Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform
Weihnachten, Weihnachtsfeier

© Getty Images

Gemeinsame Feste sind der Kitt im sozialen Gefüge von Unternehmen. Allen voran die Weihnachtsfeier. Sie ist ein Rückblick auf Geleistetes und ein Ausblick auf Kommendes. Ganz darauf verzichten sollten Unternehmen auch im Corona-Jahr nicht. Denn auch virtuell gibt es Möglichkeiten.

Normalerweise beginnt für Miljan Kelovic das Weihnachtsgeschäft, wenn andere noch Sommerurlaub machen. Anfragen für Weihnachtsfeiern bekommt der Director Sales bei der Jochen Schweizer Mydays Holding schon Anfang August. Die ersten Buchungen bei dem Erlebnisanbieter folgen nur wenig später.

Das sei in diesem Jahr anders, sagt Kelovic. Die Unternehmen zögern. „Wegen Corona können sie nicht weit im Voraus planen. Viele wünschen sich eine Feier, sind jedoch unsicher, was sie machen dürfen und was nicht.“

Jetzt das betriebliche Weihnachtsfest zu verschieben oder abzusagen, mag zwar auf einige verlockend wirken, sei aus unternehmerischer Sicht jedoch keine gute Lösung, mahnt Tim Hagemann, Professor für Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld.

„Die Weihnachtsfeier bietet Gelegenheit, innezuhalten, das Jahr Revue passieren zu lassen und der Belegschaft zu danken für das, was sie geleistet hat.“ Ein solches Zeichen der Wertschätzung sei in einer „emotional aufwühlenden Zeit wie der, die wir gerade erleben“ wichtiger denn je.

 

Weihnachtsfeier: Wichtig für die Mitarbeitermotivation

Das Hamburger Marktforschungsinstitut Ears and Eyes hat im Dezember 2018 knapp 1.000 Arbeitnehmer zu ihren Erwartungen an eine Weihnachtsfeier befragt. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) findet sie wichtig für die Mitarbeitermotivation.

Bei den unter 30-Jährigen waren es sogar 70 Prozent. Auch das Betriebsklima und das Teambuilding profitieren aus Sicht von gut zwei Dritteln der Befragten eindeutig von einer Feierlichkeit zum Jahresende.

In diesem Jahr sind die Vorzeichen freilich anders. Vor-Ort-Veranstaltungen werden so gut wie unmöglich sein. Doch inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Event- und Erlebnisanbietern, die virtuelle Weihnachtsfeiern in ihr Programm aufgenommen haben – darunter auch Mydays und Jochen Schweizer.

„Es können einzelne Events gebucht werden oder ein ganzes Weihnachtshaus mit verschiedenen Aktivitäten“, erklärt Miljan Kelovic. Zur Auswahl stehen unter anderem Workshops, virtuelle Wein- und Bierverkostungen sowie verschiedene Online-Escape-Games. Dabei treten die Mitarbeiter in Teams gegeneinander an und lösen Rätsel.

Pro Veranstaltung sind maximal zwei Stunden angesetzt. „Alles, was darüber hinausgeht, wirkt schnell ermüdend“, sagt Kelovic. Die Kosten für ein Event belaufen sich im Schnitt auf 30 bis 50 Euro pro Person. Teurer wird es bei Extrawünschen – beispielsweise, wenn ein bekannter Koch die Zubereitung eines Weihnachtsessens anleiten soll.

Unternehmen, die keinen externen Dienstleister hinzuziehen möchten, können auch selbst eine virtuelle Feier auf die Beine stellen. Dabei gelte es, darauf zu achten, die Mitarbeiter nicht zu überfordern, sagt Tim Hagemann. „Niemand, der seit einem Dreivierteljahr im Homeoffice sitzt, hat Lust darauf, sich bei der Weihnachtsfeier mit aufwendiger Technik auseinanderzusetzen.“

Als Plattformen für digitale Partys eignen sich daher die Tools am besten, mit denen das Team ohnehin schon vertraut ist, wie Skype, Microsoft Teams oder Zoom. Kleine Spiele oder ein Quiz lassen sich mit Anwendungen wie Doodle, Slido oder Mural realisieren.

 

Virtuelle Weihnachtsfeier: Mehr als eine Videokonferenz

Um auch vorm Bildschirm festliche Stimmung aufkommen zu lassen, können die Organisatoren beispielsweise einen weihnachtlichen Dresscode festlegen. Oder bei einem Musik-Streaming-Anbieter eine Weihnachtsfeier-Playlist erstellen, die die Mitarbeiter mit eigenen Musikwünschen ergänzen und im Hintergrund abspielen können. Eine weitere Möglichkeit ist, Weihnachtsfeier-Kits – zum Beispiel aus Plätzchen, Kerzen und Glühwein – zusammenzustellen und sie den Mitarbeitern nach Hause zu schicken.

Damit der feierliche Anlass am Ende nicht doch nur zu einer einfachen Videokonferenz verkommt, rät Tim Hagemann dazu, die Belegschaft in kleinere Gruppen aufzuteilen, sobald die Eröffnungsrede beziehungsweise das Eröffnungsprogramm zu Ende ist. Das geht über sogenannte „Breakout-Sessions“, die unter anderem von Zoom oder Microsoft Teams angeboten werden.

„Wenn ich die Mimik und Gestik derjenigen, mit denen ich spreche, nicht richtig erkennen kann, wird es schnell unpersönlich“, sagt Hagemann. „Nach einem Jahr wie diesem sollte auch bei einer Weihnachtsfeier, die nur virtuell stattfinden kann, die persönliche Begegnung im Vordergrund stehen.“

So gelingt die virtuelle Feier

Mitarbeiterwünsche abfragen: Wie lassen sich diese Wünsche virtuell umsetzen?

Die richtigen Tools wählen: Mit welchen Anwendungen sind die Mitarbeiter vertraut und wie lassen sich diese Anwendungen kreativ nutzen?

Testlauf machen: Was klappt gut, was eher nicht?

Zeitfenster festlegen: Wann startet die Feier und wann soll sie enden?

Rück- und Ausblick geben: Wie war das Jahr und wie geht es weiter?

Gruppen bilden: Bei welcher Gruppengröße sind entspannte Gespräche möglich?

Festlichen Rahmen schaffen: Wie kommt Weihnachtsstimmung auf?