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Creditreform
Liane Buchholz © VÖB

Liane Buchholz © VÖB

Prof. Liane Buchholz, Bundesverband Öffentlicher Banken
Ich traue uns in diesem Jahr ein Wachstum von 1,6 Prozent zu. Zwar lässt einerseits die Dynamik in den Schwellenländern nach, doch: Die Reformen in Europa beginnen zu wirken. Stützend wirkt hierzulande der Inlandskonsum – begünstigt durch höhere Tarifabschlüsse, geringes Zinsniveau und Konsum der Kommunen im Zuge der Flüchtlingsunterbringung. Letztere stützt übrigens auch die Bauindustrie. Andererseits werden die öffentlichen Kassen insbesondere auf kommunaler Ebene belastet, was Investitionen hemmt. Die Integration in den Arbeitsmarkt wird die Sozialkassen dafür mittelfristig entlasten – sofern die Integration gelingt, was noch nicht absehbar ist. Die Wohnungsbauinvestitionen entlasten verzögert die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt, was die realen Mieten senken könnte. Mehr verfügbares Einkommen wäre die Folge, das entweder zusätzlich gespart und später ausgegeben oder direkt konsumiert wird.

 

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Jörg Zeuner © KfW Bildarchiv / Gaby Gerster

Jörg Zeuner © KfW Bildarchiv / Gaby Gerster

Jörg Zeuner, KfW Bankengruppe
Ich bin Optimist: 2 Prozent Wachstum sind dieses Jahr drin. Deutschland wächst etwas kräftiger als Euroland insgesamt. Der Grund für meine Zuversicht ist zum einen die fortgesetzt lebhafte Binnennachfrage: Die Beschäftigung wird weiter steigen, die Löhne ebenso. Gleichzeitig bleiben Inflationsrate und Zinsen im Jahresdurchschnitt niedrig. Der Konsum wird deshalb auch dieses Jahr die wichtigste Stütze des Wachstums sein. Auf der außenwirtschaftlichen Seite erwarte ich eine Stabilisierung des zuletzt enttäuschenden Wachstums in den Schwellenländern sowie eine weitere Erholung in Europa. Die deutschen Exporte dürften deshalb weiter anziehen und für eine bessere Auslastung der Industriekapazitäten sorgen. Die Unternehmensinvestitionen sollten sich in diesem Fahrwasser allmählich erholen. Dass der Außenhandel durch das Importplus rechnerisch kaum etwas zum Wachstum beisteuert, ist angesichts unseres Leistungsbilanzüberschusses eine gesunde Entwicklung. Die Risiken, die ich hingegen sehe, sind überwiegend international: politische Kontroversen in Europa, Geopolitik und nicht zuletzt Terror sowie ein unerwarteter erneuter Abschwung der Weltwirtschaft.

 

Michael Wolgast © Deutscher Sparkassen- und Giroverband

Michael Wolgast © Deutscher Sparkassen- und Giroverband

Michael Wolgast, Deutscher Sparkassen- und Giroverband
Während die Schwellenländer schwächeln, stabilisiert sich die Entwicklung im Euroraum weiter – und auch die USA expandieren. In Deutschland selbst bleiben die Binnennachfrage und vor allem der Konsum äußerst robust. Weder Krisen noch Terror konnten dem Konsumklima bislang viel anhaben. Hierbei stützen natürlich auch die geringen Teuerungsraten, der stabile Arbeitsmarkt und auch der Zuwachs an inländischen Konsumenten – nicht zuletzt durch die Flüchtlinge. Denn auch dieses Jahr dürften die Sach- und Sozialleistungen und damit die zusätzlichen Ausgaben des Staates im Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration weiter steigen, ein nicht zu unterschätzender Impuls für die Binnennachfrage. Die Verbraucher dürften daher auch 2016 die Haupttriebfeder unserer Wirtschaft sein: 1,5 Prozent Wachstum sind dieses Jahr möglich.