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Creditreform

Mancher macht es früher, ein anderer zögert es lange heraus: Doch ganz sicher kommt irgendwann der Tag, an dem jeder Familienunternehmer seine Firma an einen oder mehrere Nachfolger abgeben muss. Ein Drittel der familiären Nachfolgeregelungen scheitert jedoch, weil es Probleme bei der Finanzierung gibt. Im Folgenden möchten wir Ihnen erläutern, worauf Unternehmer achten müssen.

Werden Alternativen der Nachfolgeregelung erörtert, wird häufig erkennbar, dass das eigentliche Problem kein Nachfolger-, sondern ein Vorgängerproblem ist. Dabei kommt weniger zum Tragen, dass Unternehmer nicht loslassen können, mangelndes Vertrauen in den Nachfolger haben und deshalb das Problem verdrängen, sondern daran, dass beispielsweise der Lebensunterhalt der Familie auch nach Übergang des Unternehmens vom Unternehmen gesichert werden muss. Eine sehr große Zahl von Unternehmern hat die finanzielle Absicherung des Lebensabends der Unternehmerfamilie außerhalb des Unternehmensvermögens nicht erreichen können.

Darüber hinaus fehlen häufig die finanziellen Mittel für eine gerechte Vermögensnachfolge bei mehreren Erben, wenn nur ein Erbe Unternehmensnachfolger werden soll. So ist es nicht erstaunlich, dass etwa ein Drittel der Nachfolgeregelungen an Schwierigkeiten bei der Finanzierung scheitert. Beim Ausscheiden aus der unternehmerischen Verantwortung wollen Unternehmer zwangsläufig nicht mehr für unternehmerische Risiken haften. Deshalb besteht in der Regel der Wunsch

  • persönliche Haftungen für betriebliche Kredite wie z. B. Bürgschaften aufzugeben,
  • thesaurierte Gewinne auszuschütten,
  • gewährte Gesellschafterdarlehen zum Zwecke der risikoarmen Vermögensanlage zu entnehmen.

Zwangsläufig schränkt das die Finanzierungsmöglichkeiten des Unternehmens ein: Geringere wirtschaftliche Eigenkapitalquoten und fehlende Sicherheiten beschränken die Fremdfinanzierungsmöglichkeiten.

Dirk Schulte (3)

Dirk Schulte, Institut für Wirtschaftsberatung (IfW).

 

Bei der Erörterung familiärer Nachfolgeregelungen konzentriert sich die Diskussion häufig auf die Frage, ob ein persönlich und fachlich geeigneter familiärer Nachfolger zur Verfügung steht und auch die Bereitschaft hat, das Familienunternehmen fortzuführen. Dass das natürlich eine elementare Voraussetzung für erfolgreiche Nachfolgeregelungen ist, versteht sich von selbst. Mangelnde persönliche Eignung und fehlende fachliche Qualifikation sind letztlich der Hauptgrund für gescheiterte Nachfolgelösungen. Allerdings sind Schwierigkeiten bei der Finanzierung nahezu gleichwertig, wenn man Analysen über gescheiterte Nachfolgeregelungen vertrauen kann.

Aus unserer Praxis ist bekannt, dass bei Nachfolgefragen häufig diese unterschiedlichen Spannungsfelder im Fokus stehen:

Unentgeltliche Nachfolgeregelung

Unternehmerfamilien haben häufig die Möglichkeit, Unternehmen unentgeltlich auf die nächste Generation zu übertragen. Das hat aber noch nicht zur zwangsläufigen Folge, dass durch den Nachfolgeprozess keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgelöst werden. Um nur einige Problemfelder anzusprechen:

  • Zum Zwecke der Trennung von Firmenvermögen und Privatvermögen: Rückforderung von Bürgschaften und ggf. anderen Sicherheiten, mit denen Privatvermögen belastet ist; Folge: eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten.
  • Ausschüttung thesaurierter Gewinne;
  • Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen;
  • Sicherung der Altersversorgung durch
    – Tätigkeitsvergütungen, denen keine nennenswerten Leistungen mehr gegenüberstehen,
    – Beiratsvergütungen,
    – zurückbehaltene Nutzungsrechte an bestimmten Vermögenswerten wie z. B. Immobilien,
    – Pensionsleistungen ohne Rückdeckungsversicherung.

Bedarf an derartigen finanziellen Mitteln besteht häufig nicht nur zur Sicherung der Altersversorgung, sondern auch für eine „gerechte“ Nachfolgeregelung. Häufig haben unternehmerische Nachfolger den Wunsch, allein die Nachfolgeregelung anzutreten. Viele Nachfolger möchten auch keine nicht im Unternehmen tätigen Miterben haben, damit sich hinsichtlich der Geschäftspolitik keine Interessenskonflikte ergeben und „Kommanditistengezänk“ vermieden wird.

Eine sinnvolle Alternative kann dann die entgeltliche Übertragung des Unternehmens sein.