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Creditreform

Das Urteil: Als Arbeitgeber müssen Sie auch Entgeltfortzahlung leisten, wenn sich ein Arbeitnehmer während eines Wutanfalls selbst verletzt. Das hat das Hessische Landesarbeitsgericht entschieden (Az.: 4 Sa 617/13).

Der Fall: Ein Arbeitnehmer wurde in einem Baumarkt teilweise als Gabelstaplerfahrer eingesetzt. Diesen Gabelstapler hatte er mit einem Plexiglasdach versehen, um vor Regen geschützt zu sein. Als der Sicherheitsbeauftragte des Betriebs ihn anwies, das Dach wieder abzubauen, wurde er so wütend, dass er mehrmals mit seiner Faust auf ein Verkaufsschild schlug. Dabei brach er sich die Hand und war in den folgenden sechs Wochen arbeitsunfähig. Der Betrieb weigerte sich jedoch, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall zu leisten, weil der Mitarbeiter an seiner Verletzung selbst schuld sei und sie sich vorsätzlich beigebracht habe.

Die Begründung: Zwar ist ein Entgeltfortzahlungsanspruch nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) ausgeschlossen, wenn den Arbeitnehmer an der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit „ein Verschulden“ trifft. Allerdings ist hierbei nicht vom zivilrechtlichen Verschuldensbegriff die Rede, der schon bei mittlerer und leichter Fahrlässigkeit greift. Im Rahmen des EFZG ist gefordert, dass ein grober Verstoß gegen das eigene Interesse eines verständigen Menschen vorliegt – also ein besonders leichtfertiges, grob fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten gegen sich selbst. Diese Voraussetzungen sind laut Gericht aber nicht erfüllt. Der Mitarbeiter hätte zwar damit rechnen müssen, dass er eine Verletzung riskiert. Gegen eine grobe Fahrlässigkeit spricht, dass der Arbeitnehmer aus Wut kurzzeitig die Kontrolle über sein Handeln verloren hat. Die Entgeltfortzahlung muss somit geleistet werden.