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Creditreform

Die Dramatik der vergangenen Monate an den Aktienmärkten hat auch bei Siegfried K. als Inhaber eines mittelständischen Betriebs Eindruck hinterlassen. Obwohl ihn der Wertpapierberater seiner Hausbank mittlerweile drängt, zumindest „vorsichtig und schrittweise wieder in Aktien zu investieren“, sieht K. hierzu keine Veranlassung. Dazu sitzt ihm nach wie vor der Schreck zu sehr in den Gliedern, unmittelbar nach dem Verkauf einer größeren Aktienposition kurz vor dem Börsendesaster die anschließenden rasanten Kursverluste selbst miterleben zu müssen. Nur diesem glücklichen Zufall des rechtzeitigen Verkaufs ist es also zu verdanken, dass K. nicht auch selbst zu den Verlierern gehörte.

Allzu weit scheint es ihm mit der, wie er damals sagte, „heilsamen Lehre“ nun aber doch nicht her zu sein. Kaum hat ihm nämlich vor einigen Tagen ein Unternehmerkollege mitgeteilt, dass er mit Anleihen im Australischen Dollar nicht nur sechs Prozent Zinsen, sondern darüber hinaus mit der Währung auch angeblich „satte“ Kursgewinne erzielt hat, sieht K. nun eine realistische Chance, den nach wie vor niedrigen Anlagezinsen von rund zwei Prozent ein Schnippchen zu schlagen. Mehr noch: K. denkt ernsthaft darüber nach, nicht nur Teile seines Privatvermögens, sondern auch einen erheblichen Betrag aus der Firmenkasse in dieser Anlageform zu investieren. K., der sich bisher nur als Privatperson bei spekulativen Anlageformen ausschließlich mit Aktien bekannter Unternehmen beschäftigte, war offenbar so beeindruckt, dass er seinen Wertpapierberater ausdrücklich um entsprechende Offerten im Australischen Dollar bat, die dieser auch kurzfristig avisierte.

Keine Spekulation mit Betriebsvermögen

Sollte es tatsächlich zu diesen Angeboten kommen, wäre K. gut beraten, erst einmal seine Gedanken in der gebotenen Ruhe zu ordnen. Betriebliche Gelder, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, haben nämlich grundsätzlich nichts in spekulativen Anlageformen zu suchen. Dabei ist es zunächst einmal einerlei, ob es sich um Währungsanleihen oder um andere spekulative Anlagen wie zum Beispiel um Aktien handelt. Der damit ohnehin bereits verbundene und vor allem in heutiger Zeit kaum mehr zu kalkulierende Risikofaktor wird nochmals dadurch erhöht, da das Kapital im Betriebsvermögen erfahrungsgemäß nur wenige Wochen oder Monate angelegt werden kann. Im Fall des Kollegen von W. war es wohl eher eine Fügung des Schicksals, dass innerhalb von nur einem halben Jahr ein überdurchschnittlicher Wertzuwachs erzielt wurde. Die bei betrieblichen Geldanlagen erforderliche Sicherheit und eine gleichzeitig weit überdurchschnittliche Verzinsung schließen sich nach den Grundsätzen einer seriösen Geldanlage aus (siehe unten). Unternehmern und Betriebsverantwortlichen, die den Sicherheitsaspekt (auch) bei betrieblichen Geldern völlig zu Recht hoch ansiedeln, bleibt danach also kaum eine andere Wahl, als die derzeit angebotenen Zinssätze an den Geldmärkten von etwa zwei Prozent zu akzeptieren. Selbst dies gilt ausschließlich für Finanzinstitute mit einer entsprechend hohen Einlagensicherung.

