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Es gibt viele Gründe, warum ein Geschäftsführer die Firma verlässt – etwa wegen unvorhergesehener Ereignisse, aus gesundheitlichen Gründen oder wegen eines Tätigkeitswechsel. Die damals bereits fast 70-jährige Ingrid Langenscheidt, Inhaber-Geschäftsführerin der Räder Torwegge GmbH & Co. KG, suchte 2010 aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters eine Nachfolgeregelung. Da innerhalb der Familie eine Übergabe des Unternehmens nicht möglich war, verständigte man sich auf eine externe Lösung und wandte sich zur Unterstützung an Bridge imp, einen Dienstleister für die Vermittlung von Interim Managern. Die Firma Torwegge, ein Spezialist für die Produktion von Rädern und Rollen sowie für Lösungen im Bereich der Fördertechnik, war nicht an einer vorübergehenden Vakanz-Überbrückung interessiert, sondern an einer langfristigen Besetzung. Ziel war es somit, einen Manager zu finden, der festangestellter Mitgesellschafter werden wollte und besonders die Lücke im Führungsbereich Technik und Vertrieb schließen konnte. Mit Wilfried Schröder konnte Bridge imp den passenden Kandidaten für die Aufgabe präsentieren. Zur Zufriedenheit aller wurde aus dem Interim Mandat eine Langzeitlösung.

Interim Manager als Brücke

Das ist nicht immer selbstverständlich, denn mit einer Unternehmensnachfolge sind viele potenzielle Probleme und Fallstricke verbunden, die selbst erfolgreiche Unternehmen in Schieflage bringen können. Es hängt vor allem vom zeitlichen Planungshorizont ab, ob ein Unternehmen erfolgreich übergeben wird. Besonders mittelständische Unternehmer sind eng mit ihrem Betrieb verbunden, und ihre Wertevorstellungen prägen das Betriebsklima. Deren Ausscheiden stellt daher zwangsläufig eine besondere Herausforderung für alle an diesem Prozess Beteiligten dar.

Demzufolge muss dieses folgenschwere Ereignis früh vorbereitet werden. Ab dem Alter von 50 ist es für den Geschäftsführer durchaus empfehlenswert, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Auch die Banken legen ihr Augenmerk bei der Bewertung von Firmen zunehmend auf die Nachfolgeregelung. Wer mit voranschreitendem Alter noch keine diesbezüglichen Vorkehrungen getroffen hat, erhält entsprechend Negativbewertungen. Es lohnt sich also, sich frühzeitig im eigenen Unternehmen nach einer passenden Nachfolge umzusehen und Talent-Pools für die Schlüsselpositionen eines Betriebs anzulegen. So lassen sich die Führungskräfte von morgen schon heute fördern.

Stakeholder früh informieren

Bei der Übergabe gibt es verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten, welche mit Steuerberater, Rechtsanwalt, Unternehmensberater und auch der Familie diskutiert werden sollten. Diese Entscheidung ist sehr weitreichend und bedarf einer sorgfältigen Abwägung im Interesse aller Beteiligten – im Nachhinein lässt sich eine Fehlentscheidung nur schwer korrigieren. Alternativen der Unternehmensnachfolge sind: familieninterne Lösung, Management Buy-Out und Buy-In, Verkauf an Strategen oder an einen Finanzinvestor oder Gang an die Börse. Besonders in Familienunternehmen ist dieser Punkt von entscheidender Bedeutung: Unterschiedliche Erwartungshaltungen, Ängste und Zukunftsvorstellungen können zu Konflikten führen und einen erfolgreichen, internen Wechsel gefährden. Ein objektiver Dritter als Moderator kann helfen, einen konstruktiven, fairen und ergebnisorientierten Dialog einzuleiten. Doch nicht nur familiäre Angelegenheiten müssen transparent kommuniziert werden – auch die Stakeholder, insbesondere die Mitarbeiter, haben ein berechtigtes Interesse an der Einbeziehung in das Nachfolgegeschehen und sollten frühzeitig informiert werden, um Gerüchten vorzubeugen.

