Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Herr Böse, seit März 2008 sind Sie Chef der Koelnmesse. Wie fühlt sich ein gebürtiger Bayer im Rheinland?

Geboren bin ich zwar in München, aber in Mettmann habe ich meine gesamte Schulzeit verbracht, mein Abitur gemacht und auch sportlich viele tolle Erlebnisse gehabt. Danach Wehrdienst in Berchtesgaden, Studium in München, und dort war auch meine erste Berufsstation. Ich liebe den rheinischen Humor und die Lebensfreude, aber genauso auch die bayrische Beständigkeit und Gemütlichkeit!

Sie kennen die Messebranche sehr gut. Was fasziniert Sie an diesem Geschäft?

Vor allem die Vielfältigkeit. Ich komme mit sehr vielen Menschen zusammen, ich erlebe die verschiedensten Kulturen und bewege mich in den unterschiedlichsten Branchen. Das Messegeschäft begeistert nicht nur Berufseinsteiger, das fasziniert auch mich jeden Tag aufs Neue, seit nunmehr 24 Jahren.

Sie haben gesagt, „auf eine Messe zu gehen“, hieße ebenfalls „sich messen“. Lässt sich auch der Messechef messen?

Das Einzige, an dem ich mich am Ende des Tages gerne messen lasse – das ist die Zufriedenheit unserer Aussteller und Besucher. Wenn wir das erreichen, dann ist auch die Koelnmesse erfolgreich. Ich bin hier mit dem Anspruch angetreten, das Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur zu bringen und mittelfristig schwarze Zahlen zu schreiben – das ist zu unserer gemeinsamen Vision geworden. Mit einem Plan und harter Arbeit in den vergangenen Jahren stehen wir nun kurz davor, dieses Ziel ab 2013 zu erreichen – aus eigener Kraft, ohne finanzielle Unterstützung oder Subventionen von außen.

Gibt es Momente in Ihrer beruflichen Laufbahn, an die Sie sich besonders erinnern?

Allerdings! 1996 haben wir eine der ersten Fachmessen in China überhaupt organisiert, für die Bekleidungsindustrie. Sie müssen bedenken, dass Shanghai damals noch lange nicht die Infrastruktur hatte, die Sie heute dort vorfinden. Also fand die Veranstaltung in einer als Messehalle umfunktionierten Hotel-Tiefgarage statt – was für ein Abenteuer!

Die Liste Ihrer „Ämter“ ist lang, dazu noch zahlreiche In- und Auslandsreisen. Hat Ihr Tag mehr als 24 Stunden?

Ja, manchmal stelle ich mir die Frage sogar selber. Aber meist komme ich mit 24 Stunden ganz gut aus. (lacht) Natürlich gibt es immer Phasen im Jahr, da wird das Stundenkontingent eines Tages schon fast ausgereizt. Aber so ist er eben, der Beruf, den ich liebe. Es ist meine Aufgabe, die Koelnmesse deutlich nach vorne zu bringen, da braucht man keine Stechuhr, „nur“ ein perfektes Sekretariat und hervorragende Messe-Experten. Aber es gibt ja auch ruhigere Zeiten im Messekalender, in denen ich dann ganz bewusst einen Gang runterschalte. Ist es möglich, bei all diesen Aufgaben noch den Augenblick zu genießen?

Ja, ich bin ein Genussmensch. Auch wenn es der Terminplan viel zu selten zulässt: Es ist mir sehr wichtig, mir kleine Auszeiten zu nehmen und innezuhalten. Abends mit dem Rad eine Runde durch den Kölner Stadtwald fahren oder samstags in der Sonne sitzen, den Sportteil lesen und dabei einen feinen Espresso trinken.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit, Kameradschaft und – zwar kein ‚Wert‘, aber dennoch wertvoll und ganz wichtig – Humor!

Wie lautet Ihre Lebensmaxime?

Zweifle nicht, jeder Berg lässt sich bewegen.

Auf welche „soziale Errungenschaft“ könnten Sie verzichten?

Auf gar keine. Unsere Großeltern, Eltern – und auch wir – haben viel und hart dafür gearbeitet, dass wir hier und heute einen außergewöhnlich hohen Lebensstandard und ein engmaschiges soziales Netz haben – eine Insel der Glückseligkeit im Vergleich zu vielen anderen Ländern der Erde. Aber dieses Netz darf man nicht überstrapazieren; eine ordentliche Portion Eigenverantwortung muss jeder von uns tragen, ohne das geht es nicht.

