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Creditreform

Blockchain? Ist das nicht das webbasierte Buchhaltungsmodell, das hinter der Kryptowährung Bitcoin steckt? Ja, aber eine Blockchain leistet noch viel mehr. Das beweisen Creditreform und das Startup Datalovers. Gemeinsam haben sie Firmendaten in die Blockchain eingebracht – versehen mit einem eindeutigen, fälschungssicheren Identifikator. 

 

(c) iStock

Da war zum Beispiel der Fall des Transportunternehmens aus dem Rheinland. Andreas Kulpa muss schmunzeln, wenn er sich daran erinnert. Der Logistikbetrieb hatte – als Service für Fahrer, die etwas anzuliefern haben – seinen Firmennamen in den einschlägigen Adressverzeichnissen kurzerhand um den Zusatz

„Zehn Minuten vorher klingeln bei Anlieferung“ versehen. „Eine solche Firmenbezeichnung ist natürlich nur sehr schlecht mit anderen Datensätzen, etwa im Handelsregister, abzugleichen“, sagt Kulpa, CEO der Datalovers AG.

Das 2015 gegründete Startup-Unternehmen mit Standorten in Mainz und Berlin entwickelt intelligente Analyse- und Suchtechnologien im B2B-Bereich, die seinen Kunden eine bessere Orientierung im Firmenuniversum ermöglichen. Das Transportunternehmen mit dem kreativen Firmenzusatz ist kein Einzelfall.

Kulpa schätzt, dass etwa 20 bis 30 Prozent der in den Datensätzen der Unternehmen gespeicherten Kunden- und Lieferantenadressen nicht eineindeutig sind, also nicht in beide Richtungen zuzuordnen sind.

Mal sind es Rechtschreibfehler, mal ist ein und dieselbe Firma mehrfach mit unterschiedlichen Namenszusätzen oder Ansprechpartnern in einem Datensatz hinterlegt – und schon ist eine Identifikation ähnlich schwierig wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen.

 

Unternehmen eindeutig identifizieren

Abhilfe leistet in solchen Fällen üblicherweise die CrefoNummer, eine von Creditreform vergebene zehnstellige Ziffernkombination, die ein Unternehmen eindeutig identifiziert. Sie erleichtert zum Beispiel die Adresspflege (Umzüge, Rufnummern), die Durchführung von Marketing- und Potenzialanalysen (Gebietszuordnung, Außendienststeuerung) und hilft bei der Bereinigung von Dubletten. Allerdings: Abgleiche und Auskünfte zu den Crefo­Nummern laufen ausschließlich über Creditreform.

Zumindest war das bisher so. Seit ein paar Wochen beschreitet die Wirtschaftsauskunftei jedoch einen neuen, zusätzlichen Weg. Gemeinsam mit der Datalovers AG, an der Creditreform seit Mai 2017 eine Beteiligung hält, hat die Auskunftei als Erster in der Branche eine Blockchain der 15.000 größten deutschen Unternehmen mit der CrefoNummer ins Netz gestellt.

Mit Hilfe des Identifikators oder des Firmennamens kann das gesuchte Unternehmen in der Blockchain zweifelsfrei und eindeutig gefunden werden. Der Datensatz zu dem Unternehmen ist für jeden kostenfrei zugänglich. Er ist auf der Ethereum Public Blockchain abrufbar, die wiederum über die von Datalovers entwickelte Volltext-Suchmaschine bearch zu erreichen ist (bearch.de).

Was ist die CrefoNummer?

Jedes der 4,8 Millionen Unternehmen in Deutschland, Österreich und Luxemburg erhält von Creditreform eine zehnstellige Nummer – die CrefoNummer. Sie ist einmalig und wird durch weit mehr als 1.000 Rechercheure und Datenexperten gepflegt. Die CrefoNummer hilft als einmalige Referenznummer, wenn Unternehmen …

 

… ihre Kunden-, Lieferanten- oder Adressdatenbanken zusammenführen wollen.
… wissen wollen, wie viele Kunden sie wirklich haben.
… ihre Kunden besser kennenlernen wollen und dazu weitere Informationen wie Umsatz, Mitarbeiter, Risiko- oder Bonitätsdaten benötigen.

 

Zugleich findet sich die CrefoNummer auch als eindeutige Referenznummer in allen Creditreform Datenbanken und auch in allen Partnerprojekten.

Eine lückenlose Kette entsteht

Einmal in einem Block gespeicherte Informationen können nicht geändert werden. Im Fall einer Aktualisierung wird ein weiterer Block erstellt, der die Änderung enthält. Damit wird jede Korrektur am Datensatz transparent und nachvollziehbar. Es entsteht eine lückenlose Kette.

Datalovers-Chef Kulpa betrachtet das Blockchain-Projekt als „hochaktuelles und vielversprechendes Experiment“. Es handele sich um einen voll funktionstüchtigen Prototypen, der sich in der Praxis immer weiter entwickeln soll. „Wir wollen ausprobieren, lernen und erfahren, was wichtig ist und was nicht.“ Im ersten Schritt dient die Blockchain lediglich der eindeutigen Identifizierung von Unternehmen.

Denkbar sind jedoch noch andere, weitergehende Anwendungsmöglichkeiten. „Das Steckenpferd von Datalovers sind die Mechanismen der Künstlichen Intelligenz. Damit ließen sich beispielsweise auch Vorhersagen über die Insolvenzanfälligkeit von Unternehmen erarbeiten“, meint Kulpa. Erste Tests dazu habe es bereits gegeben. Doch sei dies noch Zukunftsmusik.

Was ist eine Blockchain?

Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, die eine stetig wachsende Liste von Transaktionsdatensätzen vorhält. Die Datenbank wird chronologisch linear erweitert, vergleichbar einer Kette, der am unteren Ende ständig neue Elemente hinzugefügt werden (daher auch der Begriff „Blockchain“ = „Blockkette“), und gilt als manipulationssicher. Ist ein Block vollständig, wird der nächste erzeugt. Jeder Block enthält eine Prüfsumme des vorhergehenden Blocks.

 

Entwickelt wurde das technische Modell der Blockchain im Rahmen der Kryptowährung Bitcoin als webbasiertes, dezentralisiertes, öffentliches Buchhaltungssystem aller jemals getätigten Bitcoin-Transaktionen. „Blockchain ist nicht gleichzusetzen mit Kryptowährungen wie Bitcoin. Die wichtigsten Anwendungsfelder sind Smart Contracts, also Computerprotokolle, die Verträge abbilden oder überprüfen oder die Abwicklung eines Vertrages technisch unterstützen“, sagt Datalovers-CEO Andreas Kulpa.