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Creditreform
Das Bild zeigt ein Haus, Euromünzen und einen Taschenrechner

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Diese zwei aktuellen Auslegungen des Steuerrechts sollten Unternehmer kennen.

 

Vorsteueraufteilung bei Gebäuden

Sofern eine Immobilie nur teilweise unternehmerischen Zwecken dient oder umsatzsteuerpflichtig vermietet wird, dürfen seit 2011 nur noch die darauf entfallenden Vorsteuerbeträge abgezogen werden.

Wichtig bei diesen sogenannten gemischt genutzten Grundstücken ist deshalb, in Zweifelsfällen die beabsichtigte unschädliche Nutzung durch belastbare Nachweise oder zumindest objektive Anhaltspunkte wie Vermietungsinserate oder Schriftwechsel gegenüber dem Finanzamt untermauern zu können.

 

Vorsteuerbeträge aufteilen

Stehen Aufwendungen sowohl mit der unternehmerischen Verwendung des Gebäudes als auch mit dessen Nutzung für außerunternehmerische Zwecke in Zusammenhang, kommen Immobilienbesitzer nicht um eine Aufteilung der entsprechenden Vorsteuerbeträge herum.

Darunter fallen beispielsweise Dachrenovierungen oder energetische Einsparmaßnahmen, die keinem Gebäudeteil allein zugeordnet werden können.

 

Herstellungskosten nach Flächenschlüssel

Als Aufteilungsmaßstab dient den Finanzämtern dabei regelmäßig das Verhältnis der Nutzflächen (Flächenschlüssel). Eine Berechnung nach dem Verhältnis der voraussichtlich steuerpflichtigen zu den steuerfreien Ausgangsumsätzen (Umsatzschlüssel) erlaubt das Umsatzsteuergesetz (§ 15 Abs. 4 Satz 3 UstG) nur noch in Ausnahmefällen.

Eine direkte Zuordnung in Rechnung gestellter Vorsteuerbeträge zum jeweiligen Nutzungsbereich akzeptieren die Finanzbehörden ausschließlich bei reinen Erhaltungsaufwendungen. Bei (nachträglichen) Anschaffungs- oder Herstellungskosten für das Gebäude selbst müssen die abzugsfähigen Vorsteuerbeträge hingegen nach dem Flächenschlüssel berechnet werden.

 

Unterschiede in der Ausstattung berücksichtigen

Sofern die Flächen vergleichbar sind, spielt es laut Bundesfinanzhof (BFH-Urteil vom 10. August 2016, Az.: XI R 31/09) zwar keine Rolle, welche Aufwendungen in bestimmte Teile des Gebäudes eingehen. Bei erheblichen Unterschieden in der Ausstattung darf bei der Vorsteueraufteilung nach der jüngsten BFH-Entscheidung (Urteil vom 11. Februar 2021, Az.: XI R 7/20) dennoch der objektbezogene Aufteilungsschlüssel angewendet werden.

 

Haftung beim Onlinehandel

Seit 2019 müssen Betreiber von elektronischen Marktplätzen sicherstellen, dass alle auf ihren Plattformen tätigen in- und ausländischen Händler steuerlich registriert sind. Ansonsten sind die Marktplatzbetreiber zum Ausschluss der betreffenden Händler verpflichtet und haften bei Verstößen für nicht entrichtete Umsatzsteuer aus deren Lieferungen (§ 25e UStG).

Dieser Haftung konnten Marktplatzbetreiber bislang entgehen, wenn ihnen eine Bescheinigung über die steuerliche Erfassung des für den Händler zuständigen Finanzamts vorlag. Für Lieferungen nach dem 30. Juni 2021 werden diese Bescheinigungen jedoch nicht mehr anerkannt.

 

Aufzeichnungspflichten erweitert

Stattdessen verlangen die Finanzbehörden nunmehr qualifizierte Bestätigungsabfragen beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) über die Gültigkeit der von liefernden Unternehmern mitgeteilten deutschen Umsatzsteuer-Identifikationsnummern (USt-IdNrn.).

Auch die Aufzeichnungspflichten wurden nochmals erweitert: Bislang mussten für alle Lieferungen, bei denen der Kaufvertrag mithilfe eines automatisierten Bestellvorgangs zustande gekommen ist und bei denen die Beförderung oder Versendung der Ware im Inland beginnt oder endet, nach § 22f UStG neben dem vollständigen Namen und der Anschrift des Lieferanten unter anderem auch Zeitpunkt und Umsatzhöhe (gemindert um Rabatte, Skonti oder andere Preisnachlässe) aufgezeichnet werden.

Hinzugekommen sind jetzt: die elektronische Adresse oder Website des liefernden Unternehmers, dessen Bankverbindung oder Nummer seines virtuellen Kontos, eine Beschreibung des gelieferten Gegenstandes sowie die Bestellnummer oder eindeutige Transaktionsnummer.