Der Präsident der Deutschen Möbelindustrie verglich Sie in einer launigen Geburtstagsrede mit James Bond. Wie in „Die Welt ist nicht genug“ gelte für Sie, dass alles immer noch besser sein könne – im Sinne der Koelnmesse. Wie ist das zu verstehen?

Ja, sehr amüsant, der Vergleich mit James Bond. Ich habe Elmar Duffner so verstanden, dass er in mir jemanden sieht, der – nach Voltaire – in dem Besseren, den Feind des Guten sieht. Und damit hätte er auch absolut recht: Ich gebe mich nicht damit zufrieden, wenn etwas gut ist, wenn ich eine Chance sehe, es besser zu machen – und ich bin da sehr hartnäckig. Nur so entsteht Fortschritt, nur so erarbeitet man sich Wettbewerbsvorteile, und nur so hat man langfristig Erfolg.

Für Ihren Geburtstag haben Sie um Spenden für die „Stiftung Stadtgedächtnis“ und die „Kölner Klinikclowns“ gebeten. Was verbindet Sie mit diesen Institutionen?

Beide Einrichtungen liegen mir wirklich sehr am Herzen, denn hinter beiden stehen tragische Momente und persönliche Schicksale. Mir selbst geht es wirklich gut, und ich bin gesund. Ich empfinde es daher als moralische Verpflichtung, etwas von meinem Glück weiterzugeben.

Der Messeplatz Köln hat ein breit gefächertes Portfolio. Auch Kunstmessen gehören dazu. Haben Sie persönlich einen Bezug zur Kunst?

Ja, einen sehr engen sogar. Mein Onkel, Prof. Oskar Kreibich, war Maler und Bildhauer. So kam ich schon früh mit der Kunst in Berührung. Und auch mein Vater hat in seiner Zeit als Direktor vom Haus des deutschen Ostens in Düsseldorf viele Kunstausstellungen organisiert – klar, dass ich mir diese dann auch angesehen habe. Ich selber sammle ein wenig, dafür sind die Kölner Kunstmessen bekanntermaßen bestens geeignet.

Sie sind begeisterter Hockeyspieler. Ist das eine Art Ausgleichssport für Sie?

Sagen wir’s mal so: Früher war ich begeisterter Hockeyspieler, heute begeistert mich ein Hockeyspiel. Aber mit den früheren Mannschaftskameraden ab und zu mal ’ne Kugel auf dem Kunstrasen schieben, das macht immer noch richtig Spaß.

Nahezu sprichwörtlich ist der „Kölsche Klüngel“. Gehören Sie auch als „Zugereister“ zu diesem Kölner Netzwerk?

Mag sein, dass es so ein „Netzwerk“ gibt, aber so etwas gibt es wohl nicht nur hier. In Köln hat es allenfalls einen hübschen Namen bekommen. Ich befürworte diesen „Klüngel“ so lange, wie er ausschließlich dem Allgemeinwohl dient – und nicht dem Vorteil oder finanziellen Interessen Einzelner oder Gruppen! Davon einmal abgesehen: Persönliche Kontakte – nicht nur hier in Köln, sondern weltweit und auf allen gesellschaftlichen Ebenen – sind in der heutigen Zeit sehr wichtig und eine gute Vernetzung ebenso.

Die Fragen stellte Marie-José Kann-Hüting

Gerald Böse begann seine Messekarriere nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der FH München 1989 bei der Messe München. Dort war er als Trainee, dann als Referent und Projektleiter tätig. Der Messebranche blieb Böse auch von 1992 bis 2005 verbunden, und zwar in seiner Zeit bei dem privaten Messeveranstalter IGEDO COMPANY in Düsseldorf, wo er als Assistent der Geschäftsführung anfing und schließlich als Geschäftsführer über zehn Jahre tätig war. Anschließend folgte die Aufgabe als Sprecher der Geschäftsführung der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH sowie die Geschäftsführung der Neuen Messe Karlsruhe. Seit 2008 steht Böse als Vorsitzender der Geschäftsführung an der Spitze der Koelnmesse.