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Frau Poletto, in diesem Jahr wurden Sie zur „Botschafterin des Hundes 2013“ gewählt. Wie kam es dazu?

Ich bin mit Hunden aufgewachsen und habe heute zwei Hunde: Dackelmix Franz und Jack Russel-Hündin Rosi. Als man mich fragte, ob ich Hunde-Botschafterin werden möchte, habe ich sofort zugesagt, weil ich Hunde liebe und mich deshalb gerne für sie einsetze.

Wer beschäftigt sich eigentlich mit Ihren Hunden, wenn Sie keine Zeit dazu finden?

Bevor ich ins Restaurant gehe und abends vorm Zubettgehen mache ich mit meinen Hunden ausgiebige Spaziergänge. Tagsüber kümmern sich meine Tochter und das Kindermädchen um die beiden Racker. Meine Tochter liebt die Hunde abgöttisch, beschäftigt sich viel mit ihnen und lernt dabei gleichzeitig, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Auch deshalb habe ich mich für ein Familienleben mit Tieren entschieden.

Hinzu kommen noch zwei Ponys und ein Pferd. Auch die wollen bewegt werden …

Natürlich ist es nicht einfach, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber wenn man sich gut organisiert, bekommt man es wunderbar hin. Häufig bewege ich die Pferde morgens vor der Arbeit oder meine Tochter reitet nachmittags. Am Wochenende genießen wir gemeinsame Ausritte in der Natur, in denen wir zu zweit einfach eine gute Zeit verbringen.

Auch ehrenamtliches Engagement kommt bei Ihnen nicht zu kurz. Sie haben Schulkantinen getestet. Was kam dabei heraus?

Ich war positiv überrascht, wie vielfältig und frisch das Kantinenessen ist – insbesondere in den Küchen, die von Eltern betrieben werden. Natürlich ist es schwierig, wenn nur ein kleines Budget für die Verpflegung der Schüler zur Verfügung steht, aber wenn man sich auf regionale und saisonale Produkte beschränkt, ist es durchaus möglich, für 2 Euro pro Kind ausgewogen und frisch zu kochen.

Konnten Sie mit Ihren Erkenntnissen einige Mitmenschen wachrütteln und zu Veränderungen bewegen?

In Gesprächen habe ich vor allem mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass Kindern gesundes Essen nicht schmecken würde, sie es sogar ablehnen würden. Ich habe da ganz andere Erfahrungen gemacht. Was zählt, ist die Mischung. Ist die Ernährung ausgewogen, sind auch Schokoriegel und Co. erlaubt.

Warum haben Sie mit Ihrem Vater, einem renommierten Gynäkologen, ein Buch zum Thema „Die Baby-Formel: Der gesunde Weg für Schwangerschaft und Geburt“ herausgebracht?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass bei werdenden Müttern viele Fragen auftauchen. Wie ernähre ich mich am besten? Was tut meinem Kind gut, womit schade ich ihm womöglich? Als ich schwanger war, habe ich mich intensiv mit all diesen Themen beschäftigt. So entstand die Idee einer Art Ratgeberbuch für Schwangere. Da ist es natürlich toll, wenn man einen Mediziner in der Familie hat. Die gemeinsame Arbeit an dem Buch hat uns beiden wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Sie sind Köchin, Unternehmerin, Mutter, Autorin. Wahrscheinlich ließe sich die Liste noch weiterführen. Kann man Sie als Workaholic bezeichnen?

Wahrscheinlich falle ich tatsächlich in diese Kategorie. Mein Job macht mir einfach sehr viel Spaß. Trotzdem liegen meine Prioritäten ganz klar bei meiner Tochter. Wenn sie mich braucht, lasse ich alles stehen und liegen.

Für Ihren mindestens 14 Stunden dauernden Arbeitstag benötigen Sie sicherlich eine gute Kondition. Bedarf es da eines Fitnessplans?

