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Creditreform

Frau Schultz, Sie sind Bergbahnchefin. Nicht gerade ein „Klein-Mädchen-Traum“, oder?

Für mich schon. Mir war bereits als Kind klar, dass ich im Tourismus arbeiten werde. Jedes Jahr habe ich der Ankunft der Gäste entgegengefiebert. Schon als Achtjährige bin ich in der Pension meiner Mutter von Tisch zu Tisch gegangen und habe die Gäste unterhalten. Auch später, als mein Vater das Bergbahnunternehmen aufgebaut hat, habe ich dort mitgearbeitet, um mein Taschengeld aufzubessern – mal als Spülhilfe, mal an der Kasse. Ich war auch nicht von dem Entschluss abzubringen, ins Internat zu gehen, um die damals beste Tourismusschule Österreichs besuchen zu können.

Bereits Ihr Vater war sehr erfolgreich und über die Grenzen des Zillertals bekannt. Nach seinem Tod 2004 haben Sie mit Ihrem Bruder das Unternehmen übernommen. Wie groß sind die Fußstapfen, die er hinterlassen hat?

Sehr groß. Im Grunde muss ich aber sagen, dass es für mich als Mädchen noch einfacher war als für meinen Bruder.

Inwiefern?

Wir haben ja noch ein paar Jahre mit unserem Vater zusammen das Unternehmen geführt. Sehr oft war die Arbeit mit ihm harmonisch, aber mein Bruder und ich wollten natürlich auch Veränderungen – schließlich waren wir viel jünger. Er war ein Patriarch, das darf man nicht vergessen, und wir sind beide sehr temperamentvoll, da gab es schon oft Reibereien. Vor allem zwischen Vater und Sohn.“

Trotz dieser Reibereien, was haben Sie von Ihrem Vater gelernt?

Visionen zu haben und diese umzusetzen, egal was die anderen sagen.

Und hat es geklappt?

Ja. Wir haben vor zehn Jahren als Erste Premiumhütten in Skigebieten eröffnet, die den Gästen Übernachtungs- und Essensmöglichkeiten auf Sterneniveau bieten. Alle haben uns davon abgeraten. Doch wir haben daran geglaubt. Wir treffen Entscheidungen innerhalb der Familie, egal was die Außenwelt sagt. Der Erfolg gibt uns recht und mittlerweile sind einige diesem Trend gefolgt.

Entscheidungen entgegen der allgemeinen Meinung zu treffen, kann in kleinen Tourismusregionen doch auch schnell für Verärgerung sorgen, oder?

Nicht, wenn man die Menschen vorher informiert und viel Überzeugungsarbeit leistet. Sie können den Menschen nicht ein Logo vorsetzen und sagen, das steht jetzt für euer neues Skigebiet. Sie müssen es ihnen erklären und sie in Prozesse einbinden. Dann spürt man, wie die Menschen mitziehen und hinter einem stehen, weil es ihnen auch wichtig ist.

Und was ist Ihnen wichtig?

Wichtigkeiten und Ziele ändern sich im Leben. Mein Ziel war es immer, im elterlichen Unternehmen mitzuarbeiten oder es später mal zu übernehmen und darin erfolgreich zu sein. Das habe ich erreicht. Ein anderes Ziel war, nicht nur einen Sohn zu haben, sondern mehrere Kinder. Aber manchmal gehen Wünsche eben nicht auf. Im Moment ist mir neben meinem Unternehmen auch die Arbeit in Gremien wichtig. Und das hätte ich mir früher nie träumen lassen.

Warum?

Ich war alleinerziehende Mutter, immer berufstätig und sogar Unternehmerin. Da hatte ich keine Zeit, mir über Funktionärstätigkeiten Gedanken zu machen. Später bin ich in die Unternehmerinnenvertretung unseres Bezirks eingetreten, um meine Erfahrungen als alleinerziehende Berufstätige weiterzugeben. Mittlerweile bin ich sogar Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer in Österreich.

Und wo bleibt da Zeit für Sie selbst?

Die nehme ich mir zwischendurch, auch um Kraft zu tanken. Im Sommer gehe ich wandern. Im Vorwinter und dann später im März versuche ich, ab und zu skizufahren. Wenn in der Hochsaison im Winter die Zeit dafür nicht reicht, gehe ich mit dem Hund abends mit der Stirnlampe durch den Wald. Nach so viel Sauerstoff schlafe ich anschließend richtig gut.

Klingt nicht nach viel Ruhe.

Natürlich arbeiten wir im Winter sieben Tage die Woche. Im Sommer stehen die Planungen für den Winter und neue Bauten an. Zudem bin ich viel auf Reisen, um unsere Skigebiete zu vermarkten. Aber es ist schön. Ich mache meinen Job mit Leidenschaft und Herzblut und dann geht einfach vieles leichter.

Und wenn es Zeiten gibt, in denen selbst der Traumjob schwerfällt?P Dann denke ich an meinen Lieblingsort im Großglockner-Skigebiet. Wenn ich da aus der Gondel aussteige und mit Skiern Richtung Kals abfahre, habe ich einen freien Blick auf den Großglockner und 60 Dreitausender liegen mir zu Füßen. Diesen Blick genießen zu dürfen, ist einfach ein Privileg. Das ist das Schönste.

Apropos privilegiert: Sie haben ein Unternehmen geerbt und sind damit überaus erfolgreich. Erfahren Sie viel Neid und Missgunst?

Neid gibt es schon. Wohl auch, weil wir in Österreich mit Erfolg anders umgehen als etwa in Amerika. Wenn jemand Erfolg hat, gönnt man ihm es nicht so sehr.

Wie begegnen Sie dem?

Ganz ehrlich: Das ist nicht mein Thema. Ich fokussiere mich auf meine Themen.

Sie treten für mehr Frauen in Führungspositionen ein. Noch immer eine Seltenheit. Stört Sie das?

Oh ja. Auf diesem Gebiet muss sich noch viel ändern. Im Moment muss man als Frau ja noch mit manchen typischen Männersprüchen zurechtkommen. Mir hat in Wien einmal einer gesagt, man würde sofort sehen, dass ich vom Land komme, weil ich flache Schuhe trage.

Und wie haben Sie reagiert?

Ich habe gesagt: Dafür kann ich schneller laufen als die anderen. Und hohe Schuhe brauche ich nicht. Ich kann selbst in Skischuhen den ganzen Abend durchtanzen.

Mit solchen Sprüchen muss sich Ihr Sohn nicht auseinandersetzen, wenn er das Unternehmen übernimmt?

Im Moment sieht es nicht so aus. Er studiert Pharmazie.

Stört Sie das?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin der Meinung, er soll den Weg gehen, der für ihn der richtige ist. Sonst passt es nicht. Das ist oft das Problem in Familienunternehmen, dass Kinder in Stapfen hineinmüssen, in die sie gar nicht gehören.