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Creditreform

Die Finanz- und Bankenkrise hat auch bei Betriebsverantwortlichen zu einem Umdenken geführt: Wurde bisher oftmals und nahezu ausschließlich die Hausbank als Kreditgeber für betriebliche Investitionen in Anspruch genommen, scheint sich nun das diesbezügliche Spektrum deutlich zu verändern.

Mit öffentlichen Förderprogrammen und ihren – je nach Kreditwürdigkeit des jeweiligen Betriebsinhabers – durchaus günstigen Kreditkosten (ab etwa 1 bis 2 Prozent pro Jahr) lassen sich Investitionsmaßnahmen für nahezu jeden Verwendungszweck finanziell absichern und begleiten. Dazu können, bei entsprechender Beratungsqualität, die jeweiligen Hausbanken, die regelmäßig in die Beantragung dieser Kreditmittel („Hausbankprinzip“) einzubinden sind, durchaus in Form einer angemessenen Beteiligung ihren Anteil leisten.

Doch was für Angebote sollten Sie prüfen? Als einer der größten Kreditgeber öffentlicher Mittel gilt die erwähnte KfW-Mittelstandsbank, die durch ihre Produktvielfalt in der Lage ist, fast jede wirtschaftlich vertretbare Investitionsmaßnahme von Mittelbetrieben in unterschiedlicher finanzieller Größenordnung zu begleiten. Dabei geht es ebenso um Betriebsgründungen wie um Betriebsfestigungen oder um Betriebserweiterungen. So stellt beispielsweise das ERP-Gründerkredit-Startgeld Mittel bis zu 100.000 Euro für entsprechende Investitionen mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren (bei bis zu zwei tilgungsfreien Anlaufjahren) und festen Zinssätzen zur Verfügung. Die Förderung umfasst neben Betriebsgründern und Betriebsnachfolgern auch junge Unternehmen bis zu drei Jahre nach Aufnahme ihrer Tätigkeit.

Betriebe in strukturschwachen Regionen können darüber hinaus Mittel aus dem ERP-Regionalförderprogramm zur mittel- und langfristigen Investitionsfinanzierung in Anspruch nehmen. Laufzeiten bis zu 20 Jahre mit bis zu fünf tilgungsfreien Anlaufjahren zeichnen diese Programmvariante aus. Hier sind ebenfalls Gründungen und Festigungen möglich.

Das ERP-Innovationsprogramm wiederum wird vor allem Unternehmern gerecht, die über neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen nachdenken und beispielsweise Finanzierungsmöglichkeiten für die damit verbundenen Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen suchen. Attraktive Zinssätze ( auch hier: abhängig von der Bonität), tilgungsfreie Jahre und ein erleichterter Kapitalzugang bei mangelnden Besicherungsmöglichkeiten zeigen auch hier eine dem Unternehmer als Kreditnehmer zu Gute kommende Programmflexibilität. Selbstverständlich bieten auch weitere Förderbanken, die sich vor allem auf die Stabilisierung der regionalen Kreditmärkte spezialisiert haben, interessante Kreditprodukte an. Betriebsverantwortliche sollten ihre Ansprechpartner bei den Bankinstituten hierzu ebenso um eine sorgfältige Beratung bitten wie bei den beschriebenen Finanzierungsprogrammen der KfW-Mittelstandsbank. So stellt als eines von vielen Beispielen die NRW-Bank in Nordrhein-Westfalen ebenfalls Finanzmittel wie den so genannten Innovationskredit oder den Mittelstandskredit zur Verfügung.

Michael Vetter

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· Zunächst sollten sich Betriebsverantwortliche einen ersten Überblick über einzelne Förderprogramme verschaffen, die sich für ihre Investitionszwecke eignen

· Danach sollte sich ein Gespräch mit dem bei der jeweiligen Hausbank tätigen Spezialisten für öffentliche Förderprogramme mit der Bitte anschließen, den Unternehmer bei der Auswahl der geeigneten Programme und bei der weiteren Beratung zu unterstützen

· Eine folgende Abstimmung gemeinsam mit Steuerberater und Bankmitarbeiter legt fest, wie der gesamte Finanzierungsplan einschließlich der öffentlichen Gelder konkret aussehen soll und welche Unterlagen und gegebenenfalls Kreditsicherheiten bezüglich der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage (Stichwort: „Bonitätsbeurteilung“) beigebracht werden müssen

· Grundsätzlich sollte darüber hinaus der Hausbank Gelegenheit gegeben werden, auch eventuelle eigene Finanzierungsalternativen mit entsprechend vergleichbaren Kreditbedingungen vorzustellen

· Sämtliche Überlegungen sollten vom Unternehmer im Rahmen eines Zeitplanes konkretisiert werden. Dabei sollten unter anderem die erforderlichen Bearbeitungszeiträume der beteiligten Kreditinstitute berücksichtigt werden