Ich halte mich nicht strikt an Fitnesspläne, aber wann immer ich Zeit finde, treibe ich Sport. Das brauche ich als Ausgleich zu meinem Job. Ich jogge zum Beispiel gerne mit meinen Hunden um die Hamburger Außenalster oder gehe mit meiner Tochter vor den Toren der Stadt reiten.

Es gibt 232 Sterneköche in Deutschland. Acht davon sind Frauen. Sie waren eine von ihnen. Ist es für Frauen schwieriger als für Männer, sich in den Sternehimmel zu kochen?

Wenn man in einer solchen Männerdomäne arbeitet, lernt man, sich durchzusetzen. Frauen mit etwas dickerem Fell haben es bei dem harten Ton, der hin und wieder in der Küche herrscht, natürlich etwas leichter als zart besaitete. Ich habe es immer mit Humor genommen und bin damit sehr gut gefahren. Vielen Frauen kommen in der Sterneküche schlichtweg die langen Arbeitszeiten in die Quere. Man steht häufig bis spät in der Nacht am Herd – das passt natürlich nicht so gut mit Familienplanung zusammen.

Wie hoch war der Druck, diesen Ritterschlag zu bekommen und zu halten?

Druck hatte ich keinen. Ich habe mir den Stern damals aber sehr gewünscht und hart darauf hingearbeitet. Als ich den Stern 2010 bekam, war ich wahnsinnig glücklich und stolz.

Woher kommt eigentlich Ihre Kochleidenschaft und warum sind Sie Köchin geworden?

Als Kind habe ich gerne für Familie und Freunde gebacken. Von dieser Leidenschaft für Kuchen und Kekse bin ich dann irgendwann zum Kochen gekommen. Ursprünglich wollte ich Tierärztin werden, aber dafür hat mein Notendurchschnitt nicht ausgereicht. Zum Glück muss ich heute sagen, denn ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen als den der Köchin.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Beim Kochen verwende ich nur beste Produkte, die nicht viel Show und Chichi brauchen, um fantastisch zu schmecken. Die Zutaten stehen im Mittelpunkt.

Wie schaffen Sie es, immer wieder neue Rezepte zu kreieren?

Eigentlich denke ich ständig über neue Rezepte nach, kreiere sie erst einmal im Kopf und kann es dann kaum erwarten, sie auszuprobieren. Die besten Zutaten für kreative Rezepte sind Liebe und Leidenschaft fürs Kochen.

In Hamburg-Eppendorf betreiben Sie ein Feinkostgeschäft mit angeschlossenem Restaurant. Heißt das, es gibt andere Öffnungszeiten als in einem „normalen“ Restaurant?

Wir machen etwas früher auf als andere Restaurants. Ab 11 Uhr kann man bei uns italienische Feinkost einkaufen, und dann geht der Mittagstrubel auch schon los. Abends haben wir bis 23 Uhr geöffnet, es kann aber schon mal später werden.

Bei Ihren Kochsendungen im Fernsehen nimmt man neben Präzision und Disziplin bei Ihnen viel Optimismus, Humor und Leichtigkeit wahr. Ist das auch im „normalen“ Leben so?

Absolut! Ich nehme fast alles mit Humor, lache viel und gerne – am liebsten über mich selbst. So geht mir vieles im Leben leichter von der Hand.

Übrigens: Gibt es ein Gericht, für das Sie sprichwörtlich alles liegen und stehen lassen?

Mein absolutes Lieblingsgericht sind Spaghetti Vongole.

Die Fragen stellte Marie-José Kann-Hüting

Cornelia Poletto präsentiert in „Meine Lieblingsrezepte“, erschienen im Zabert Sandmann Verlag, rund 100 köstliche Gerichte – von Vorspeisen über Salate, Pasta, Fisch, Fleisch bis hin zum Dessert. Aus der erfolgreichen Fernsehserie „Polettos Kochschule“, die seit 2007 im NDR läuft, hat sie jetzt ihre Lieblingsrezepte in diesem Kochbuch zusammengestellt.