Die korrekte Erfassung aller materiellen und immateriellen Vermögensgegenstände ist notwendig, auch wenn es für den jetzigen Unternehmer eine emotionale Belastung darstellt, Managementfehler, Liquiditätsengpässe oder wirtschaftliche Verluste einzugestehen. Im Rahmen einer Unternehmensbewertung wird (meist in Zusammenarbeit mit einer externen Beratung) eine Due Diligence erstellt, die möglichst alle relevanten Analysen, Informationen und Kennzahlen enthält. Je nachdem, in welchem Stadium sich das zu übergebende Unternehmen befindet, wird der Nachfolger vor bestimmte Herausforderungen gestellt. Es können Innovationsfreude und Anpassungsfähigkeit gefragt oder grundlegende Veränderungen und Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit notwendig sein. Das ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine Übergabe. Der Nachfolger muss gleich von Beginn an das Potenzial haben, Respekt, Loyalität und Akzeptanz bei den Beschäftigten, Lieferanten und Kunden zu gewinnen, um so die lückenlose Fortführung des Unternehmens zu gewährleisten. Doch neben den Softskills spielen natürlich auch fachliche Erfahrung und Branchenkenntnisse eine entscheidende Rolle. In jedem Fall sollte der Nachfolger die Bereitschaft zur Erbringung der vollen Leistung und der Fokussierung auf den Betrieb haben.

Den Neuen einarbeiten

Eine gelungene Einführung des Nachfolgers durch seinen Vorgänger spielt vor allem für die Außenkontakte, aber auch für das künftige Verhältnis zu den Mitarbeitern eine entscheidende Rolle. Der Einarbeitungsprozess lässt sich in vier Phasen gliedern: Test-, Qualifizierungs-, Bindungs- und Übergabephase. Um den Ablauf dieser Phasen so reibungslos wie möglich zu gestalten, müssen beide Partner an einem Strang ziehen und einen transparenten Informationsfluss innerhalb des Unternehmens schaffen. Nur wer sich mit seinem Aussscheiden frühzeitig beschäftigt, stellt sicher, sich emotional von seinem Lebenswerk trennen zu können. Die beiden Punkte „langfristige Planung“ und „transparente Kommunikation“ können diesen Prozess erleichtern. Die Rolle des alten Geschäftsführers muss klar geregelt sein, ebenso seine Beteiligung bei zukünftigen Entscheidungen.

Ein Interim Manager kann kurz- oder mittelfristig während der Übergangsphase unterstützen. Objektiv und frei von persönlichem Karrierestreben kann er die Umsetzung der nötigen Aufgaben und Ziele angehen und der neuen Führung beratend zur Seite stehen, um die zukünftige Firmenplanung langfristig in die gewünschte Richtung zu lenken. Denn gerade während des Nachfolgeprozesses ist es wichtig, sowohl nach innen als auch nach außen ein starkes Management zu präsentieren. Im Falle der Räder Torwegge GmbH & Co. KG leitet der ursprünglich als Interim Manager eingesetzte Wilfried Schröder nun als Geschäftsführer gleichberechtigt neben Frau Langenscheidt die Firma – mit der Perspektive, zukünftig Mitgesellschafter zu werden.

Albert Einsteins Credo „Planung ersetzt Zufall durch Irrtum“ trifft also auch für die Unternehmensnachfolge zu. Man kann nicht erwarten, dass alles reibungslos ablaufen wird. Aber eine gute und langfristige Planung hilft, einige Hürden von vornherein zu umgehen. Alles in allem ist es wichtig, dass die „Chemie“ zwischen Unternehmer und Nachfolger stimmt, nur dann ist es beiden Parteien möglich, mit einem positiven Gefühl an die Herausforderung Nachfolge heranzugehen.Antje Lenk, Bridge imp

– Langfristig planen

– Sämtliche Alternativen in Ruhe abwägen

– Transparent in alle Richtungen kommunizieren

– Sämtliche Ressourcen korrekt erfassen

– Genaues Anforderungsprofil des Nachfolgers erstellen

– Neuen Geschäftsführer gründlich einarbeiten, Rückzug des alten Geschäftsführers parallel vollziehen

– Interim Management als Brücke prüfen