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Creditreform

Das überraschende Aus des eigentlich bereits beschlossenen milliardenschweren Pakets zur Gebäudedämmung wird heftig kritisiert. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks und die Grünen sehen in der Entscheidung der Bundesregierung fatale Folgen für die Energiewende. Der Eigentümerverband Haus & Grund spricht von einer großen Enttäuschung.

Eigentlich sollten Hausbesitzer rückwirkend ab Januar zehn bis 20 Prozent der Kosten für Gebäudesanierung von der Steuer absetzen können. Darauf hatten sich Bund und Länder in einem Kompromiss geeinigt. Doch daraus wird jetzt wohl nichts. Unter Berufung auf ein Schreiben von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann an die Mitglieder seiner Fraktion schreibt die Deutsche Presse-Agentur (dpa), dass im Koalitionsausschuss über das milliardenschwere Klimapakt keine Einigung erzielt werden konnte.

Vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) kommt vor allem Kritik an den Ländern: „Der ’schwarze Peter‘ gehört eindeutig den Haushältern zahlreicher Bundesländer, die trotz sprudelnder Steuereinnahmen eine Förderung der Energiewende ablehnen“, schreibt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke.

Handwerk: Kampf gegen Schwarzarbeit nicht gegen Klimaschutz aufrechnen

Dass im Gegenzug eine Kürzung der Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen, auf Initiative des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), vom Tisch ist, wird ausdrücklich begrüßt. „Die Bundesländer bestehen offenbar darauf, finanzielles Engagement für den Klimaschutz durch Kürzungen an anderer Stelle im Haushalt gegen zu finanzieren“, so Schwannecke weiter. „Der bereits existierende Steuerbonus auf Handwerkerleistungen ist ein wirkungsvolles Instrument gegen Schwarzarbeit.“ Der ZDH spreche sich dagegen aus, den Kampf gegen Schwarzarbeit gegen den Klimaschutz aufzurechnen.

Für die Bundestagsfraktion der Grünen ist der Donnerstag ein schwarzer Tag für die Energiewende und die Klimapolitik. „Der Steuerbonus zur energetischen Gebäudesanierung ist auf Bundesebene an der Großen Koalition gescheitert. Merkel hat zum wiederholten Mal nicht Wort gehalten und eines ihrer klimapolitischen Versprechen gebrochen“, sagt Christian Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der Grünen, dem Creditreform-Magazin. Verlierer der Neinsager-Politik von Horst Seehofer seien die Häuslebauer, das Klima und die Handwerker. „In Merkels Koalition entwickelt sich Seehofer zum Störfall für die Klimawende“, so Kühn weiter.

Haus & Grund rät Eigenheimbesitzern alles nochmal durchzurechnen

Beim Eigentümerverband Haus & Grund geht man davon aus, dass sich viele Hausbesitzer eine Dämmung des Gebäudes jetzt noch einmal überlegen werden. „Die Enttäuschung über diese Entscheidung ist sehr groß. Dadurch wird die Modernisierung im Gebäudesektor wird deutlich verlangsamt“, sagt ein Sprecher auf Anfrage. „Der Steuerbonus ist effektiv und sinnvoll und wegen der hohen Steuereinnahmen des Bundes ohne Probleme finanzierbar.“

Haus & Grund rät Eigentümern, die auf den Steuerbonus gesetzt haben, noch einmal alles durchzurechnen. „Wenn es sich anders nicht finanzieren lässt, dann muss jeder Hauseigentümer entscheiden, ob die geplante Sanierung kleiner aus- oder sogar ganz wegfällt.“ Das Bundeswirtschaftsministerium und das für den Klimaschutz zuständige Bundesumweltministerium wollten sich auf Nachfrage zu dem Thema am Donnerstag nicht äußern.

Wirtschaftsministerium bringt KfW-Bank ins Spiel

Der Gebäudesanierungs-Bonus sollte Bund und Länder rund eine Milliarde Euro pro Jahr kosten und war für fünf Jahre angesetzt. Das Bundeswirtschaftsministerium prüfe laut dpa nun alternativ, Zuschussprogramme der KfW-Bank zu erhöhen. Für den Sprecher von Haus & Grund keine richtige Alternative: „Nicht jeder Hauseigentümer will auch einen KfW-Kredit aufnehmen.“