Mögliche Währungsverluste

Die Risikobetrachtung gilt naturgemäß auch für die erwähnten Währungsanleihen, bei denen durch die Zinsunterschiede zum Euro zwar höhere Erträge möglich sind. Im Ergebnis ist dies aber nur dann erfolgreich, wenn die jeweilige Fremdwährung – wie im Praxisfall der Australische Dollar – während der Laufzeit der Anlage nicht an Wert verliert. Geschieht dies doch, ist nicht nur der Zinsvorteil in Gefahr, sondern sehr schnell auch ein Teil des eingesetzten Kapitals. Wird dieses Kapital dann noch zu einem konkreten Zeitpunkt benötigt und steht es durch derartige Spekulationsverluste nicht in voller Höhe zur Verfügung, muss je nach Liquiditätslage des Betriebes die Hausbank mit einer möglicherweise kostspieligen Finanzierung einspringen. Es ist außerdem leicht vorstellbar, wie die Reaktion der Bank ausfällt, wenn der Unternehmer erklären muss, wie er eine „verantwortungsbewusste Anlagepolitik“ als Teil seiner strategischen Unternehmensführung offenbar definiert.

Je nach Kreditgeber kann ein solches Verhalten durchaus Auswirkungen auf das betriebliche Rating haben, in dem Faktoren wie die angesprochene Unternehmensführung an Bedeutung gewinnen. Finanziell gefährlich kann es übrigens auch dann werden, wenn versucht wird, durch längerfristige Anlagen wie festverzinsliche Wertpapiere Zinsunterschiede zu kürzeren Anlageformen wie Tages- oder Termingeldern auszunutzen. Zwar kann diese Strategie je nach Zinssituation etwa ein oder zwei Prozent mehr Ertrag bringen, andererseits muss aber mit Kursverlusten dieser Wertpapiere bei einem Verkauf während der Laufzeit gerechnet werden, die zumindest einen Teil des Nettogewinns wieder aufzehren dürften.

Im Ergebnis bleibt es also dabei: Betriebliche Gelder sollten je nach Anlagezeitraum ausschließlich sicher angelegt werden, auch wenn dies zu Zinseinbußen führt. Ob und in welchem Umfang Betriebsverantwortliche dagegen im Privatbereich eine spekulativere Anlagepolitik betreiben, wird jeder Unternehmer individuell entscheiden.

Ausgewogen: Magisches Dreieck der Geldanlage

Die Magie der drei Anlagekriterien Sicherheit, Rentabilität und Liquidität besteht darin, dass es bei Versuchen, diese Kriterien zu optimieren, in der Praxis immer wieder zu Konflikten kommt: Unternehmer, die an einer sicheren Geldanlage interessiert sind, müssen eine vergleichsweise geringere Rendite oder Rentabilität akzeptieren als Unternehmer, die bereit sind, bei der Kreditwürdigkeit oder Bonität des Anlageschuldners Abstriche zu machen. Eine weit überdurchschnittlich hohe Verzinsung geht also meist mit einem entsprechend hohen Risiko einher, die angelegten Beträge später auch tatsächlich wieder zurück zu bekommen. Ebenso schwierig ist die Situation für Anleger, die auf eine kurzfristige Verfügbarkeit der angelegten Beträge Wert legen, da eine jederzeitige Liquidierbarkeit in der Regel zu Renditenachteilen führt. Im Ergebnis sollte für den Anleger also ein Kompromiss innerhalb dieser Anlagekriterien möglich sein, der dem individuellen Sparziel zumindest weitgehend entspricht – eine Entscheidung im Dreieck eben.

Check-Liste: So lassen Sie Betriebsvermögen sicher arbeiten

  • Selbst bei als sicher geltenden Anlageformen sollten sich Unternehmer davon überzeugen, dass das Finanzinstitut seiner Wahl einem Einlagensicherungsfonds angehört, der die Rückzahlung des Geldes in vollem Umfang garantiert. Nähere Informationen erteilt das Geldinstitut selbst oder spätestens die Bankenaufsicht (www. bafin.de).
  • Wichtig sind bei Geldanlagen außerdem mögliche Kosten, die die Gesamtverzinsung reduzieren.
  • Ebenfalls von Bedeutung sind eventuelle Kündigungsfristen der Anlagebeträge, die bei den persönlichen oder betrieblichen Planungen ebenfalls berücksichtigt werden sollten
  • Alternativ zu kurzfristigen Tages- und Termingeldkonten können sich auch herkömmliche Geldmarktfonds zur Anlage von Betriebsvermögen eignen. Dazu sollten die entsprechenden Bedingungen des jeweiligen Bankinstitutes sorgfältig geprüft werden.