Umsatzsteuer mit einem pauschalen Steuersatz von 30 Prozent – wie immer zuzüglich Solidaritätszuschlag und pauschaler Kirchensteuer – zu übernehmen und an das für ihn zuständige Finanzamt abzuführen. Und zwar unabhängig davon, ob zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn Arbeitnehmer oder zusätzlich zur ohnehin geschuldeten Leistung Nichtarbeitnehmer bedacht werden. Als potenzielle Zuwendungsempfänger führt das Anwendungsschreiben des Bundesministeriums der Finanzen (Az.: IV B 2 – S 2297-b/07/0001) auch Dritte wie beispielsweise Aufsichtsräte, Verwaltungsratsmitglieder, Geschäftspartner, deren Familienangehörige sowie Arbeitnehmer von Geschäftspartnern auf.

Als lukratives Steuersparmodell eignet sich die Pauschalbesteuerung dennoch kaum, da sie zur Vermeidung von Mitnahmeeffekten auf einen Höchstbetrag der Aufwendungen pro Empfänger und Wirtschaftsjahr von 10.000 Euro und zusätzlich pro Einzelzuwendung auf maximal 10.000 Euro begrenzt ist. Komplett ausgeschlossen sind darüber hinaus Barzuwendungen und verdeckte Gewinnausschüttungen.

Keine Belege nötig

Bei den Aufzeichnungspflichten geben sich die Finanzbehörden ungewohnt bescheiden, da pauschal versteuerte Zuwendungen nicht zum Lohnkonto genommen werden brauchen. Auch Belege über die Höhe der steuerpflichtigen Vorteile werden nicht verlangt. Aus der Buchführung oder den Aufzeichnungen muss ein Außenprüfer lediglich erkennen können, ob alle Zuwendungen erfasst und die zulässigen Höchstbeträge nicht überschritten wurden. Nicht zuletzt haben Unternehmen die Wahl, für Geschenke an Geschäftspartner 30 Prozent Steuer abzuführen, während Sachzuwendungen an die eigenen Arbeitnehmer im üblichen Lohnsteuerabzugsverfahren berücksichtigt werden dürfen.

Weitaus weniger großzügig gaben sich die Finanzbehörden dagegen bei der häufig strittigen Frage, welche Vorteile tatsächlich unter die Steuerpflicht fallen. So musste der Bundesfinanzhof (BFH) kürzlich in gleich mehreren Fällen allzu eifrige Finanzämter in ihre Schranken verweisen. In einem besonders bemerkenswerten Fall sollte ein Unternehmen nicht nur den Lohn seiner Arbeitnehmer versteuern, sondern zusätzlich noch deren Erlebniswert für die Betreuung von Geschäftsfreunden auf einem Regattabegleitschiff (Az.: VI R 78/12). Zwar bejahten auch die höchsten Finanzrichter grundsätzlich eine Steuerpflicht von nicht in Geld bestehenden und zusätzlich zum Arbeitslohn erbrachten Zuwendungen. Eine wie im Streitfall jedoch ganz überwiegend im eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers liegende Kundenbetreuung schließt die Annahme eines lohnsteuerlichen Vorteils auch bei Veranstaltungen mit Eventcharakter aus.

Eine weitere wichtige Klarstellung: Auf Geschenke oder Leistungen wie beispielsweise Reisen fallen nach zwei weiteren BFH-Entscheidungen (Az.: VI R 52/11 und VI R 57/11) lediglich dann Steuern an, wenn die Zuwendungen beim Empfänger überhaupt einkommensteuerbar und einkommensteuerpflichtig sind. Werden hingegen hierzulande weder beschränkt noch unbeschränkt einkommensteuerpflichtige Arbeitnehmer, Kunden oder Geschäftsfreunde bedacht, fällt auch die 30-prozentige Pauschalversteuerung aus.