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Creditreform

Zur Erinnerung: Die E-Bilanz, von der aktuell rund 1,35 Millionen Unternehmen betroffen sind, ist ein Baustein der E-Government-Strategie der Bundesregierung und wurde im Rahmen des Steuerbürokratieabbaugesetzes mit dem § 5b EStG verpflichtend eingeführt. Neben dem Oberziel „Entbürokratisierung“ will der Bundesfinanzminister, dass Unternehmen ihre steuerlichen Pflichten zukünftig schneller und kostengünstiger sowie medienbruchfrei erfüllen können, um Übertragungsfehler zu vermeiden. Das Bundesfinanzministerium hebt zudem hervor, dass sich durch die standardisierte Übermittlung der notwendigen Informationen an das Finanzamt künftig auch Rückfragen oder Ergänzungswünsche der Finanzverwaltung verringern, wodurch sich Zeit einsparen lässt und der Steuerbescheid schneller zugestellt wird. Das Übermittlungsformat XBRL (eXtensible Business Reporting Language) hat zudem den Vorteil, dass es sich – nach einmaliger Umstellung – sowohl für die Einreichung bei der Steuerverwaltung als auch im Rahmen der allgemeinen Finanzberichterstattung an verbundene Unternehmen oder Kreditinstitute verwenden lässt.

Doch was auf den ersten Blick nach Entlastung klingt, erweist sich in der Praxis als zunehmendes Hindernis – darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer aktuellen bundesweiten IHK-Umfrage unter 800 Unternehmen hin. Darunter waren 350 kleine und 235 mittlere Betriebe. 70 Prozent der Befragten fürchten einen erhöhten Zeitaufwand durch die E-Bilanz, 68 Prozent sehen sich mit höheren Kosten konfrontiert. 38 Prozent erwarten einen deutlich höheren Personalaufwand. Gerade einmal fünf Prozent der befragten Unternehmen hoffen, dass sich durch die Einführung der E-Bilanz Zeit sparen lässt.

Denn sie ist weit mehr als eine reine technische Umstellung: Erstmals werden von der Finanzverwaltung detailliert vorgeschriebene und tief gegliederte Datenschemata – Taxonomien – für die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung vorgegeben. Diese, übrigens auf der Webseite www.esteuer.de abrufbar, enthalten ein Modul zur Übermittlung von Stammdaten (GCD-Modul) und ein Modul zur Übermittlung der eigentlichen Abschlussdaten (GAAP-Modul – Kerntaxonomie). Zudem gibt es Spezialtaxonomien für den Bankensektor und die Versicherungswirtschaft sowie Branchentaxonomien etwa für Krankenhäuser. Ein Blick auf die Mindestgliederungstiefe zeigt, dass der vorgeschriebene Mindestumfang der im Rahmen der E-Bilanz zu übermittelnden Positionen weit über den Umfang der vom HGB geforderten Positionen hinausgeht. Laut dem Steuerexperten Prof. Norbert Herzig sind für ein Einzelunternehmen rund 800 Positionen vorgesehen, für eine Personengesellschaft können es auch weit mehr als 1.000 werden. Immerhin kann die Finanzbehörde zur Vermeidung unbilliger Härten auf eine elektronische Übermittlung verzichten (§ 5b Abs. 2 EStG), die Firma kann dann weiterhin in Papierform einreichen – vorerst zumindest.

Folglich sehen die befragten Unternehmen die Gliederungstiefe der Taxonomien als grundlegende Schwierigkeit an. Problematisch empfinden sie auch die notwendige Anpassung des Kontenrahmens sowie die Kosten, die durch die Umstellung entstehen. 83 Prozent der befragten Unternehmen gaben im Rahmen der Umfrage an, dass ein hoher Umstellungsaufwand entstehen wird. Auch nach der Umstellung auf die E-Bilanz erwarten immerhin noch 41 Prozent der befragten Unternehmen einen dauerhaft hohen Bürokratieaufwand.

Insgesamt betrachtet, stellt die E-Bilanz eine echte Herausforderung für die befragten Unternehmen dar. Dementsprechend sehen 50 Prozent der befragten Unternehmen die Einführung der E-Bilanz auch als nachteilig an, 47 Prozent sind gegenüber der E-Bilanz neutral eingestellt und nur 3 Prozent halten die Einführung der E-Bilanz für vorteilhaft.

Diethard B. Simmert/Carmen Mausbach

Fahrplan für die E-Bilanz: In „Creditreform“ sind die neuen Regelungen schon seit Monaten ein Thema – die Ergebnisse unserer Recherchen finden Sie noch einmal zusammengefasst unter creditreform-magazin.de/heft