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Creditreform

Schätzungen zufolge werden bis 2018 rund 135.000 Familienunternehmen an einen neuen Eigentümer übergeben. Da sich heute immer seltener ein Nachfolger aus der Familie findet, stehen viele Firmeninhaber vor der Herausforderung, einen passenden Käufer für ihr Unternehmen zu finden. Worauf es dabei ankommt, möchte ich in dieser Kolumne darlegen.

Mit der Ermittlung eines realistischen Unternehmenswerts steht und fällt der Verkauf. Dabei spielen die Verpflichtungen des Unternehmens aus der betrieblichen Altersversorgung eine entscheidende Rolle. Der neue Firmeninhaber will schließlich genau wissen, welche aktuellen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen auf ihn zukommen. Nicht ausreichend ausfinanzierte Pensionszusagen können den Verkauf an einen neuen Inhaber dabei erschweren oder sogar vereiteln.

Für Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH oder Vorstände einer AG bildet eine unmittelbare Pensionszusage nach wie vor einen wesentlichen Baustein ihrer Altersversorgung. Und das aus gutem Grund. Art und Umfang der Leistungen und die Finanzierung lassen sich bei der Direktzusage sehr individuell gestalten. Für die Pensionsverpflichtung gegenüber seinem Geschäftsführer muss das Unternehmen Rückstellungen bilden. Diese vermindern den Gewinn und damit die aktuelle Steuerlast.

Viele Firmen haben allerdings die Pensionszusagen an ihre Geschäftsführer in der Vergangenheit nur unzureichend ausfinanziert. Deckungslücken sind aus den unterschiedlichsten Gründen entstanden. Zum einen hat die lange Phase niedriger Kapitalmarktzinsen die Renditen festverzinslicher Wertpapiere und damit die Renditen von Rückdeckungsversicherungen und anderen Mitteln der Ausfinanzierung gedrückt.

Der vom Gesetzgeber vorgegebene Rechnungszins zur Bildung von Pensionsrückstellungen spiegelt diese Situation nicht wider, er ist mit sechs Prozent für die Ermittlung der steuerbilanziellen und rund vier Prozent für die handelsrechtliche Pensionsrückstellung (Stand März 2015) deutlich zu hoch. Durch den hohen Rechnungszins wird die Pensionsverpflichtung zu niedrig abgebildet.

Bilanz verschleiert den „wahren Wert“

Hinzu kommt, dass mögliche Rentensteigerungen in der Steuerbilanz nicht berücksichtigt werden. Der „wahre Wert“ der durch den Kauf übernommenen Verpflichtung ist deshalb für den potentiellen Käufer des Unternehmens allein durch einen Blick in die Bilanz nicht erkennbar. Außerdem ergeben sich häufig, je nach Art der Ausfinanzierung, zusätzliche Deckungslücken. Hier liegt die Ursache in der überdurchschnittlichen Lebenserwartung und der damit einhergehenden längeren Rentenbezugsdauer. Änderungen in der Rechtsprechung, der Gesetzgebung oder in den Vorgaben der Finanzverwaltung kommen erschwerend hinzu, so dass die Vertragstexte der Zusagen regelmäßig überholt werden müssen.

Beim Thema Pensionsverpflichtungen führen einfache Lösungen nicht immer zum Ziel. So reicht ein Wechsel des Durchführungsweges allein häufig nicht aus, um den Weg frei zu machen für eine reibungslose Unternehmensübergabe. Denn im Ergebnis verändert sich der tatsächliche Wert einer einmal zugesagten Leistung durch eine Änderung des Durchführungsweges nicht. Die Pensionszusage muss vom Unternehmen eingehalten werden, auch unter dem neuen Eigentümer.

Verschiedene Lösungsansätze sind hier möglich: Neben einer Auslagerung oder einer Ausfinanzierung der Pensionsverpflichtung lassen sich beispielsweise durch einen Verzicht auf den noch nicht erdienten Teil der Pensionszusage in Verbindung mit einer Umstellung der Zusage für den bis zum Rentenalter noch zu erdienenden Teil positive bilanzielle Effekte erzielen und Risiken aus der Pensionszusage eingrenzen.

Dadurch entsteht auch die Möglichkeit, die zugesagte Verpflichtung an die Entwicklung des Ausfinanzierungsmittels zu koppeln. Lösungswege gibt es also viele. Doch bevor sich ein Firmeninhaber hier auf eine Richtung festlegt, sollte er genau prüfen, ob die Pensionszusage in seinem Unternehmen den rechtlichen und wirtschaftlichen Anforderungen genügt und ob sie seinem persönlichen Bedarf entspricht. Sind diese Fragen erst einmal geklärt, bestehen gute Aussichten auf eine erfolgreiche Übertragung des Unternehmens mitsamt seinen Verbindlichkeiten aus den Pensionszusagen an den Nachfolger.

Richard Herrmann ist Vorstandsvorsitzender der Heubeck AG mit Sitz in Köln.