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Creditreform

Auch im Jahr 2019 bleiben Unternehmen von Steueränderungen nicht verschont. Zahlreiche neue Regeln müssen umgesetzt werden.

© Monty Rakusen – Cultura

Mit einem neuen Gesetz zielt der Gesetzgeber darauf ab, Umsatzsteuerhinterziehung im elektronischen Geschäftsverkehr den Riegel vorzuschieben.

Eine Folge: Die Betreiber elektronischer Marktplätze müssen sich ab März 2019 vergewissern, dass auf ihren Internetplattformen tätige Drittlands-Unternehmen in Deutschland auch steuerlich registriert sind (für inländische und EU-Unternehmen gilt dies erst ab 1. Oktober 2019).

Ansonsten sind die Marktplatzbetreiber zum Ausschluss der betreffenden Händler auf ihren Plattformen verpflichtet und haften bei Verstößen für nicht entrichtete Umsatzsteuer aus deren Lieferungen.

Diese viel diskutierte und im Hinblick auf die Bekämpfung der Umsatzsteuerhinterziehung im elektronischen Geschäftsverkehr wohl unvermeidbare Verschärfung im sogenannten Jahressteuergesetz 2018 (offizieller Titel „Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“) hat allerdings den Blick von manch anderen steuerlichen Neuregelungen abgelenkt. Zu diesen zählen insbesondere:

✪ Die Halbierung des geldwerten Vorteils bei der privaten Mitbenutzung von Firmenfahrzeugen auf monatlich 0,5 Prozent des Listenpreises für nach dem 31. Dezember 2018 und vor dem 1. Januar 2022 angeschaffte Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeuge (gilt entsprechend auch bei der Fahrtenbuchmethode).

✪ Die Steuerbefreiung von verbilligten oder kostenlosen Jobtickets auch für private Fahrten im öffentlichen Nahverkehr mit Anrechnung der steuerfreien Leistungen des Arbeitgebers auf die Entfernungspauschale.

✪ Die geänderte umsatzsteuerliche Behandlung von Wert- und Warengutscheinen aufgrund der EU-Gutschein-Richtlinie. In der Vergangenheit galt die Ausgabe von Wertgutscheinen, die auf einen bestimmten Betrag lauteten und gegen eine beliebige Ware oder Dienstleistung einlösbar waren, als Tausch von Zahlungsmitteln. Das bedeutet: Sie löste keine Umsatzsteuer aus. Bei Gutscheinen, die auf eine bestimmte Ware oder Dienstleistung bezogen waren, griff hingegen die sogenannte Anzahlungsbesteuerung.

Künftig wird steuerlich zwischen Einzweck- und Mehrzweck-Gutscheinen unterschieden. Lassen sich Ort der Lieferung oder sonstigen Leistung, für die der Gutschein gilt, bereits zum Zeitpunkt der Ausstellung bestimmen, liegt ein Einzweck-Gutschein vor. Mit der Übertragung eines solchen Einzweck-Gutscheins gilt die Lieferung oder sonstige Leistung bereits als ausgeführt und es wird Umsatzsteuer fällig. Alle anderen Gutscheine gelten als Mehrzweck-Gutscheine, deren Ausgabe (noch) nicht der Umsatzsteuer unterliegt.

Unser Steuer-Experte:

Bernhard Lindgens ist in der Umsatzsteuerbetrugsbekämpfung im Bundeszentralamt für Steuern in Bonn tätig. Zuvor war er im Bundesministerium der Finanzen für verschiedene Projekte in der Steuerfahndung und Betrugsbekämpfung sowie für den Datenzugriff der Finanzbehörden zuständig.