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Herr Reeh, wer hat eigentlich Ihre Neugier fürs Kochen geweckt?

Ich war ein neugieriges Kind und habe gerne in die Töpfe meiner Mutter und meiner Oma geguckt. Ich hielt mich am allerliebsten in der Küche auf. Da war immer was los. Schon mit sieben Jahren kannte ich viele Rezepte aus der heimischen Küche auswendig. Kochen konnte ich damals natürlich noch nicht. Aber ich wusste, was zusammen passt und was nicht schmeckt, wenn man es kombiniert.

Man braucht Sie nicht zu fragen, was Sie am allerliebsten tun. Kochen ist Ihre Leidenschaft. Aber Sie haben außerdem die besondere Fähigkeit, Menschen zu unterhalten. Ist das der Grund für Ihre Fernsehpräsenz?

Man muss Spaß am Kommunizieren haben, wenn man Einzug ins Fernsehen halten möchte. Ich liebe Menschen und unterhalte mich gerne mit ihnen. Es kommt mir zugute, dass ich ein fröhlicher Mensch bin, dem es leicht fällt, andere „einzufangen“, sie mit Begeisterung anzustecken. Ich selbst würde mich als leidenschaftlichen Koch mit einem Hang zum Entertainment bezeichnen. Gerne würze ich mit Humor. Denn das Leben ist kurz und oft nicht gerade leicht. Da muss ich nicht noch Trauerklöße kochen, oder?

Das Hessische Fernsehen hat mit Ihnen über 50 Folgen „Hessen à la carte“ gedreht. Damit geben Sie der Küche Ihrer Heimat eine Bühne. Wie wichtig ist Ihnen der regionale Bezug?

Die Hessische Küche ist für mich sehr, sehr wichtig, nicht nur, weil ich hier in Frankfurt wohne und wirke. Wir haben so tolle Produkte, es wäre eine Sünde, die links liegen zu lassen und Exoten den Vorzug zu geben. Ich bin gerade wieder in der Vorbereitung eines neuen Buches. Darin arbeite ich ausschließlich mit Produkten aus der Region. Übrigens: Für mich ist Regionalität mehr als ein Trend. Ein Stück Heimat auf dem Teller tut der Seele gut.

Mittlerweile „kochen“ Sie in der ganzen Welt. Selbst Putin ließ sich beim Wirtschaftsgipfel Ihre Kreationen schmecken. Wie kam es dazu?

Wie es manchmal der Zufall so will … Also das kam so: Der Funke ist beim Dinner Theater von André Sarrasani in Dresden übergesprungen. Die Menüs zur Show kommen aus meiner Feder, und ich unterstütze auch vor Ort. An einem Abend war ein Kontaktmann anwesend, der für die Regierung in Russland Veranstaltungen gestaltet. Nach vielen Gesprächen und einigen Trips nach Sankt Petersburg war klar, dass sie mich dort für den Wirtschaftsgipfel haben wollten. Ich sollte für das verantwortlich sein, was auf die Teller kommt. Mittlerweile habe ich vier Gipfel hinter mich gebracht und für den nächsten bin ich auch schon wieder gebucht.

Sie können nicht nur Menschen unterhalten, sondern sie auch zusammenbringen. Beispielsweise in Ihren Kochschulen in Frankfurt oder auf Mallorca. Was ist das Besondere daran?

Die Gäste kommen rein in die Küche und raus aus dem Alltag. Beim Kochen entwickeln sich ganz automatisch Gespräche. Und wenn ich merke, dass es irgendwo „klemmt“, dann spanne ich die Leute mit Aufgaben zusammen. Da müssen sie einfach miteinander reden. Sonst gelingt das, was sie herstellen sollen, nicht. Für viele Menschen ist es ganz neu, im Team Ergebnisse zu bringen. Das macht sie froh und stolz. Und plötzlich klappt’s auch mit dem Nachbarn … Mir machen die Kochkurse, auf Mallorca und bei mir in Frankfurt sowie meine Koch-Trips mit Gästen sehr viel Spaß. Zurzeit bin ich in der Planung von kulinarischen Kurztrips nach Paris, Hamburg und ins schöne Südtirol.

Bei all Ihren Aktivitäten kommt das Ehrenamt nicht zu kurz. Sie leiten beispielsweise Kinder in Sachen richtige Ernährung an. Warum tun Sie das?

Ich finde es ganz wichtig, dass man schon früh anfängt, das Interesse der Kinder am Kochen und an den Lebensmitteln zu wecken. Ist doch spannend, wo das Essen herkommt und welchen Weg es nimmt, bis es auf den Teller kommt. Wir schulden es unseren Kindern, sie frühzeitig aufzuklären, was gut und was schlecht für sie ist. Für mich ist das eine Herzensangelegenheit.

Außerdem sind Sie unter anderem Mitglied von „Spitzenköche für Afrika“. Was treibt Sie an?

Man sollte meinen, dass wir in unserem eigenen Umfeld und in dem Land, in dem wir leben, genug zu tun haben, wenn wir helfen wollen. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, hier aktiv zu werden. Ich gebe spezielle Kochkurse für Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben. Ich unterstütze die Stiftung Leben mit Krebs, und häufig helfe ich ganz spontan, ohne große Worte. Aber man darf auch die Augen nicht verschließen vor dem Leid der Menschen im Ausland.

