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Creditreform

© Nancy Honey/Getty Images

Nach wie vor hinkt die Zahl der zugelassenen Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge den hochgesteckten Erwartungen hinterher. Helfen sollen jetzt weitere Steuervorteile für privat mitgenutzte Firmenfahrzeuge und Fahrräder.

 

Die gute Nachricht zuerst: Alle bisherigen Regelungen zur steuerlichen Förderung der Elektromobilität bleiben in Kraft und gelten auch weiterhin.

Dazu zählen neben den Vergünstigungen bei der Kraftfahrzeug- und Stromsteuer insbesondere der steuer- und sozialversicherungsbeitragsfreie Auslagenersatz für das elektrische Aufladen von Firmenwagen durch Arbeitnehmer sowie die von der Batteriekapazität abhängige Minderung des privaten Nutzungsvorteils für Elektro- und Hybridfahrzeuge.

Da die bisherigen Maßnahmen offenkundig jedoch nur wenige Privatleute und Unternehmen zum Umstieg bewegen konnten, sollen jetzt weitere deutliche Steuervorteile für privat mitgenutzte Firmenfahrzeuge helfen.

Unser Steuer-Experte:

Bernhard Lindgens ist in der Umsatzsteuerbetrugsbekämpfung im Bundeszentralamt für Steuern in Bonn tätig. Zuvor war er im Bundesministerium der Finanzen für verschiedene Projekte in der Steuerfahndung und Betrugsbekämpfung sowie für den Datenzugriff der Finanzbehörden zuständig.

Seit Januar 2019 braucht bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils für die private Mitbenutzung von nach dem 31. Dezember 2018 und vor dem 1. Januar 2022 angeschafften Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge nach der 1-Prozent-Regelung nur noch der halbe Bruttolistenpreis des Kraftfahrzeugs angesetzt werden.

Ähnliches gilt bei der Fahrtenbuchmethode: Bei der Zusammenstellung aller angefallenen Kfz-Kosten zählen hier nur die halben tatsächlichen Anschaffungskosten oder vergleichbaren Aufwendungen. Dass Elektroautofahrer doppelt Steuern sparen, hat der Gesetzgeber freilich vermieden. Bei beiden Berechnungsmethoden darf zusätzlich keine von der Batteriekapazität abhängige Steuervergünstigung in Anspruch genommen werden (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Sätze 2 und 3 EStG).

 

Der Zeitpunkt ist entscheidend

Wie so oft im deutschen Steuerrecht steckt der Teufel aber auch hier im Detail. So hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in seinem Schreiben vom 19. Dezember 2018 (Az.: IV C 5 – S 2334/14/10002-07) an den Verband der Automobilindustrie (VDA) klargestellt, dass für die Anwendung der Neuregelung auf Überlassungen von Firmenfahrzeugen an Arbeitnehmer allein der erstmalige Überlassungszeitpunkt an einen Arbeitnehmer zählt.

Unmaßgeblich ist dagegen, wann das betreffende Fahrzeug vom Arbeitgeber angeschafft, hergestellt oder geleast wurde.

Die im Hinblick auf den Gesetzeszweck überraschende Konsequenz: Wurde das betriebliche Kraftfahrzeug vor dem 1. Januar 2019 vom Arbeitgeber bereits einem Arbeitnehmer zur privaten Nutzung überlassen, bleibt es auch bei einem Wechsel des Nutzungsberechtigten nach dem 31. Dezember 2018 für dieses Kraftfahrzeug bei den bisherigen Bewertungsregelungen (das heißt beim vollen Bruttolistenpreis oder bei den gesamten Anschaffungskosten).

Für (Elektro-)Fahrräder gelten nach gleichlautenden Erlassen der Obersten Finanzbehörden der Länder die gleichen Begünstigungen und Einschränkungen. Nur gilt es zu beachten, dass auf die private Nutzung von Fahrrädern durch Arbeitnehmer ohnehin seit Januar 2019 keine Lohnsteuer mehr anfällt, sofern diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt wird (§ 3 Nr. 37 EStG).

Für (Elektro-)Fahrräder greift die Halbierung des privaten Nutzungsvorteils damit nur in den Fällen, in denen das Fahrrad im Rahmen einer Gehaltsumwandlung gewährt wird oder wegen zu hoher Batterieleistung verkehrsrechtlich ein versicherungspflichtiges Fahrzeug darstellt.

Der Wermutstropfen zum Schluss: Die im Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung für Elektro- und Hybridfahrzeuge eigentlich vereinbarte 50-prozentige Sonderabschreibung (zusätzlich zur üblichen linearen Abschreibung über die in den amtlichen AfA-Tabellen vorgeschriebene betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer) wurde bislang noch nicht umgesetzt.

Rechtsgrundlagen

 

Az.: IV C 5 – S 2334/14/10002-07
Antwortschreiben des BMF an den VDA zur Anwendung der Neuregelung bei der Dienstwagenbesteuerung im Arbeitnehmerbereich

 

§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Sätze 2 und 3 EStG
Einkommensteuergesetz, Bewertung

 

§ 3 Nr. 37 EStG
Einkommensteuergesetz, Steuerfreie Einnahmen