Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

© fotolia

An der Börse spielen Gefühle eine große Rolle. Irrationales Verhalten führt häufig zu falschen Entscheidungen. Wie Anleger typische Fehler vermeiden.

 

Börse ist zu 90 Prozent Psychologie. Emotionen bewegen Anleger und treiben Kurse. Das führt zu Übertreibungen nach oben und unten.

„Experten ebenso wie Kleinanleger lassen sich von ihren Wünschen und Erwartungen beeinflussen, insbesondere wenn Zeitdruck besteht oder sie komplexe Informationen verarbeiten müssen“, sagt Joachim Goldberg, Experte für Behavioral Finance.

Häufig lassen sich Investoren von Stimmungen leiten, setzen auf Vertrautes oder überschätzen sich. Wer sich seiner Verhaltensmuster bewusst ist, kann erfolgreicher investieren.

 

Die größten Fehler an der Börse und wie sie sich vermeiden lassen:

1. Gar nicht investieren: Der größte Fehler ist, das Geld auf dem Sparkonto liegen zu lassen. Bei null Prozent Zinsen und knapp 1,6 Prozent Inflation verlieren Anleger damit real Geld. Vom Geldvermögen in Höhe von sechs Billionen Euro stecken 2,4 Billionen Euro in Bankeinlagen oder in Bargeld. Zwar ist die Zahl der Deutschen, die Aktien oder Aktienfonds kaufen, von 8,8 Millionen im Jahr 2008 auf 10,3 Millionen im Jahr 2018 gestiegen, doch damit investiert nur jeder sechste Deutsche über 14 Jahren überhaupt in Aktien.

2. Sich überschätzen: Viele Anleger glauben, Entwicklungen an den Börsen vorhersagen zu können. Das führt oft zu hektischen Käufen und Verkäufen. „Hin und her macht Taschen leer“, lautet eine alte Börsenweisheit. Dabei ist es selbst für Börsenprofis unmöglich, zu Tiefstkursen einzusteigen und im Hoch zu verkaufen.

3. Trends überbewerten: Die Finanzindustrie einschließlich die Medien promoten immer wieder Trendthemen. Das verleitet Anleger dazu, neue Produkte zu kaufen. Wer langfristig investiert, sollte sich von fundamentalen Fakten leiten lassen.

4. Heimatmarkt bevorzugen: Menschen setzen auf Vertrautes. So konzentrieren sich viele Anleger auf den Dax 30 – ein weiterer Fehler. Denn viele Unternehmen aus dem Dax hängen aber stark vom Export ab. Zudem finden sich im wichtigsten deutschen Aktienindex kaum Technologiewerte. Zu einer guten Portfoliomischung zählen auch andere Regionen wie die USA oder Schwellenländer.

5. Politik überbewerten: „Die meisten politischen Krisen werden in ihrer Wirkung auf die Aktienmärkte überschätzt, weil die Investoren den langfristigen Negativeffekt auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu hoch einschätzen und die Fähigkeit der Unternehmen unterschätzen, sich anzupassen und durch Restrukturierungen teilweise zu kompensieren“, sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Die Entwicklung der Unternehmensgewinne und der Konjunktur ist für die Börsen viel wichtiger.

6. Verluste aussitzen: Anleger bewerten Gewinne und Verluste unterschiedlich. „Wir wissen, dass Anleger Verluste im Durchschnitt etwa zweieinhalbmal so stark bewerten wie Gewinne in gleicher Höhe“, sagt Experte Goldberg. Während sie Gewinne zu früh realisieren, lassen sie Verluste laufen. Sie halten zu lange an Ladenhütern im Depot fest. Besser ist es, sich Verluste früh einzugestehen, die Reißleine zu ziehen und Gewinne laufen zu lassen.