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Social-Distancing verändert das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Wie Online-Kurse Beschäftigten helfen, fit zu bleiben und mit neuen Herausforderungen umzugehen.

Fitnessplattformen

© Getty Images

Die Fitnessbranche boomte schon vor Corona. Rund 11,7 Millionen Menschen waren 2019 in einem der fast 10.000 Fitnessclubs in Deutschland aktiv – unter ihnen etliche im Rahmen eines Angebots ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM).

Vor der Pandemie haben viele Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht nur mit ergonomischen Bürostühlen und gesundem Kantinenessen gefördert, sondern eben auch mit Zuschüssen zum Fitnessstudio oder zum Yogakurs.

Doch wie in so vielen Bereichen hat sich seit dem Frühjahr 2020 auch im Freizeit- und Ausgleichssport alles ins Internet verlagert. Fitness-Apps und Fitnessplattformen erleben einen Boom.

 

9,7 Millionen Fitness-App-Nutzer in Deutschland

Dem Statista Digital Market Outlook zufolge nutzten im Jahr 2017 noch rund 9,7 Millionen Nutzer in Deutschland Fitness-Apps – bis zum Jahr 2024 prognostizieren die Experten einen User-Anstieg auf rund 18,3 Millionen. Die Nachfrage nach digitalen Angeboten ist infolge der Corona-Pandemie rasant gestiegen – und auch Unternehmen nehmen sie wahr.

So wie Dassault Systèmes 3DExcite. Der Softwareentwickler hatte schon kurz vor der Pandemie die Fitnessplattform Gympass eingeführt, berichtet CFO Patrick Weber. „Ziel war es, die Gesundheit der Mitarbeitenden weiter zu fördern und die Flexibilität des Angebots zu erhöhen; dies kommt ihnen gerade jetzt im Homeoffice zugute.“ Obwohl die Partnerschaft noch sehr jung ist, nutzen bereits 20 Prozent der Mitarbeiter das Angebot.

 

Gympass, Classpass und Urban Sports Clubs: ähnliches Konzept, vielfältige Angebote

Das Konzept der vergleichsweise neuen Fitnessplattformen ist ähnlich. Gympass und andere Anbieter wie Classpass und Urban Sports Clubs betreiben selbst keine eigenen Sportanlagen. Sie ermöglichen ihren Nutzern gegen einen monatlichen Festpreis aber den Zugang zu vielfältigen Angeboten – von Sportkursen über Personal Training bis hin zu Wellness.

Die Idee dazu entstand schon vor der Corona-Pandemie. Vielreisende Sportfans sollten in möglichst vielen Fitnesscentern trainieren können, ohne jedes Mal einen neuen Vertrag abschließen zu müssen. In den vergangenen Monaten hat sich das Konzept allerdings gewandelt und die Plattformen bündeln nun eben auch Onlinekurse und weitere Partner-Apps.

Bei den Mitarbeitern von Dassault Systèmes etwa sei die angebundene Meditations- und Achtsamkeits-App Calm sehr beliebt, sagt Weber. „Das Thema Mental Health wird sehr gut aufgegriffen.“ Mit mehr als fünf Millionen Downloads im Google-Store ist „Calm“ die derzeit beliebteste Meditations-App. Sie bietet Usern verschiedene Kurse für besseren Schlaf und Tiefenentspannung.

 

BGM muss digitaler werden

Wie wichtig neben körperlicher Gesundheit auch eine gesunde Psyche ist, unterstreicht Oliver Walle, stellvertretender Vorstand des Bundesverbands Betriebliches Gesundheitsmanagement (BBGM). „Wenn Mitarbeiter lediglich als Arbeitsmittel wie Laptop oder Tastatur betrachtet werden, müssen Chefs sich nicht wundern, wenn sie diese über kurz oder lang verlieren“, warnt er.

Studien zufolge sind „Arbeitsverdichtung“ und „mangelhafte Führungskultur“ Hauptgründe dafür, warum Mitarbeiter überhaupt erkranken. Das Angebot von qualitativ hochwertigen Gesundheitsapps wie Gympass sei ein Anfang, um dem entgegenzuwirken, konstatiert der Experte.

Die Krise zeige jedoch, dass es für BGM mehr braucht, wenn Mitarbeitergesundheit wirklich organisch werden soll: „Corona“, sagt Walle, „lehrt uns, dass BGM zukünftig digitaler werden muss mit entsprechender Digitalkompetenz der handelnden Akteure. Aber auch analoge Maßnahmen müssen weiterhin von großer Bedeutung bleiben.“

 

Vertretbare Kosten für digitales Fitnessangebot

Die Kosten für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern ein digitales Fitnessangebot für zu Hause machen, variieren oft nach Unternehmensgröße. Bei Gympass liegen sie für mittelständische Betriebe mit bis zu 500 Mitarbeitern zwischen 500 und 2.000 Euro im Monat. Doch das Geld ist gut investiert.

Im Schnitt nutze etwa ein Fünftel der Belegschaft der buchenden Unternehmen die Angebote, berichtet Gympass. Was daran aber besonders auffällig ist: Etwa 80 Prozent von ihnen sind Menschen, die vorher keinen oder nur wenig Sport gemacht haben.

Drei Fitnessplattformen

Gympass: Online und offline Sport- und Wellnessangebote, Personal Trainings, Gesprächstherapien, Meditationen.

Kosten: Zwischen 500 und 2.000 Euro im Monat für Mittelständler mit bis zu 500 Mitarbeitern.

 

Classpass: High Intensity Interval Training (HIIT), Yoga, Stretching und Meditation.

Kosten: Individuelle Angebote für Mittelständler, im Schnitt 15 bis 25 Euro pro Monat und Mitarbeiter.

 

Urban Sports Club: Fitness, Wellness, Yoga, Schwimmen, Bouldern und mehr.

Kosten: Je nach Art und Umfang der Mitgliedschaft monatlich 5 bis 20 Euro pro Mitarbeiter.