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Creditreform

1. Aktien – welche Regionen und Branchen bieten dieses Jahr die meisten Chancen?
2. Auch der Anleihemarkt ist heißgelaufen. Wo lohnt noch der Einstieg?
3. Öl, Edelmetalle und generell Rohstoffe sind stark im Preis gefallen. Erlebt der Sektor nun ein Comeback?

 

Hans-Jörg Naumer © Allianz Global Investors

Hans-Jörg Naumer © Allianz Global Investors

Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors

(1) Dank Konjunkturerholung, schwachem Euro und EZB-Kaufprogrammen haben europäische Aktien weiter Rückenwind – doch es dürfte immer wieder störende Windböen geben. Setzen Sie zur Stabilisierung auf Dividenden. Generell sind Euroaktien günstiger bewertet als US-Titel und erst recht als jene aus Schwellenländern. Zu den Branchen: Die Konjunkturdynamik ist zu schwach, um zyklische Sektoren zu unterstützen: auf defensive Titel setzen.

(2) Knapp 60 Prozent der deutschen Staatsanleihen und knapp 40 Prozent der Papiere aus der Eurozone bringen nur noch negative Renditen. Wer daher die Risikoleiter weiter nach oben gehen will, kann Anleihen der Euro- Peripheriestaaten prüfen. Auch Unternehmensanleihen bieten teilweise attraktive Renditeaufschläge – besonders Papiere aus Euroland.

(3) Der Goldpreis wird nach unten zwar von seinen Produktionskosten gestützt – doch mit größeren Kursgewinnen rechne ich nicht. Der Effekt des niedrigen Realzinses, der historisch immer ein gutes Signal für Gold war, läuft langsam aus. Auch das schwächere Wachstum in den aufstrebenden Staaten spricht gegen ein Ende der Rohstoffschwäche.

 

Stefan Kreuzkamp © Deutsche Asset Management

Stefan Kreuzkamp © Deutsche Asset Management

Stefan Kreuzkamp, Deutsche Asset Management

(1) Dieses Jahr ziehen wir die Börsen der entwickelten Länder den Schwellenmärkten vor – für Euroland, USA und Japan sehen wir ein ähnliches Kurzpotenzial. Vier Sektoren gefallen uns dabei besonders gut: Finanzen, Technologie, zyklischer Konsum sowie Gesundheit. Ansonsten suchen wir opportunistisch immer wieder Chancen bei Marktübertreibungen, wie zuletzt bei der Dieselaffäre. Bei Dividenden achten wir auf wachsende Ausschüttungen, die aber langfristig nicht die Substanz schwächen.

(2) Bei Anleihen mögen wir Unternehmensanleihen – sowohl Investment Grade als auch High Yield aus der Eurozone und den USA. Die lockere Geldpolitik wirkt hier unterstützend, ebenso wie die historisch niedrigen Ausfallraten. Wer auf Staatsanleihen nicht verzichten möchte, kann sich in der europäischen Peripherie umschauen, oder, wenn er das Geld flexibel parken möchte, bei kurzlaufenden US-Treasuries.

(3) Bei Rohstoffen bleiben wir vorsichtig: Man sollte die Länge der Investitionszyklen und Phasen der Überkapazität nicht unterschätzen. Allerdings rechnen wir beim Öl schon mit einer leichten Erholung. Bei Gold sind wir aber emotionslos: Sollte der Markt die Zinserhöhungen der Fed gut verdauen, dürfte das den Preis weiter drücken.

 

Max Holzer © Union Investment

Max Holzer © Union Investment

Max Holzer, Union Investment

(1) Aktien bleiben die aussichtsreichste Anlageklasse – auch wenn das Umfeld selektiver wird. Die Gewinne dürften quer durch alle Branchen im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen, zusätzlich sorgen Übernahmen für Kursfantasie. Durch den schwachen Euro geben wir europäischen Aktien tendenziell den Vorzug. Entscheidend bleibt aber die Titelauswahl – man muss die langfristig erfolgreichsten Geschäftsmodelle herausfiltern.

(2) Das Niedrigzinsumfeld bleibt uns erhalten, daher sind bei zehnjährigen Bundesanleihen höchstens kleine Renditeanstiege drin. Auch die US-Pendants sollten nicht über 2,6 Prozent steigen. Trotzdem kann sich bei dieser Differenz eine weitere Internationalisierung des Anleiheportfolios lohnen. Unternehmenspapiere bleiben bei geringen Staatsanleiherenditen zwar gefragt – eine gezielte Titelselektion ist aber, ähnlich wie am Aktienmarkt, wichtiger denn je.

(3) Für die meisten Rohstoffe dürfte die Suche nach neuen Gleichgewichtspreisen weitergehen. Wir erwarten dabei Schwankungen um die jeweiligen Produktionskosten – und damit ähnliche Niveaus wie derzeit. Dass die Produktion vieler Industriemetalle zurückgefahren wurde, spricht für eine Bodenbildung.