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Die „Werkseinstellung“ des Menschen heißt Ketose. Dabei deckt der Körper seinen Energiebedarf aus Fetten und nicht aus Kohlenhydraten – auch heutzutage ein erstrebenswerter Zustand.

 

© Julian Rentzsch

Zehn Millionen Jahre sind ein recht langer Zeitraum, in denen unsere Urahnen als Jäger und Sammler gar keine Kohlenhydrate essen konnten. Sie lebten von ausgegrabenen Wurzeln (Gemüse), wenigen wilden Beeren und Früchten, und bei Jagderfolg gab es Fleisch.

Ketose ist also unser Normalzustand. Erst als die Menschen Jagdtechniken entwickelten und mehr tierisches Eiweiß verzehrten, begann ihre Erfolgsgeschichte – messbar an deutlich gewachsenen Gehirnen mit höherer Intelligenz.

Ackerbau und Viehzucht begannen viel später, vor circa 8.000 Jahren. Seine Energie fälschlicherweise aus Kohlenhydraten zu decken, ist heute zwar die Regel – aber nicht unser Urzustand.

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt und Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.

 

Welche Ernährung ist „artgerecht“?

Erst wenn wir vom Ernährungsplan der Evolution abweichen und den heute gültigen Ernährungsempfehlungen der „Experten“ von mindestens 50 Prozent Kohlenhydraten folgen, treten Zivilisationskrankheiten auf: Übergewicht, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Demenz, diverse Krebsarten, Allergien, Neurodermitis – sie alle  haben ihren Ursprung oft in einer nicht artgerechten Ernährung.

Ich empfehle meinen Patienten zumindest eine kohlenhydratarme Ernährung. Denn Kohlenhydrate sind nicht essentiell, also nicht lebensnotwendig – ganz im Gegensatz zum Eiweiß. Es gibt allein acht essentielle Eiweißbausteine, die zwingend von außen zugeführt werden müssen, aber kein einziges essentielles Kohlenhydrat.

Heute essen sich viele Menschen an dem satt, was sie nicht brauchen, und haben deshalb zu wenig Platz auf dem Teller für das, was sie brauchen. Die Sättigungsbeilagen Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln also besser weglassen und stattdessen Fisch, Geflügel, Fleisch, Eier, gute Fette, viel Gemüse, Salate und Nüsse essen.

 

Ketogene Ernährung als Alternative zu Medikamenten

Die Harvard-Universität empfiehlt für Kinder mit epileptischen Anfällen die ketogene Ernährung immer dann, wenn alle Medikamente versagen. Wenn das Gehirn keinen Zucker mehr hat, sondern von den Abbauprodukten aus dem Fettstoffwechsel – den Ketonkörpern lebt – wird es auf „Werkseinstellung“ zurückgesetzt und die Epilepsie tritt nicht mehr auf.

Das Prinzip gilt auch für andere Krankheiten, aber auch für die Prävention. Probieren Sie es aus.

Besorgen Sie sich Keton-Teststreifen aus der Apotheke: Nur wenn sich der Teststreifen nach Kontakt mit Ihrem Urin rötlich verfärbt, sind Sie in der Ketose. Das klappt nur mit Konsequenz bei der Ernährung, belohnt Sie aber reichlich – mit einem zähen Körper und einem festen Willen.