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Creditreform

Vor allem Mittelständler scheuen den vermeintlichen Aufwand und die angeblichen Kosten der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und forcieren ihr Pflichtangebot nicht besonders. Davon profitieren externe Dienstleister. Was einen guten Anbieter auszeichnet. 

Der Trend ist eindeutig: Je größer die Firma, desto mehr Mitarbeiter investieren über die Entgeltumwandlung in ihre eigene Firmenrente. In Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten betrug die bAV-Durchdringung zum Jahresende 2012 erfreulich hohe 84 Prozent. Dies fand die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung in einer Umfrage heraus. Weit abgeschlagen in dieser Statistik mit einer bAV-Quote von 50 Prozent und weniger: der Mittelstand. In Kleinstfirmen mit höchstens neun Beschäftigten nutzt noch nicht einmal jeder dritte Arbeitnehmer die bAV. Für David Janssen von der KWAG Steuerberatungsgesellschaft mbH, Bremen, sind diese Zahlen „zwar ernüchternd, aber wenig erstaunlich. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen forcieren die bAV ihrer Mitarbeiter nicht besonders, weil sie den hohen Aufwand und die Kosten scheuen“.

Zwar sind Unternehmen seit gut zwölf Jahren dazu verpflichtet, zumindest die als einfach geltende Direktversicherung als einen von fünf bAV-Durchführungswegen anzubieten. Doch an die große Glocke hängen müssen die Firmen das nicht, „was vorzugsweise Mittelständler dann oft auch nicht tun“, befürchtet Steuerberater Janssen. Das eher passive Informationsverhalten zur bAV vieler Firmenchefs wurde kürzlich höchstrichterlich abgesegnet: Erst im Januar 2014 entschied das Bundesarbeitsgericht, dass ein Unternehmer nicht dazu verpflichtet werden könne, einen Mitarbeiter über die Möglichkeiten einer bAV im eigenen Betrieb zu informieren (Az.: 3 AZR 807/11). Die Folge: Vor allem Beschäftigte im Mittelstand müssen sich selbst um ihre Altersversorgung kümmern.

Outsourcing voll im Trend

Aus der Passivität und bisweilen auch Verunsicherung vieler Mittelständler lässt sich augenscheinlich Kapital schlagen. Die Suchmaschine Google zeigt allein beim Stichwort „bAV-Dienstleistungen“ mehr als 600 Treffer. Vor allem das komplexe arbeits- und steuerrechtliche Umfeld sowie der zunehmende Verwaltungsaufwand lässt die Zahl der externen Berater stetig ansteigen. So betrauen aktuell rund 83 Prozent der Firmen bereits einen Dienstleister mit dieser Arbeit. Und 17 Prozent der Unternehmen planen, in naher Zukunft Aufgaben – erstmals oder zusätzlich – an Experten auszulagern. Zu diesen Ergebnissen kam die Studie „Administration der betrieblichen Altersversorgung 2013“, für die die Unternehmensberatung Towers Watson Unternehmen verschiedener Größen und Branchen interviewte. Dabei stellte sich auch heraus: Mehr als jeder zweite Betrieb (54 Prozent) erstellt seine Rentenabrechnungen noch selbst – meist im Zusammenhang mit der Lohnund Gehaltsabrechnung der Mitarbeiter. Doch auch hier vollzieht sich künftig eine Trendwende: Jeder achte Befragte plant, diesen Bereich ebenfalls outzusourcen.

Bei der Umsetzung von externen bAV-Konzepten dominieren nach wie vor die Versicherer mit ihren Produkten. Dabei legen Geschäftskunden insbesondere auf transparente Leistungen und verständliche sowie sichere Produkte wert, wie die Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2013“ der Generali Versicherungen belegt. Den bAV-Verantwortlichen ist zudem wichtig, dass die Produkte flexibel sind und viel Spielraum für die Beschäftigten in der Anspar- und in der Leistungsphase vorsehen.

Breite Streuung

Trotz aller Dominanz der Assekuranzen: „Die bAV-Dienstleister sind gut beraten, wenn ihr Geschäftsmodell nicht ausschließlich versicherungsorientiert ist“, sagt Andreas Buttler, Gesellschafter-Geschäftsführer der febs Consulting GmbH in Grasbrunn bei München. Hintergrund: Nicht zuletzt die betriebliche Altersversorgung ist bei inhabergeführten Mittelständlern oft Chefsache. Berater Buttler kennt zwei gängige Unternehmertypen: Der eine bevorzugt bequeme versicherungsgestützte Durchführungswege der bAV. Der andere setzt für sich und seine Mitarbeiter auf eine pauschaldotierte und nicht rückgedeckte Unterstützungskasse. Bei der zweiten Variante investieren die Beschäftigten, einfach ausgedrückt, ihre aus der Entgeltumwandlung stammenden Vorsorgebeträge in den eigenen Betrieb. Die Firma verspricht eine jährliche Verzinsung der Beiträge von zum Beispiel vier Prozent. Dem Unternehmen steht somit fremdkapitalähnliches Geld zu günstigen Konditionen zur Verfügung. Ein gutes Geschäft für den Mittelständler, falls er regelmäßig mehr als die avisierten vier Prozent Rendite erwirtschaftet. Sollte jedoch dauerhaft weniger Rendite rausspringen, zehrt das an der Substanz der Firma. Ein Risiko für die Mitarbeiter existiert praktisch nicht, da bei einer möglichen Insolvenz des Unternehmens der Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) die Rentenverpflichtungen übernimmt.

Ein solches bAV-Konzept ist zwar nicht gerade gängig, passt aber häufig bei gesunden und absehbar auch künftig florierenden Unternehmen sehr gut. Auch das muss ein qualifizierter bAV-Dienstleister können, selbst wenn der eigene Ertrag nicht ganz so üppig ist, weil keine Provisionen für die Vermittlung von Versicherungsverträgen fließen.

Auf diese Punkte sollten Unternehmen bei der Auswahl ihres bAV-Dienstleisters mindestens achten:

– Know-how: Der externe Berater sollte sich nicht nur bei den verschiedenen bAV-Varianten auskennen, sondern auch ausreichend Erfahrungen mit Unternehmen Ihrer Branche und Größenordnung gemacht haben – fragen Sie nach Referenzen.

– Datensicherheit: Es geht um Informationen über Ihre Mitarbeiter und um viel Geld – fragen Sie deshalb nach den Sicherungsmaßnahmen des Anbieters.

– Dienstleistungsspektrum: Hierbei kommt es darauf an, welche Aufgaben die Firma neben dem reinen Abschluss von bAV-Verträgen noch abgeben will – beispielsweise auch die Kommunikation mit den Mitarbeitern oder die Abrechnung.

– Engagement: Auf welchen Wegen können Sie beziehungsweise Ihre Mitarbeiter den Dienstleister erreichen und wie schnell und flexibel reagiert er in der Regel auf Anfragen? Am besten, Sie fragen Altkunden nach deren Erfahrungen.

– Innovationen: Erkundigen Sie sich, wie sich die Mitarbeiter des Dienstleisters fortbilden und welche Innovationen im Service für die nächsten Jahre angedacht sind – zwei Beispiele: die Einführung von mobilen/Onlineservices oder die Nutzung von Employee-Self-Services.