Jetzt haben wir ja schon viele Stärken von Ihnen herausgearbeitet. Gibt es auch Schwächen?

Klar gibt es die. Ich bin oft ungeduldig. Ich versuche, aus mir das Beste herauszuholen, und ich bin trotz Applaus und guter Quoten manchmal immer noch unzufrieden mit mir. Das könnte man einfach noch besser machen, denke ich und vergesse, mich einfach mal zurück zu lehnen, mich zu entspannen und zu freuen. Ja, ich bin oft einfach zu selbstkritisch. Aber das hat ja auch was Gutes, denn so bleibt man mit den Füssen auf dem Boden und hebt nicht ab.

Ihr jüngstes Projekt ist der „Privat Food Club“. Dort bringen Sie in Wohnzimmer-Atmosphäre an einem langen Tisch Menschen zusammen, die gerne essen und trinken. Wenn Sie einen Tisch mit Menschen der Zeitgeschichte zusammenstellen dürften, wen würden Sie einladen?

Das nenne ich echt mal eine tolle Frage! Da ich mich gerne mit Geschichte befasse und viele Biografien lese, habe ich da genaue Vorstellungen, wen ich an einen Tisch setzen würde: Coco Chanel, George Washington, Andy Warhol, Galileo Galilei, Leonardo da Vinci, Angela Merkel, Barack Obama, Karl Lagerfeld, Bruno Mars und Lady Gaga. Die Mischung ist verrückt, ich weiß. Doch ich bin sicher, man hätte mit diesen Personen eine geballte Ladung an Persönlichkeiten. Echte Typen, die was zu erzählen haben. Ich wüsste nur allzu gerne, was für Gespräche dabei heraus kämen. Ich glaube, darüber könnte man auch eine eigene Sendung machen. Eine? Nein, das würde nicht genügen.

Ihre vegetarischen Kochkurse sind sehr beliebt. Es gibt sogar ein Kochbuch mit dem Titel „Lecker vegetarisch“ von Ihnen. Was halten Sie von der Einführung eines „Veggie-Days“?

Überhaupt nichts! Das ist doch eine Katastrophe, dass man in einem freien Land zu einem Veggie Day verdonnert werden soll. Klar sollten sich die Leute gesünder ernähren, weniger Fleisch und mehr Gemüse essen – aber doch nicht unter Zwang.

Was bedeutet Natur für Sie?

Ich liebe die Natur, ich bin sehr oft draußen und genieße die Ruhe, beispielsweise beim Joggen. Wir sind hier im Rhein Main Gebiet so reich beschenkt mit traumhaft schöner Natur. Man muss sich einfach nur mal die Augen aufmachen und auf Entdeckungsreise gehen. Das ist der beste Ausgleich in einem stressigen Alltag. Doch ich gebe zu, auch mich hält manchmal der innere Schweinehund zurück, und das ärgert mich ganz gewaltig.

Kochen Männer eigentlich anders als Frauen?

Definitiv! Und das ist auch gut so, denn Männer haben eine andere Einstellung zum Kochen und zum Essen. In der Regel kochen Männer aus Leidenschaft. Im Alltag müssen sie nicht kochen, denn das übernimmt häufig die Frau- auch wenn sie keine Lust dazu hat. Deshalb kochen Frauen praktischer, oft unkompliziertere Gerichte. Aber ich beobachte, dass Frauen auch kreativ kochen. Und sie haben viel Feingefühl für die Ästhetik des Kochens und die Aromen.

Können Sie bei all Ihren Aktivitäten überhaupt noch den Augenblick genießen?

Oh doch, das kann ich! Zum Beispiel, wenn ich ein Buch lese, mit Freunden ausgehe oder reise. Da bin ich ganz bei mir, kann abschalten und genieße dann in aller Ruhe. Apropos Ruhe – sie ist ein kostbares Gut, das wir uns alle täglich gönnen sollten. Wellness gratis und Balsam für die Seele.

Was hilft Ihnen in besonders kritischen Situationen?

Dass ich in meinem Leben schon viel erlebt habe – und nicht immer alles nur schön gewesen ist. Meine Erfahrungen sind für mein heutiges Leben ganz entscheidend. Ich habe aufgrund von Dingen, die ich falsch gemacht habe, sehr viel gelernt und das hilft natürlich.

Wer gehört zu Ihren Vorbildern?

Meine Mutter, sie ist eine starke Frau, die es nicht immer leicht im Leben hatte. Heute ist sie glücklich, denn sie hat gekämpft und ist angekommen. Ich bin stolz auf sie. Sie ist für mich ein großes Vorbild.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Noch vor 10 Jahren hätte ich Ihnen gesagt, dass Geld mir wichtig wäre. Aber heute sehe ich vieles anders. Zeit und echte Freunde zu haben, das macht glücklich und zufrieden. Und wenn das Geld zum leben reicht und man sich ab und zu mal was Schönes gönnen kann, dann stimmt die Richtung.

Gibt es ein Gericht, für das Sie alles stehen und liegen lassen?

Nicht nur eins … Hausmannskost finde ich zum Beispiel unwiderstehlich.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?

Nichts zu essen. Da ich viel unterwegs bin, habe ich keine Lebensmittel im Hause. Wenn ich schon mal zu Hause bin, dann gehe ich gerne essen. Ich koche doch sonst immer …