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Creditreform

Für Startups, Kleinunternehmer und Investoren wird in Österreich die Finanzierung erleichtert: Mit dem neuen Crowdfunding-Gesetz gehört Österreich im internationalen Vergleich zu den Ländern mit den liberalsten Regelungen für Schwarmfinanzierungen und sorgt für Aufschwung in der Szene der Jungunternehmer. Zwar gibt es einen ersten prominenten Nutznießer, der Weg zum Kapital aus der Gruppe ist jedoch nicht immer einfach.

Da die Gründungsfinanzierung ein risikoreiches Geschäft für Banken ist, fällt es Gründern und Jungunternehmen oftmals schwer ihre Geschäftsidee zu finanzieren. Einen Ausweg bietet das Crowdfunding. Hierbei unterstützen viele Kleinanleger – die Crowd – eine Unternehmensgründung oder ein Projekt mit Geld. Weltweit gewinnt diese alternative Finanzierungsform zunehmend an Bedeutung: Während der globale Crowdfunding-Markt 2013 dem Crowdfunding Industry Report zufolge nur 6,1 Milliarden Dollar umfasste, betrug das Volumen ein Jahr später bereits 16,2 Milliarden Dollar. Für 2015 wurde ein Anstieg auf 34,4 Milliarden Dollar prognostiziert.

Um den Weg zum Geld durch die Crowd zu ebnen, hat Österreich die Finanzierung von Geschäftsideen erheblich verbessert. Seit September 2015 gilt das neue Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG), mit dem die Alpenrepublik ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Startup- und Kleinanlegerschutz-Interessen schafft. Denn sie hat die Grenze für die Pflicht zum – meist kostspieligen – vollen Kapitalmarktprospekt von 250.000 Euro auf ein Emissionsvolumen von fünf Millionen Euro angehoben. Ein Informationsblatt muss vom Emittenten ab 100.000 Euro veröffentlicht werden und ein Investor kann pro Projekt bis zu 5.000 Euro im Jahr investieren, in bestimmten Fällen auch mehr.

Crowdfunding für den Bau eines Fußballstadions

Eines der ersten Unternehmen, das den neuen gesetzlichen Rahmen für Crowdfunding nutzt, ist der österreichische Traditionsfußballverein SK Rapid Wien. Als erster Fußballklub in der Alpenrepublik überhaupt holte sich Rapid über nachrangige Darlehen Geld von Fans und Mitgliedern und hat dabei das bisher höchste Crowdinvestmentvolumen in Österreich erzielt: Knapp 1500 Investoren haben über die Crowdfunding-Plattform Conda drei Millionen Euro aufgebracht. Das Fundinglimit wurde damit am 1. Februar 2016 – einen Monat vor Ende der geplanten Zeichnungsfrist – erreicht.

Mit dem Geld unterstützt der Verein die Finanzierung des 53 Millionen Euro teuren neuen Stadions. „Wir wollen die Zinsen für die Kredite lieber unseren Fans zahlen als den Banken“, erklärte der Klubpräsident, Michael Krammer. Die Darlehen werden in drei Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sieben oder neun Jahren angeboten. Die Zinssätze betragen je nach Tranche zwischen zwei und drei Prozent pro Jahr. Bei Erreichen der Champions-League-Gruppenphase winkt ein Extra-Bonus von 4 Prozent. Aber ausgezahlt wird nur, wenn der Verein auch tatsächlich Gewinne schreibt.

Doch so nützlich neue Finanzierungsformen, wie Equity Crowdfunding und Crowdlending, für Unternehmer sein können, so sehr sorgen sich Verbraucherschützer und Regulierungsbehörden auch um das Risiko für die Kreditgeber, insbesondere für Privatanleger. Aus diesem Grund haben zahlreiche Länder in den vergangenen Monaten Gesetzesreformen angestrengt, die die Schwarmfinanzierung klar regeln sollen. Die richtige Balance zwischen Anlegerschutz und Offenheit für neue Finanzierungsformen ist dabei ein schmaler Grat.

In Deutschland gibt es ab 2,5 Millionen Euro eine Prospektpflicht

Neben Österreich ist auch in Deutschland im vergangenen Jahr ein neues Gesetz in Kraft getreten. Seit Juli 2015 schreibt das Kleinanlegerschutzgesetz eine Prospektpflicht ab 2,5 Millionen Euro vor. Ein Informationsblatt ist bereits ab dem ersten Euro nötig. Die Obergrenze von Einzelinvestments von Privatpersonen liegt bei 10.000 Euro, ab 1.000 Euro muss der Investor eine Selbstauskunft über sein Vermögen abgeben.

In vielen ost- und südosteuropäischen Ländern Europas wie Polen oder Griechenland aber auch in Irland und Belgien besteht die Verpflichtung zu einem vollen Kapitalmarktprospekt bereits bei einem geringen Investitionsguthaben weit unter 1 Million Euro. Am meisten Spielraum haben Startups in Spanien, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Portugal, Estland und Kroatien, wo es unter 5 Millionen Euro keine Informations- und Prospektpflicht gibt.

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